Cottbus (Brandenburg)

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Bilder ohne Nachfrage!
letzte Änderung: 10.10.2018

Cottbus ist - nach Potsdam - die zweitgrößte Stadt im Land Brandenburg. Im Zeitalter der Industrialisierung entwickelte sich die Stadt zu einem bedeutenden Industriestandort und Verkehrsknoten. Bekannt ist die Stadt an der Spree nicht zuletzt wegen des Zungenbrechers vom Postkutscher ("Der Cottbuser Postkutscher putzt den Cottbuser Postkutschkasten.").

Geschäftsbücherfabrik, Buch-, Stein- und Offsetdruckerei Otto Enke Cottbus (1900-1948)

Druckerei Otto Enke Cottbus, Foto: Martin Schramme, 2016 Foto: Martin Schramme, 2016 Foto: Martin Schramme, 2016 Foto: Martin Schramme, 2016

Auf dem Gelände des 1872 nach Cottbus eingemeindeten Dorfes Ostrow wurde um die vorletzte Jahrhunderwende ein imposanter Gebäudekomplex errichtet: Das erste Objekt in Cottbus auf der Basis der Eisenbeton-Stahlskelettbauweise, das mit einem der Gotik entlehnten Bauschmuck in roten Verblendklinkern und allerlei Beiwerk auch heute noch beeindruckt. Markante Teile des Gebäudekomplexes ließ der Maschinenfabrikant Viktor Sterz 1891 für Fabrik und Verwaltung erbauen. Sein Nachnutzer ab 1900, Otto Enke, veranlasste mehrere Erweiterungsbauten; 1908 und 1922/23. Seit 1920 war auch die Druckerei der Lausitzer Landeszeitung im Haus. Zu DDR-Zeiten (DDR = 1949-1990) hatte der VEB Starkstrom-Anlagenbau Cottbus hier einen Sitz. Nach dem Ende der DDR 1990 stand der Industriekomplex Briesmannstraße 2-3 jahrelang leer. Wie in vielen vergleichbaren Objekten zogen respektlose Menschen durch die Häuser und zerstörten Teile der Häuser und beschmierten Mauerwerk mit Graffiti. Dann nahm sich die im November 2010 gegründete Eigentümerstandortgemeinschaft (ESG) Ostrow des Bauwerkes an. Nun ist es eine mit Sicherungstechnik überwachte Anlage. Die erste Idee zur Revitalisierung der Fabrik enststand mit Architekturstudenten der Brandenburgischen Technischen Universität, die Entwürfe für aufsehenerregende Lichtinstallationen lieferten.

Dieselkraftwerk (einmalig im Land Brandenburg)

Dieselkraftwerk Cottbus, Foto: Martin Schramme, 2016 Foto: Martin Schramme, 2016

Das Dieselkraftwerk ist in Hinblick auf seinen bauhistorischen Wert einmalig im Land Brandenburg. Es handelt sich um ein Industriegebäude mit spätexpressionistischen bis neusachlichen Elementen. Das Konzept für das Bauwerk kam von den Architekten BDA Werner Issel, Berlin-Lichterfelde.

Weltspiegel (Deutschlands ältester noch bespielter Kinozweckbau)

Foto: Martin Schramme, 2016 Foto: Martin Schramme, 2016

Der Cottbuser Weltspiegel ist ein mehreckiger, langgestreckter, verputzter Ziegelbau und der älteste noch bespielte Kinozweckbau in Deutschland. Er entstand nach einem Entwurf des Architekten Paul Thiel und wurde durch das Bauunternehmen Moritz Hausten gebaut. Am 4. Oktober 1911 war der erste Film zu sehen. Bis 1929 wurden Stummfilme ausgestrahlt, die mit Musik von einem Piano begleitet wurden. Das Kino fasste zu dieser Zeit etwa 800 Besucher. Seit der Eröffnung wurde der Weltspiegel bis März 1998 ununterbrochen als Kino genutzt. In den 1950er Jahren wurden bei Instandsetzungsarbeiten auch Veränderungen an der Fassade vorgenommen. Auch der Schriftzug "Weltspiegel" wurde entfernt. Im Inneren des Gebäudes wurden Paneele, Beleuchtung sowie die Bestuhlung erneuert. Zudem wurde das Saalfoyer vergrößert. Weitere Restaurierungsarbeiten fanden in den Jahren 1977 und 1990 statt, wobei 1977 auch die Kinotechnik modernisiert wurde. Unter anderem wurde ein neuer Bildwerferraum gebaut. Die Bühne und das Bühnenportal wurden auf Breitwand umgestellt. Von 1998 an stand das Gebäude leer. Erst im März 2010 begannen aufwändige Sanierungsarbeiten. So erhielt die Fassade ihr ursprüngliches Aussehen aus dem Eröffnungsjahr. Außerdem bietet ein neuer Anbau an den Weltspiegel Platz für zwei weitere kleinere Kinosäle mit jeweils 90 Plätzen sowie ein Cafe. Bei der Sanierung wurde auch eine moderne Lüftungsanlage eingebaut.

Brauerei (VEB Stadtbrauerei)

Foto: Martin Schramme, 2016 Foto: Martin Schramme, 2016 Foto: Martin Schramme, 2016 Foto: Martin Schramme, 2016

Cottbus hatte zu seinen besten Zeiten drei Brauereien und setzte mit ihnen eine lange Brautradition fort, deren Nachweise bis in das Jahr 1385 reichen. An einer ist noch die Aufschrift aus DDR-Zeiten zu erkennen: "VEB (K) Stadtbrauerei". Seit 2015 setzt eine Neugründung, das Labieratorium, die Tradition fort, nachdem im selben Jahr der Abriss der alten Merkur-Brauerei beschlossen war.

Wirtschaftsobjekt

Foto: Martin Schramme, 2016 Foto: Martin Schramme, 2016

"Kraftwagen-Anlage - offenes Licht, Feuer u. Rauchen verboten"

Kaufhaus "Weiße Taube"

Foto: Martin Schramme, 2016 Foto: Martin Schramme, 2016 Foto: Martin Schramme, 2016 Foto: Martin Schramme, 2016

Das Kaufhaus "Weiße Taube" wurde 1897 im Auftrag des Kaufmanns Otto Rechnitz errichtet. Die Bauausführung übernahm das Cottbuser Baugeschäft C.L. Schade jun.. Während der Nachkriegszeit wurden die Dachgauben, der Zwerchgiebel und der Dachreiter vom Dach entfernt.

Wichernhaus (errichtet 1936)

Foto: Martin Schramme, 2016 Foto: Martin Schramme, 2016 Foto: Martin Schramme, 2016 Foto: Martin Schramme, 2016

1936/37 wurde das Missionsgebäude mit großem Versammlungsraum erbaut.

Wasserturm / Wasserwerk (erbaut 1897)

Foto: Martin Schramme, 2016 Foto: Martin Schramme, 2016 Foto: Martin Schramme, 2016

Der Wasserturm ist Teil des 1897 errichteten Wasserwerkes Cottbus. In diese Zeit fällt auch der Bau erster Kanalisationen, wie ein Gulli-Deckel aus dem Jahr 1899 beweist, der sich noch 2016 unweit der Gerberhäuser befand.

Raumflugplanetarium "Juri Gagarin" (1974)

Foto: Martin Schramme, 2016 Foto: Martin Schramme, 2016

Das Raumflugplanetarium "Juri Gagarin" wurde 1974 am heutigen Lindenplatz eröffnet. Unter der großen Kuppel haben 130 Besuchern Platz.

Betriebe in der DDR (1949-1990)
VEB Brauerei Cottbus
VEB Braunkohlewerk Cottbus
VEB Chemiehandel Potsdam, Betriebsteil Cottbus, Gaglowerstraße 16
VEB Cottbuser Wollwaren-Fabrik
VEB Energiekombinat Cottbus, Thiemstraße 136
VEB Getränkekombinat Cottbus
VEB Kraftverkehr Cottbus
VEB Polstermöbelwerk Cottbus
VEB Raumgestaltung, Cottbus, Berliner Straße 24
VEB Starkstrom-Anlagenbau Cottbus, Briesmannstraße 2 (VEB Kombinat Elektroprojekt und Anlagenbau Berlin)
VEB Textilkombinat Cottbus (TKC), Klosterstraße 71
VEB Kombinat Tiefbau Cottbus
VEB Wohnungsbaukombinat Cottbus

Wirtschaft in Cottbus vor 1945
Teppiche aus Cottbus: Cottbus entwickelte sich neben einem Zentrum der Tuchindustrie auch zu einem bedeutenden Ort der Teppichherstellung. 1861 gründete Theodor Kühn seine Firma in Cottbus. 1865 stellten 90 Beschäftigten insgesamt 80 "persische Teppiche" und auf 25 Stühlen 1200 Deckenstoffe her. 1873 übernahm Otto Pietsch die Fabrik. 1894 ging diese in der Vereinigte Smyrna-Teppich Fabriken AG auf, die durch Übernahme von Pietsch und der Firmen Gevers & Schmidt in Schmiedeberg und Dehmann, Spoerer & Friedrichs in Hannover-Linden entstand. Hergestellt wurden Mechanische Smyrna-Teppiche, Läufer, Doppelteppiche und Tournayteppiche. Der Sitz war bis zum Jahr 1913 in Berlin, dann in Cottbus. Im Jahr 1947 wurde die Vereinigte Smyrna-Teppich Fabriken AG nach Hannover verlagert, ab 1951 war sie eine GmbH, ab 1959 hieß sie Kronen-Teppich-Fabrik GmbH.
Bayrische Brauerei Cottbus
Brauerei Gustav Schultze Söhne, Cottbus
Kurmärkische Brauerei AG Cottbus (seit 1946, Nachfolger Merkur)
Merkur Brauerei Cottbus (seit 1864)
Vereinsbrauerei AG Cottbus (seit 1933, Nachfolger Merkur)

Eintrag im Brockhaus-Lexikon von 1894: Die bedeutende Industrie erstreckt sich auf Kammgarn- und Wollspinnerei, Leinen- und Jutespinnerei sowie Fabrikation von Kammgarn, Tuch und Buckskin, Hüten, Smyrnateppichen, Läufern, Maschinen, Möbeln, Tabak und Preßhefen; außerdem bestehen Dampfschneidemühlen, Kornbrennereien, Brauereien, Mälzereien und Gerbereien. An den Linien Halle-Cottbus-Guben, Berlin-Cottbus-Görlitz und Frankfurt (Oder)-Cottbus-Großenhain der Preußischen Staatsbahnen.

Begriffslegende
Buckskin = Anzug- und Kostümstoff aus Wolle- und Viskosestreichgarn
Smyrna-Teppich = Teppich benannt nach der ehemals griechischen Stadt Smyrna, die heute in der Türkei liegt.

Quellen: Wikipedia, Märkischer Bote