Cunersdorf (Annaberg-Buchholz, Sachsen)

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Bilder ohne Nachfrage!
letzte Änderung: 22.06.2019

Cunersdorf ist ein Ortsteil der Stadt Annaberg-Buchholz im Erzgebirge. Seit der ersten Häfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Cunersdorf zum Industriedorf. Zum Bergbau kam die Textilindustrie. Mit dem Bau der Eisenbahnstrecken nach Weipert (1872) und nach Schwarzenberg (1889) nahm Cunersdorf eine rasante Entwicklung. Durch den Zuzug von Eisenbahnern verdoppelte sich die Einwohnerzahl innerhalb von 20 Jahren bis 1910 auf 1456. Ab 1904 wurde Cunersdorf mit Gas versorgt, ab 1911/12 mit Strom und ab 1956/57 mit Trinkwasser.

Konfektionswerk Eminett

Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017

1966 bekam der Betrieb den Namen Eminett, der seit der Vereinigung mit den Textilwerken Cranzahl 1957 VEB Cunersdorfer Wirkwarenfabrik hieß. In Cunersdorf befand sich Werk II des VEB Eminett (Kombinat Trikotagen und Strümpfe). Die Stoffe kamen aus Werk I in Cranzahl. In Cunersdorf wurden unter anderem Nachtwäsche, Untertrikotagen, Sportbekleidung und Shirts hergestellt. Die Geschichte des Standortes begann indes viel früher: Eine alte Ölmühle befand sich zunächst an der Stelle, wo Christian Ferdinand Kahrig 1833 eine Baumwollspinnerei errichten ließ. Ein Fabrikneubau, der 1842 errichtet wurde, brannte 1913 aus. Hermann Levin ließ dort Anfang der 1920er Jahre eine Textilfabrik bauen. Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) und der Besetzung der Region durch sowjetische Truppen folgte die Enteignung. Die neuen politisch Verantwortlichen überführten die Betriebe schrittweise in Volkseigentum, so dass in Cunersdorf der VEB Cuwifa (Cunersdorfer Wirkwarenfabrik) entstand. Gegen den ehemaligen Inhaber der Wirkwarenfabrik Fa. Levin & Kaufmann wurde 1948 ermittelt, weil er unter dem Verdacht stand, sich als Offizier der Waffen-SS während der NS-Zeit (1933-1945) an Verhaftungen von politischen Gegnern teilgenommen zu haben und politisch tätig gewesen zu sein. Seit 2008 steht das Objekt leer. Die zwei Fabrikgebäude im Stile des Neoklassizismus stehen unter Denkmalschutz. Das gilt auch für die nahegelegene Villa des Textilfabrikanten Hermann Levin, dem die Fabrik einst gehörte. 2018 berichtete der Stadtanzeiger von Annaberg-Buchholz, dass ein Investor aus Berlin mit der Deutschen Bank in Verhandlungen um den Kauf der alten Fabrik stehe. Am 19. Juni 2019 schrieb die "Freie Presse" über den Verfall der Fabrik. Inzwischen seien 30 Prozent der Dächer eingestürzt.

Wirtschaft in Cunersdorf vor 1945
Fa. Levin & Kaufmann, Wirkwarenfabrik, Cunersdorf
M.A. Popp Aktiengesellschaft (gegr. 1923, aus Streichgarnspinnerei M. A. Popp hervorgegangen)

Quellen
annaberg-buchholz.de