Zörbig

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Bilder ohne Nachfrage!
letzte Änderung am 10.11.2017

Zörbig ist ein bemerkenswerter Ort in Sachsen-Anhalt. Die vielen schicken Ziegelbauten zeugen von einer einst stolzen Stadt.

Orgelbauanstalt von W. Rühlmann

Foto: Martin Schramme, 2016 Foto: Martin Schramme, 2016 Foto: Martin Schramme, 2016 Foto: Martin Schramme, 2016 Foto: Martin Schramme, 2016

Die berühmten Rühlmann-Orgel stammen aus Zörbig. Von einst stolzen Fabrik stehen heute nur noch die Gebäude an der Straße, aber die sind auch am repräsentativsten und lange sah es so aus, als würden sie nur verfallen und vielleicht irgendwann abgerissen. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts legte Andreas Ludwig Zuberbier, später Hoforgelbaumeister in Dessau, die Grundlagen des Orgelbaus in Zörbig. Im flogte die Familie Rühlmann und baute von 1842 bis 1940 beinahe 500 Orgeln. Allein im nahen Halle an der Saale standen vor dem 1939 insgesamt 30 Rühlmann-Orgeln. Das heute erhaltene Gebäudeensemble der Fabrikations- und Wohnstätte ist bundesweit einmalig, denn es handelt sich um den einzigen erhaltenen historischen Werkstattkomplex einer Orgelbauerfamilie in Deutschland. Nach 65 Jahren Stillstand und Verfall ist der Orgelbau am Standort im Jahre 2006 wieder angelaufen.

Villa des Zuckerfabrikanten, in der DDR Poliklinik

Foto: Martin Schramme, 2016 Foto: Martin Schramme, 2016 Foto: Martin Schramme, 2016

1852 gründeten die Brüder Elsner in Zörbig eine Zuckerfabrik. Der mitteldeutsche Raum bot ideale Bedingungen für den Anbau von Zuckerrüben. Infolge der Kontinentalsperre durch Napoleon hatte sich die einheimische Zuckerrübe zur Alternative für das Zuckerrohr aus Übersee entwickelt. Mehrere Zuckerfabriken, darunter auch die in Zörbig, bekamen einen Gleisanschluss nach Köthen. Ludwig Elsässer war der erste Fabrikdirektor. Während des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) kamen kriegsgefangene Russen und Franzosen als Zwangsarbeiter zum Einsatz. Sie mussten unter anderem Kohle und Zuckerrüben ausladen. 1945 gehörte die Zuckerfabrik zu den führenden in Deutschland, doch sie wurde Teil der Reparationsleistungen an die Sowjetunion. Zu DDR-Zeiten (bis 1990) wurde die alte Fabrikantenvilla als Poliklinik genutzt und später durch einen modernen Anbau mit Wellendach erweitert (Radegaster Str. 2).

Bahnhof Zörbig

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2016 stand der teilweise schwer beschädigte Bahnhof Zörbig zum Verkauf. Es ist das traurige Ende einer langen Geschichte. Die Geschichte begann am 22. Juli 1840 mit der Aufnahme des Eisenbahnbetriebs auf der Strecke Köthen-Stumsdorf-Halle. 1897 eröffnete die Nebenbahnlinie Stumsdorf–Bitterfeld, durch die auch Zörbig einen Bahnanschluss erhielt. Diese Strecke bekam im Volksmund den Namen "Saftbahn", weil mit ihr das bekannteste Produkt aus Zörbig, der Saft aaus Zuckerrüben, transportiert wurde.

Speicher, in der DDR Objekt der BHG

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altes Speichergebäude der Bäuerlichen Handelsgenossenschaft (BHG) Zörbig

Rieda

Gutshaus (Baujahr 1886)

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Wer kann mehr zu der Villa und dem Gutshof sagen?

Stumsdorf

Bahnhof Stumsdorf

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1842 bekam Stumsdorf ein massives Bahnhofgebäude anstelle des zuvor dort errichteten Bretterhauses. Das Objekt war selbst noch im Jahr 2016, als es leider schon länger leer stand und verfiel, eine Augenweide mit seinen roten Ziegeln, der geschmackvollen Gliederung, den Holzarbeiten und den bunten Fensterchen.

LPG Professor Theodor Roemer Stumsdorf (Karl-Marx-Straße 7

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Professor Theodor Roemer war einer der bedeutendsten deutschen Agrarwissenschaftler. Seine Schwerpunkte waren Ackerbau und Pflanzenzucht. 1951 verstarb er in Halle an der Saale, wohin er 1919 an die Universität mit ihrer renommierten Agrarforschung gerufen worden war.

Schortewitz

PGH Fuhnetal

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1958 entwickelte sich die PGH Fuhnetal auf dem Gelände der Ziegelei. Auf den verbliebenen Splittern des einstigen Hinweisschildes der PGH Fuhnetal war im Herbst 2017 unter anderem noch "Bau- und Ausbauhandwerk Radegast-Schortewitz" zu lesen.

Betriebe in der DDR (1949-1990)
VEB Achslagerwerk Staßfurt, Abteilung Waggonreparatur Zörbig
VEB Elektromotorenwerke Wernigerode, Motorenwerk Zörbig
VEB Meliorationsbau Halle, Löberz
VEB Möbelkombinat Wi-We-Na, Sitz Dessau, Produktionsbereich Karl-Marx-Str. 21 (Wi = Wittenberg, We = Weißenfels, Na = Naumburg)
VEB Omnibus- und Mietwagenbetrieb Salzfurthkapelle, Hinsdorfer Weg 1
VEB Schaltanlagenbau Zörbig, Betrieb im VEB Starkstrom-Anlagenbau Magdeburg
VEB (K) Stadtwirtschaftliches Dienstleistungskombinat, Friedrichstr.
VEB Starkstromanlagenbau Zörbig
VEB Wärmetechnische Anlagen, Betrieb Stumsdorf, Bahnhofstr. 8
VEB Zuckerfabrik Zörbig
LPG Professor Theodor Roemer, Stumsdorf
LPG Ernst Thälmann
LPG für ein besseres Leben
LPG Pflanzenproduktion
LPG Thomas Müntzer
Molkereikombinat Merseburg eG des VdgB, Produktionsstätte Stumsdorf, Zörbiger Str. 18
PGH Bauhandwerk Hochtief
Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe BHG, Leninstr.

Wirtschaft und Leben in Zörbig vor 1945
Original Zörbiger (seit 1873)
Runkelrübensaftfabrik (gegr. 1869 von Rittergutsbesitzer Wilhelm Pfeffer)
Zörbiger Saftfabrik (gegr. 1873 durch die Gebrüder Kunze)
Zuckerfabrik Zörbig G.m.b.H. (seit 1852)

Eintrag im Brockhaus-Lexikon von 1895: Post, Telegraph. Krankenhaus, Waisenhaus, Hospital, städtische Sparkasse. Orgelbauanstalt, mechanische Webereien, Fabriken für Zucker, Rübensaft, Dachpappe, Roßleder und Schuhwaren, Dampfsägewerk, Ziegeleien und Jahrmärkte.