Pößneck (Thüringen)

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Fotos ohne Nachfrage!
letzte Änderung: 03.06.2019

Die Tuch- und Lederindustrie, darunter die Tuchfabrik Siegel & Schütze, bildeten einst den Kern des wirtschaftlichen Aufstiegs von Pößneck, die Stadt an der Kotschau. In der Folge gründete sich dort 1891 die erste deutsche Gewerkschaft der Textilindustrie. Bedeutend war auch das Verlagswesen. So stand 1928 beim Verlag Vogel die größte Druckmaschine Europas, ein eigens hergestelltes Unikat. In der in Thühringen weit verbreiteten Porzellan-Industrie spielte die Stadt auch vorne mit. Die um 1800 entstandene, später in Conta & Böhme umbenannte Porzellanfabrik, stieg zur größten in Thüringen auf. 1876 setzte der Unternehmer Robert Berger noch, wie damals in vielen deutschen Städten üblich, eine Schokoladen- und Kakaofabrik hinzu. Berger machte seine Waren europaweit bekannt. Im Ergebnis erinnert noch heute die Marke Berggold an ihn, für die DDR-Skisprung-Legende Jens Weißflog seit 2012 Werbung macht.

VEB Lederwerke Einheit, 1864 gegr. als Lederfabrik Emil Brüderlein

Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014

1864 gründete Emil Brüderlein eine Lacklederfabrik. Es dauerte einige Zeit, bis er Grundstücke erworben und bebaut hatte. Um 1898 war er mit den nötigen Gebäuden am Start. Brüderlein wurde zum Lederkönig von Pößneck und setzte seit 1900 ein Schnellgerbverfahren ein. Nach dem Tod von Emil Brüderlein 1901 setzten dessen Söhne Emil und Arno die Geschäfte fort. Später übernahm Artur Merx, Sohn des eingeheirateten Heinrich Merx, die Fabrik. 1954 wurde der Betrieb enteignet, zum VEB Lederwerke Einheit umgestaltet und auf Schweinsleder umgestellt.

Hotel Posthirsch

Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014

Gegenüber der Post errichtete Carl Hermann Karol um 1880 anstelle alter Scheunen ein repräsentatives Gebäude samt Restauration parterre im Stile jener Gründerjahre. Schon bald darauf kaufte Karl Hüther das Objekt und machte das "Hotel zur Post" daraus. 1900 erbten dessen Söhne Max und Paul Hüther das Haus und führten es weiter, ehe sie es 1938 an Ernst Hüther weiterverkauften, ein Verwandter und zugleich Besitzer der Saalfelder Schokoladenfabrik Mauxion. Der neue Besitzer modernisierte das Hotel und benannte es in Posthirsch um. Das Mauxion-Hotel Posthirsch gehörte zu den Mauxion-Roterhirsch-Gaststätten Saalfeld-Pößneck. Im Zuge des Weltkriegsendes 1945 bezogen erst die Amerikaner, dann die Russen Quartier im Hotel. Das Hotel Posthirsch war von den 1950er bis in die 1980er Jahre in der Hand der HO. Am 8. Januar 2011 nannte die "Ostthüringer Zeitung" im Zusammenhang mit Überlegungen, das Hotelplatzangebot in Pößneck auszubauen, auch das Hotel Posthirsch. Allerdings zeigten die Beteiligten der Initiative kein Interesse an dem seit Anfang der 1990er Jahre leerstehenden Gebäude, das einst das erste Haus am Platz war.

Mauxion: 1855 startet der Franzose Pierre André Mauxion in Berlin eine Pralinenproduktion. Seine Söhne Alfred und Felix übernehmen den Betrieb. Die suchen bald nach Erweiterungsflächen, wobei Felix Ende 1900 in nahen Saalfeld auf die Neumühle stößt, die den Waschmaschinenfabrikanten Arthur und Alfred Rißmann gehört. Von 1911 bis 1917 kauft sich Ernst Hüther schrittweise in die Saalfelder Schokoladenwerke ein. mehr

Eismann′s Bürgerbräu

Eismann Brauerei, Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014

1920 Brauverein Josef Eismann Nachf. GmbH

Gutenberg-Haus in Pößneck

Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014

Wer weiß mehr zum Gutenberg-Haus? Bitte hier melden!

Bäckerei Arno Kanis

Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014

Wer kann helfen, die Geschichte der Bäckerei Kanis zu erzählen? Bitte hier melden!

INTEX Fachhandel

Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014

Wer weiß etwas über INTEX? Bitte hier melden!

Schieferdecker Schilling

Foto: Martin Schramme, 2014

"Schieferdecker Schilling 2 Etagen" - diese Aufschrift an einer Wand ist alles, was von einem Haus in Pößneck übrig geblieben ist. Weitere Recherchen ergeben, dass hier der Stadtbaumeister und gelernter Schieferdecker Hermann Schilling (1839-1923) gemeint ist.

Betriebe in der DDR (1949-1990)
VEB Baustoffbetriebe Pößneck
VEB Thüringer Schokoladenwerk Berggold (Berggold Pößneck im VEB Kombinat Süßwaren Halle)
VEB Chemische Fabrik Pößneck
VEB Döbritzer Hartstienwerk Pößneck
VEB Elektrotechnik Kahla BT Ratiobau Pößneck
VEB Getreidewirtschaft Neustadt/Orla Pößneck (VEB Kombinat Getreidewirtschaft Gera)
VEB Holzgerätebau Pößneck
VEB Karl-Marx-Werk Pößneck, Graphischer Großbetrieb (VOB Zentrag)
VEB Kinderschürzen Pößneck
VEB Kreisbaubetrieb Pößneck (auch Bau oder Baureparaturen)
VEB Kreisbetrieb für Landtechnik Pößneck (VEB Kombinat Landtechnik Gera)
VEB Lederwarenfabrik Pößneck
VEB Lederwerke Pößneck (VEB Lederwerk Einheit Pößneck im VEB Kombinat Kunstleder- und Pelzverarbeitung)
VEB Leichtmetallguß Pößneck
Milchhof Pößneck
VEB Möbelwerke Pößneck (VEB Möbelkombinat Zeulenroda)
VEB Plastic Pößneck (oder VEB Polymer Pößneck, Ausgründung zum 01.05.1990, Privatisierung durch die Treuhand am 17.01.1991, VEB Kombinat Plasterzeugnisse Eisenberg)
VEB Pößnecker Außenleuchten, Rosa-Luxemburg-Str. 7 (VEB Kombinat Leuchtenbau Zeulenroda)
VEB Pößnecker Spannwerkzeuge (VEB Kombinat Maschinenbauerzeugnisse Zeulenroda)
VEB Pößnecker Volltuchwerke
VEB Ratiobau Pößneck (VEB Kombinat Süßwaren Halle)
VEB Reißspinnstoffe Pößneck
VEB Rohrleitungs- und Behälterbau Pößneck (VEB Kombinat Maschinenbauerzeugnisse Zeulenroda)
VEB Rosenbrauerei Pößneck (VEB Kombinat Ostthüringer Brauereien)
VEB Rotasym Pößneck (VEB Kombinat Wälager und Normteile Karl-Marx-Stadt)
VEB Thüringer Streichgarnspinnerei Pößneck
VEB Werkzeugmaschinenfabrik Pößneck

Wirtschaft und Leben in Pößneck vor 1945
Bergner & Weiser (Leuchtenbau)
Erste Pößnecker Unterrockfabrik Franz Kammbach (gegr. 1893)
Fawag Fahrrad-Werk-AG (gegr. 1923, Insolvenz 1924, Weiterbetrieb durch Kaufleute aus Berlin und Hamburg)
Feldschlößchen-Brauerei Chr. Schilling (gegr. 1887)
F.G. Rossner (Flanellspinnerei, -weberei und -färberei)
Flanellfabrik Fischer & Seige
Flanellfabrik G.F. Thalmann
Flanellfabrik J.G. Zoeth & Söhne (gegr. 1868)
Flanellfabrik Siegel & Schütze
Lederfabrik Emil Brüderlein
Lederfabrik Rich. Weithase & Co. (Fabrik für Saffian- und Lackleder, gegr. 1870)
Maihak AG
Porzellanfabrik Conta & Böhme (gegr. 1801)
Rosenbrauerei Richard Wagner (gegr. 1866)
Schokoladen- und Kakaofabrik Robert Berger (gegr. 1876)
Seig′sche Schönfärberei (seit 1795)
C.G. Vogel, Verlag und Großbuch Druckerei (gegr. 1891)
Wollwarenfabrik C.G. Bernhard
Wollwarenfabrik Horn & Co. (gegr. 1883)

Eintrag im Brockhaus-Lexikon von 1894: An der Kotschau, die nicht weit davon in der Orla mündet, an der Linie Gera-Saalfeld der Preußischen Staatsbahnen und an der Nebenlinie Orlamünde-Oppurg der Saaleisenbahn. Postamt erste Klasse, Telegraph, Fernsprecheinrichtung, Wasserleitung. Fabrikation von Flanellen, Lederwaren, Porzellan, Farben und Konfitüren; Brauereien.

Legende
DDR = Deutsche Demokratische Republik, erster deutscher Arbeiter-und-Bauern-Staat, Sozialismus (07.10.1949-02.10.1990)
HO = Handelsorganisation (der DDR)

Quellen
Ostthüringer Zeitung
"Pössneck: Alte Bilder erzählen" von Christel Ziermann und Hans Enkelmann
Wikipedia