Wurzen (Sachsen)

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
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letzte Änderung am 07.12.2016

Das sächsische Wurzen, der Geburtsort des Dichters Joachim Ringelnatz, war einst ein hochindustrialisierter Ort.

Mühlenwerke

Foto: Martin Schramme, 2013 Foto: Martin Schramme, 2013 Foto: Martin Schramme, 2013

Wer von Leipzig nach Wurzen kommt, sieht die zwei Türme der Mühlenwerke schon von weitem. Heute sind sie das Domizil der Wurzener Nahrungsmittel GmbH. Früher waren das mal die Mühlenwerke.

VEB Wurzener Teppichfabrik (WTF)

Foto: Martin Schramme, 2013 Foto: Martin Schramme, 2013 Foto: Martin Schramme, 2013 Foto: Martin Schramme, 2013
Kora - ein Muster der Wurzener Teppichfabrik, WTF, aus DDR-Zeiten
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Trafostation Teppichfabrik

Die Teppichfabrik in Wurzen wurde von August Schütz (1808-1887) als Tapetenfabrik gegründet. Später stiegen die Söhne Ernst und Georg in das Teppichgeschäft ein. Mehr als 3000 Muster sind aus der Teppichfabrik überliefert. Einige Entwürfe für Tapeten lieferte Georg Bötticher, der Vater des Dichters Joachim Ringelnatz. Bötticher hatte auf der Webschule in Chemnitz gelernt. Mit seiner Ankunft 1875 in Wurzen wurde er in der Teppichfabrik August Schütz als Zeichner angestellt, wo er auch Entwürfe für Teppiche lieferte. Erfahrungen im Tapetenmusterzeichnen brachte er aus Mühlhausen, Dresden, Mannheim und Jena mit. 1888 verließ Bötticher Wurzen und ging nach Leipzig. Zu dem Zeitpunkt galt er als anerkanntester Meister seiner Zunft. Die Teppichfabrik Wurzen blieb auch zu DDR-Zeiten international tätig. Gute Verbindungen bestanden unter anderem nach Schweden und Frankreich. 1957 übernahm die WTF Teile der Produktion der Cottbuser Wollwarenfabrik. 1959 zum 10. Jahrestag der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) wurde in der WTF ein Wandteppich mit Otto Grotewohl, der Deutschlandfahne, der Roten Fahne, dem Wappen der DDR sowie Fabrik und Landmaschinen auf blauem Grund gefertigt. 1995 stand die Teppichfabrik vor dem Konkurs. 1999 konnten wichtige Archivbestände der Fabrik gerettet werden.

Speicher der VEAB für landwirtschaftliche Erzeugnisse (später VEB Kombinat Getreidewirtschaft, Bezirk Leipzig, VEB Getreidewirtschaft Torgau, Betriebsteil Wurzen)

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Auf der Nordseite unter dem Giebel des des Speichergebäudes ist die Jahreszahl 1912 zu erkennen. Es dürfte das Baujahr sein. Die Anmutung des Bauwerks passt in die Kaiserzeit, die 1919 endete. Auf der Südseite direkt neben den Gleisen des Bahnhofs sind die großen Buchstaben VEAB zu lesen, welche die Abkürzung für Volkseigener Erfassungs- und Aufkaufbetrieb sind und damit eindeutig aus der Zeit der frühen DDR (1950/60er Jahre) stammen. Während der NS-Zeit (1933-1945) dürfte das Objekt dem Reichsnährstand zugeordnet gewesen sein, der für die Lebensmittelversorgung der Reichsbevölkerung zuständig war. Im Telefonbuch des Bezirkes Leipzig von 1982 ist unter der Adresse der Eintrag VEB Getreidewirtschaft Torgau, Betriebsteil (Wurzen) zu finden. Wer kann mehr zu dem Objekt sagen?

Großsilo der Getreidewirtschaft

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Wer kann mehr zu dem Objekt sagen?

Maschinenfabrik Schütz & Hertel (Mafa Wurzen)

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Die Maschinen und Anlagen der 1879 gegründeten Maschinenfabrik (Mafa) Schütz & Hertel wurde 1945/46 weitgehend als Reparationsleistung an die Sowjetunion demontiert. 1947 erfolgte die Verstaatlichung zum VEB Nagema Wurzen. Von 1953 bis 1990 hieß der Betrieb VEB Maschinenfabrik und Eisengießerei Wurzen. Reste des eingemauerten Schriftzuges "Eisengießerei" direkt an der Eisenbahntrasse waren Ende 2016 noch zu erkennen.

Fabrik

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Wer weiß mehr über diese Fabrik?

Energiebezirk Ost (Dresdener Str. 36)

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"Energiebezirk Ost, Betriebsverwaltung Wurzen" unter anderem steht auf dem Schild über dem Haupteingang des Hauses Dresdener Straße 36 in Wurzen, das teilweise nur noch schwer oder gar nicht zu lesen ist. Der fast verblichene Schriftzug "Energieverteilung" wurde offenbar später aufgetragen. Der Begriff Energiebezirk Ost (EBO) stammt aus der Zeit der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ). Die Sowjetische Militäradministration (SMAD) legte für Einflussgebiet, die spätere DDR (1949-1990) fünf Bezirke der Energieversorgung fest. Im Energiebezirk Ost befanden sich die späteren DDR-Bezirke Dresden, Leipzig und Karl-Marx-Stadt (heute wieder Chemnitz). Im Fernsprechbuch des Bezirks Leipzig von 1982 war unter der Adresse Dresdener Straße 36 folgender Eintrag zu finden: VEB Energiekombinat Leipzig, Energieversorgung Delitzsch.

Bergbau

Foto: Martin Schramme, 2016

"Glück auf 1900" steht über dem Portal dieses massiven Klinkerbaus unweit des Bahnhofs. Es ist der Ruf der Bergleute, der einen Hinweis auf die Geschichte des Objekts liefert. Wer weiß mehr darüber?

Betriebe in der DDR (1949-1990)
VEB Bau Wurzen
VEB Baukombinat Leipzig, Kombinatsbetrieb Wurzen, Dresdener Str. 76
VEB Baumaschinen Wurzen
VEB (K) Brauerei Wurzen (1965 eingestellt)
VEB Draht- und Seilwerk Rothenburg BT Wurzen (VEB Drahtseilwerk Wurzen, Betrieb im VEB Qualitäts- und Edelstahlkombinat Brandenburg)
VEB Edelstahlbau Wurzen, Torgauer Str. 1 (VEB Kombinat Leipziger Metallbau)
VEB Elektromechanik Wurzen
VEB Emaillierwerk Wurzen
VEB Fahrzeugbau Wurzen
VEB Fensterbau Wurzen
VEB Fleischkombinat Leipzig, Schlacht- und Verarbeitungsbetrieb Delicata, Abteilung Kooperation und Vieheinkauf, Käthe-Kollwitz-Str.
VEB Fleisch- und Wurstwaren Wurzen, Jacobsgasse 11
VEB Fördertechnik Wurzen, Hebezeuge, Dresdener Str. 68, Transportgeräte, Dresdener Straße 72, Zylinderschleiferei, Leipziger Str. 3 (VEB Kombinat Leipziger Metallbau)
VEB Getreidewirtschaft Torgau, Dresdener Str. 33 und 56
VEB Gummielastik Wurzen
VEB Karosseriebau Wurzen
VEB Kartonagenfabrik Wurzen
VEB Kinderschuhe Wurzen
VEB Kreisbaubetrieb Wurzen
VEB Kreisdruckerei Wurzen
VEB Luft-Filter-Technik Wurzen (VEB Kombinat ILKA Luft- und Kältetechnik Dresden)
VEB Maschinenfabrik und Eisengießerei Wurzen (1953-1990, Betrieb im VEB Chemieanlagenbaukombinat Leipzig-Grimma)
VEB Mechanische Werkstätten Wurzen-Deuben (VEB Kombinat Feinmechanische Werke Halle)
VEB Mefa Wurzen
VEB Möbelwerk Wurzen
VEB Motorenwerk Wurzen (VEB Kombinat Schwermaschinenbau Karl Liebknecht Magdeburg)
VEB Nagema Wurzen (1947-1952, dann VEB Maschinenfabrik und Eisengießerei Wurzen)
VEB Nahrungsmittelwerk "Albert Kuntz", Wurzen (VEB Kombinat Nahrungsmittel und Kaffee Halle, NAKA)
VEB Pneumatik Wurzen (VEB Kombinat Leipziger Metallbau)
VEB Reglerbau Wurzen
VEB Schulmöbelfabrik Wurzen, Albert-Kunz-Straße 26 (VEB Möbelkombinat Dessau)
VEB Solid-Lederwaren Wurzen (VEB Kombinat Aktuell Lederwaren Leipzig)
VEB Spezialleuchtenbau Wurzen, Badergraben 16 (VEB Kombinat Wohn- und Freizeitbedarf Leipzig)
VEB Täschnerwaren Wurzen
VEB Technische Filze Wurzen, Crostigall 51 (VEB Kombinat Technische Textilien Karl-Marx-Stadt)
VEB Tierkörperbeseitigungsanstalt Wurzen
VEB Transportgerätebau Wurzen
VEB Vereinigte Filzfabriken Wurzen
VEB Wasserglasfabrik Dehnitz-Wurzen (VEB Kombinat Plast- und Elastverarbeitung Berlin)
VEB Wohnraumleuchten Wurzen
VEB Wurzener Teppichfabrik (WTF)
VEB Wutra-Werk Wurzen (Leitbetrieb in der Erzeugnisgruppe Stetigförderer für Becherwerke und Schneckenförderer, Betrieb im VEB Schwermaschinenbaukombinat TAKRAF Leipzig)

Wirtschaft und Leben in Wurzen vor 1945
Sächsische Broncewarenfabrik AG (1862 gegr., AG ab 1889, Konkurs 1933, Herstellung von Lampen für Gas- und elektrische Beleuchtung sowie Heizkörperverkleidungen)
Schütz & Hertel Maschinenfabrik und Eisengießerei (gegr. 1879)
Stadtbrauerei Wurzen AG (1887 von F.A. Richter gegründet, ab 1899 Actiengesellschaft, Großaktionär Riebeck-Brauerei in Leipzig, nach 1945 VEB Brauerei Wurzen, 1965 Betrieb eingestellt)
Wurzener Bank (1889 gegr.)
Wurzener Kunstmühlenwerke und Biscuitfabriken vorm. F. Krietsch (1886 gegr. bei Übernahme der 1847 gegr. Firma Krietsch, Müllerei, Graupenfabrikation, Hirse- und Erbsenschälerei, Herstellung von Teigwaren, Keksen, Waffeln, Pfefferkuchen, 1917 Totalverlust durch Feuer, 1953 enteignet, dann VEB Nahrungsmittelwerk "Albert Kunz", 1993 durch die Treuhand privatisiert)
Wurzener Teppichfabrik Aktiengesellschaft (WTF, Fabrikation handgeknüpfter und mechanische gewebter Smyrna-, Tournay- und Patent-Axminster-Teppiche, Tournay-Rollenware und Läufer, einfarbige und geflammte Velours, Haarvelours, Verkaufs- und Ausstellungslager in Berlin, Hamburg und Köln)

Eintrag im Brockhaus-Lexikon von 1894: An der Mulde, über die eine Straßenbrücke (1830) und eine Eisenbahnbrücke (1837) führen, und den Linien Leipzig-Riesa-Dresden und Glauchau-Wurzen (Muldenthalbahn) der Sächsischen Staatsbahnen. Postamt erster Klasse, Telegraph, Poliklinik, städtisches Krankenhaus, Wasserleitung, Gasanstalt. Eisengießerei, Fabrikation von Maschinen, Papier, Tapeten (F.A. Schütz), Teppichen, Möbeln, Pianofortefilz, Cigarren und Kartonnagen, bedeutende Mühlen, darunter die Aktiengesellschaft, vormals A. Krietsch, mit umfangreicher Cakesfabrikation.

Begriffslegende
Cakesfabrikation = Herstellung von Keksen