Weida (Vogtland)

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Bilder ohne Nachfrage!
letzte Änderung am 04.09.2017

Weida liegt am Zusammenfluss von Weida und Auma und ist die "Wiege des Vogtlandes". Gerberei, Schuh und Textilfabriken prägten Weida im Industriezeitalter. Doch die Tradition reicht viel weiter zurück. So gab es bereits 1508 eine gemeinsame Gerber- und Schusterinnung. Ab 1719 war die Schönfärberei erlaubt. 1938 stellte sich die Situation in Hinblick auf die Lederverarbeitung wie folgt dar: Lederwerke Otto und Albrecht Dix AG, Schloßmühle, Lederwerke Heinrich Francke, Geraer Straße 31 Gerberei Friedrich Francke, Unterstraße 6, Lederfabrik Carl Friedrich, Unterstr., Lederfabrik Franz Prasse, Pfortenstraße Schäftefabrik Hugo Benisch, Joliot-Curie-Platz, Oscar Dreyscharff, Neustädter Straße, Carl Häßler, Mittelstraße 7 Franz Vitzthum, Straße der Jugend, Schuhfabrik Adolph Zimmer & Co., Aumaer Straße. (Anmerkung: Die Straßennamen entsprechen nicht denen jener Zeit.) Nach Verstaatlichung, Betriebs- und Kombinatsbildung in der DDR blieb am Ende der VEB Lederwerke Weida mit zuletzt 880 Betriebsangehörige. In Weida befand sich damals die einzige Gerberschule der DDR.

Lederfabrik Franz Prasse

Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014

Die Lederfabrik Franz Prasse auf dem ehemaligen Gelände der Pfortenmühle.

VEB Lederwerke Weida

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VEB Lederwerke Weida, Schloßmühlenweg, Herstellung von Rindbox- und Rindfutterleder | Weidaleder Betriebsschule "Makkarenko", Gräfenbrücker Str. 6a, Ausbildung der Lehrlinge für Lederherstellung

Weidaer Wochenblatt

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Im ehemaligen Hotel Bräunlich richtete sich einst die Druckerei Emil Wüst & Söhne ein. Sie gab ab 1925 das "Weidaer Wochenblatt" heraus, durfte dieses aber ab 1936 wegen fehlender nationalsozialistischer Prägung nicht mehr herstellen. Erst 1991 war die Zeit für einen Neustart gekommen.

Eisenbahnviadukt über das Oschütztal (erbaut 1883/1884)

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1883/1884 wurde die 185 Meter lange Brücke unter Leitung des Architekten Claus Köpcke gebaut, dessen bekanntestes Bauwerk das "Blaue Wunder" in Dresden ist. Der Entwurf stammt von Ingenieur Hans Manfred Krüger und erfolgte für die Königlich-Sächsische Eisenbahn. Ende September 1982 fuhr der letzte planmäße Zug auf der Strecke Mehlteuer-Weida über die Brücke. Bei dem Bauwerk handelt es sich um die erste und größte Pendelpfeilerbrücke in Deutschland. Obwohl das Bauwerk nach 13 Wochen Montage bereits im April 1884 fertiggestellt war, kam es zur Betriebsübergabe erst am 1. Oktober 1884. 1915 wurde die Brücke mit weiteren Stahlträgern verstärkt, weil die Belastungen wegen des gestiegenen Verkehrsauskommens gewachsen waren. Zum 100. Jahrestag der Brücke hat der Postanbieter Citykurier Gera 2014 eine Sonderbriefmarke herausgebracht. Um die Pflege und Erhaltung des Bauwerkes kümmert sich der im Sommer 2011 gegründete Verein "Interessengemeinschaft Oschütztal-Viadukt". Seit 1977 steht der Viadukt unter Denkmalschutz. Der längste Pendelpfeiler misst 21 Meter.

Seite der Interessengemeinschaft Oschütztal-Viadukt

VEB Brauerei Weida / Braugemeinde eGmbH Weida

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Bis ins Jahr 1377 ist das Brauereiwesen in Weida belegt. Bockbier, Pilsner, Kraftbier und Malzbier gehörten zur Produktpalette. Der VEB Brauerei Weida war seit den 1970er Jahren ein Betriebsteil des VEB Getränkekombinat Gera und kam in der Zeit in die Regie des VEB Köstritzer Schwarzbierbrauerei. 1988 wurden Gärbottiche aus dem Jahr 1975 verschrottet.

Friseursalon Walter Schleicher

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Das gebietstypisch gekachelte Gebäude fällt ins Auge. An seine Nutzung erinnert eine teilweise verblasste Aufschrift in Schwarz (Walter Schleicher) und Rot (Damen-Salon - Herren-Salon). Die Art der Schrift unterstützt die Annahme, dass es sich um eine Beschriftung aus der späten Zeit des Deutschen Kaiserreiches (um 1900) handelt.

Betriebe in der DDR (1949-1990)
VEB Elektrobetrieb Weida (Betrieb im VEB Kombinat Narva Rosa Luxemburg Berlin, Weida war ab den späten 1970er Jahren Alleinhersteller von Vorschalt- und Zündgeräten für Gasentladungslampen, durch die Eingliederung des VEB Haushaltchemie wurde in den Betrieb auch Bohnerwachs hergestellt)
VEB (K) Bau Gera-Land, Weida
VEB (K) Baureparaturen Gera-Land, Weida
VEB Brauerei Weida
VEB Druckerei Weida
VEB Edelkunstharzverwertung Weida
VEB Fortschritt Weida
VEB Haushaltchemie Weida
VEB Kunstharzverwertung Weida
VEB Lederwerke Weida (VEB Lederfabrik Weida - Kombinat Kunstleder- und Pelzverarbeitung)
VEB Osterland-Lederwaren Weida (VEB Kombinat Schmuck und Porzellan Rudolstadt)
VEB Schäftefabrik Weida
VEB (K) Textile Verpackungsmittel Weida, Quellenstr. 2 (bis 1969 VEB Thüringer Jutewerke, im VEB Kombinat Technische Textilien Karl-Marx-Stadt, Werke: Weida, Meißen, Olbersdorf, texafol Leipzig), Fertigungsprogramm: Garne aus Jute und Viskosefasern, Fäden aus Polyäthylen und Polypropylen-Fäden und Fadenlangennähgewirke (MALIMO und MALIWATT), sonstige Nadelvliesstoffe, MALIMO-Nähwirkerzeugnisse, Hochdruckpressenfaden, Elementarfadenvliesstoff "Kridee", Papierrundfäden
VEB (B) Vereinigte Elektrobetriebe Gera Sitz Weida
VEB Vereinigte Sportschuhfabrik Weida (VEB Kombinat Schuhe Weißenfels)
VEB Weidaer Schuhfabrik (VEB Kombinat Schuhe Weißenfels)
VEB Weidaer Seidenweberei Weida
VEB Wetron Weida (ehemals Bittorf und Funke, gegr. 1933, ab 1943 Max Funke Messgerätebau, in der DDR erst seit 1951 VEB Röhrenprüfgerätebau Weida, VEB Prüfgerätewerk Weida)
VEB Zelte und Planen Weida

Wirtschaft und Leben in Weida vor 1945
Adolph Zimmer & Co. Weida (gegr. 1861, Schuhfabrik für solides Gebrauchsschuhwerk Marke SILLA)
Friedrich Francke, Gerberei, 1844 gegr., 1980 stillgelegt
Franz Vitzthum Schuhfabrik Weida, Straßen- und Arbeitsschuhe
Gebr. Pfeiffer, Spinnerei und Weberei
Gemeinnützige Bau- und Siedlungs-Genossenschaft Weida eGmbH
Otto & Albrecht Dix Leder-Werke, 1866 gegr., 1922 Umwandlung in AG
Weidaer Jute-Spinnerei und Weberei AG, 1897 gegr., Betriebseröffnung 1899

Eintrag im Brockhaus-Lexikon von 1894: An der Mündung der Auma in die Weida, an der Linie Leipzig-Gera-Probstzella der Preußischen und der Nebenlinie Werdau-Mehltheuer der Sächsischen Staatsbahnen. Postamt zweiter Klasse, Telegraph. Tuchfabriken, Dampffärbereien, Woll-, Baumwoll- und Teppichwebereien, Drahtwaren-, Filzschuh- und Tuchschuhfabriken, Gerbereien, Kunst- und Handelsgärtnereien.

Quellen
Stadtgeschichte Weida
Wikipedia