Neukirchen (Pleiße, Sachsen)

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Bilder ohne Nachfrage!
letzte Änderung: 27.10.2019

Tuchmacher und schließlich die Textilindustrie bestimmten bis zum Ende der DDR 1989/90 das wirtschaftliche Geschehen in Neukirchen an der Pleiße. Nicht zu übersehen war auch die 1910 errichtete Malzfabrik direkt an den Bahngleisen.

Malzfabrik Carthause Oswald Mummert (Kulturdenkmal des Freistaats Sachsen)

Malzfabrik, Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015

Das Baujahr der Malzfabrik Carthause Oswald Mummert datiert auf 1910. Die Bauherren fanden für die Fabrik an der Bahnstrecke Crimmitschau-Schweinsburg und dem Flüsschen Pleiße einen idealen Standort.

Im Crimmitschauer Adressbuch von 1933 ist unter Carthause folgender Eintrag zu finden: Gottschall, Wwe., Anna, Gastwirtschaft Carthause, wds 64, empfehle meine freundlichen Lokalitäten sowie schönes Gesellschaftszimmer zur Abhaltung kleiner Festlichkeiten mit Musikwerk". Anna Mummert ist der Werdauer Straße 59 vermerkt und damit nicht weit von der Malzfabrik entfernt. Zum Haus der Herren Carthause gehörte einst ein Herrenhaus, das 1946 für den Bau der Ernst-Thälmann-Straße abgerissen wurde.

Im Sächsischen Staatsarchiv liegen zur Malzfabrik Akten für die Jahre 1926 bis 1938 und 1945 bis 1946 vor. 1946 wurde die Fabrik offenbar enteignet und anderen Betrieben angegliedert. In späteren Unterlagen ist Carthause unter VEB Feldschlößchenbrauerei Werdau vermerkt.

Zum Einsatz kam auch in der DDR noch alte Technik von der 1905 begonnenen Gebr. Grosse Mühlenbauanstalt in Lohmen (GEGROLO), Sachsen, die nach 1946 als Reparationsleistung an die Sowjetunion demontiert wurde und bis zum Ende der DDR 1990 als VEB Nagema Mühlenbau Lohmen geführt wurde.

Etliche Jahre nach der Wende galt die Malzfabrik der Partygängern als "sehr geiles line up" (Foreneintrag vom März 2006). Im April 2014 wurde die Malzfabrik in einer Zwangsversteigerung für einen Euro angeboten. Baujahr hieß es, war um 1900. Es bestehe kein Denkmalschutz. Das Gebäude sei wirtschaftlich und bautechnisch überaltert. Dabei ist die Fabrik nicht nur von der Bahn gut sichtbar, sondern wegen der aufwändigen Gestaltung des Namensspiegels eigentlich schützenswert.

Louis Uhlstein Pferdehandlung 1892

Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015

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Konsum(genossenschaft)

Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015

Im Ergebnis der Industrialisierung entstanden im 19. Jahrhundert europaweit Konsumgenossenschaften. Arbeiter und Handwerker schlossen sich dort zusammen, um sich unabhüngig und preiswert mit Waren des täglichen Bedarfs zu versorgen. Sie wollten sich nicht länger von Kr&auuml;mern betrügen und ausnehmen lassen. Das im deutschsprachigen Raum kopierte Vorbild war die Rochdale Society of Equitable Pioneers (die Rochdaler Genossenschaft der redlichen Pioniere), die Ende 1844 in Rochdale (England) entstanden war. 1850 gründeten Menschen in Eilenburg die Eilenburger Lebensmittelassociation, die erste richtige Konsumgenossenschaft in Deutschland. 1945 bewilligte die Sowjetische Militäradminstration auf dem Gebiet der späteren DDR, das Genossenschaftswesen wiederzubeleben. Zum Ende der DDR 1989 existierten 198 Konsumgenossenschaften.

Tuchfabrik Gebrüder Fürst (1899/1908 - Kulturdenkmal des Freistaats Sachsen)

Tuchfabrik Fuerst, Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015

Bei dem Gebäudekomplex handelt es sich um die ehemalige Tuchfabrik Gebrüder Fürst. Zwei Fabrikgebäude an der Wiesenstraße sind im Stil der Neugotik gehalten. Die Geschichte des Unternehmens begann 1899, als Maximilian Fürst das spätere Betriebsgrundstück vom Rittergut Carthause kaufte. Los ging es 1901 mit einer Färberei. Es folgte bis in die 1930er Jahre der schrittweise Ausbau zur Kammgarnspinnerei. Bis 1971 wurde das Unternehmen als sogenannter halbstaatlicher Betrieb geführt. Im Zuge der schrittweisen Verstaaatlichung und Kombinatsbildung in der DDR (1949-1990) war der Betrieb ab 1972 der VEB Anzugstoffe Neukirchen, der 1977 zum Betriebsteil des VEB Volltuchwerken Crimmitschau wurde. Nach dem Ende der DDR und der Reprivatisierung aller Staatsbetriebe übernahm zunächst die Spengler & Fürst GmbH und später, nach dem Aus für den Standort Neukirchen, das Gewerbecenter Neukirchen. Carl Spengler hatte 1837 im nahen Crimmitschau die Fabrikation von Buckskin-, Cheviot- und Kammgarn begonnen.

Mineralwasserfabrik Arno Nagel

Mineralwasser-Fabrik, Foto: Martin Schramme, 2015

Die Mineralwasserfabrik Arno Nagel war offenbar eine kleinere Mineralwasserfabrik. In der DDR gab es noch folgende Mineralwasserfabriken: Mineralwasser mit Fruchtgeschmack aus Sömmerda (Amalienbrunnen), Mineralwasserfabrik Wilhelm Brand KG Halle (ab 1972 VEB Brausella Halle), Mineralwasser aus Bad Lauchstädt (Lauchstädter Heilbrunnen), Mineralwasser und darauf beruhende Limonaden (Margonwasser) aus Burkhardswalde.

Betriebe in der DDR
VEB Anzugstoffe Neukirchen
VEB Fahrzeugbeschlägeteile Neukirchen/Pleiße (VEB Kombinat Maschinenbau Karl-Marx-Stadt)
VEB Fernmeldetechnik Neukirchen Kreis Karl-Marx-Stadt Land
VEB Flockenfärberei Neukirchen
VEB Fischeierproduktion Neukirchen / VEB Fischeierbetrieb Neukirchen (VEB Kombinat industrielle Tierproduktion)
VEB Kokosweberei Neukirchen
VEB Licht- und Sonnenschutzanlagen Neukirchen (VEB Kombinat Haus- und Küchengeräte Schwarzenberg)
VEB Metallgießerei und Dreherei Neukirchen
VEB Metallverarbeitung Neukirchen Schweinsburg (VEB Kombinat Technische Gebäudeausrüstung Leipzig)
VEB Metallwaren Neukirchen
VEB Papierwaren Neukirchen Kreis Karl-Marx-Stadt Land
VEB Reißwollwerke Neukirchen
VEB Vereinigte Ziegelwerke Neukirchen
VEB Volltuchwerke Crimmitschau, Betriebsteil
VEB Wirkwäsche Neukirchen Kreis Karl-Marx-Stadt Land / VEB Ziegelkombinat Karl-Marx-Stadt in Neukirchen (VEB Kombinat Bau- und Grobkeramik Halle)
VEB Zweizylinderspinnerei Neukirchen (VEB Kombinat Deko Plauen)

Betriebe vor 1945
Albert & Uhlstein Pferde-Handlung, Neukirchen
Garnfabrik Gebrüder Wolf
Malzfabrik Carthause Oswald Mummert
Mehlhorn Gewächshausbau
Reuter & Beckert Streichgarn-Vigogne-Spinnerei
Tuchfabrik Gebrüder Fürst

Quellen
gebrüder-fürst.de
de.wikisource.org