Taura (Sachsen)

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Fotos ohne Nachfrage!
letzte Änderung: 08.02.2017

Im Jahre 2013 feierte Taura 750 Jahre, denn die erste bekannte Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahr 1263. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Taura zum Industriedorf. Das Leineweberhandwerk und die Strumpfwirkerei breiteten sich aus. Später griff die Handschuhindustrie Raum.

VEB Trikotagenwerk "Kristall" Taura (Mechanische Trikotagenfabrik Guido Unger)

Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015

Die Mechanische Tricotagenfabrik Guido Unger GmbH (Fa. Unger seit 1889) im sächsischen Taura stellte Tricotwäsche der Marke "Kristall" her. 1927/28 wurde das Produktionsgebäude errichtet, wobei damals erstmals in Sachsen die Stahlbeton-Gleitbauweise zum Einsatz kam. Zur Produktionspalette gehörten Herren-, Damen- und Kinder-Trikotunterkleidung sowie Unger’s Ripta Strickunterkleidung. 1930 bekam der Fabrikant Unger die Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Taura. 1938 firmierte das Unternehmen als Kommanditgesellschaft (KG). Zu den Produkten gehörte unter anderem der Herrenschlüpfer "Martin" und "Unger’s Lockta-Unterkleidung", die als "Deutsche Qualitätsarbeit" angeboten wurde. Nach 1945 erfolgte die schrittweise Verstaatlichung des Unternehmens zum VEB Trikotagenwerk "Kristall" Taura, die 1972 abgeschlossen war. 1989 hatte der Betrieb rund 200 Vollbeschätigte. Am 14. August 1991 startete die Firma Mechanische Trikotagenfabrik Taura Guido Unger GmbH in die Nachwende-Produktion gewirkter und gestrickter Oberbekleidung. Der Unternehmer Thomas Walter Stein, von 1974 bis in die 1980er Jahre Betriebsdirekktor bei Kristall, setzte auf ausgefallene Herrenunterwäsche vom Bio-Slip bis zum Designer-Body mit Spitze. Der Sachse kaufte die Fabrik von der Treuhand. Schon 1992 verließen allein 50.000 Herren-Bodys das Werk mit 110 Mitarbeitern. Weitere Einstellungen waren geplant und Teile der Produktion bereits an externe Hersteller übertragen, um alle Aufträge abzuarbeiten. Stein machte Schlagzeilen, so in der Nummer 15/1993 des Hamburger Nachrichtenmagazins "Der Spiegel". 2006 meldete das Unternehmen Insolvenz an. Dann stand das Objekt stand leer. 2013/2014 wurden acht Gebäude des Trikotagenwerkes abgerissen. Wie es vorher dort aussah, ist auf der Seite verlassene-orte-chemnitz.de zu sehen. Inhaberin des Anwesens ist inzwischen die Loft-Projekt Taura GmbH (ChrEAnS Immobilien Burgstädt) gekauft. Seit Ende 2013 gibt es Pläne, das denkmalgeschützte Haupthaus der Textilfabrik Unger bis Ende 2019 zum Wohnpark umzugestalten. 30 Wohnungen sollen entstehen und im Erdgeschoss eine große Garage. Der Baubeginn ist für 2018 angekündigt. mehr zum Vorhaben

In der Fabrikanten-Villa der Firma Guido Unger (Baujahr 1906) zog 1958 ein Kindergarten ein.

Betriebe in der DDR (1949-1990)
VEB Babybekleidung Taura (ehemals Firma Knott)
VEB Modestri (Abk. f. Modestrickwaren)
VEB Meliorationsbau Karl-Marx-Stadt, Außenstelle Taura
VEB Modische Nachtwäsche Taura
VEB Sporttrikotagen Taura (VEB Kombinat Trikotagen Karl-Marx-Stadt)
VEB Strickwaren "Modestri" Taura
VEB Textilwerke "Clara Zetkin" Burgstädt, Werk Taura
VEB Trikotagenwerk "Kristall" Taura
VEB Kombinat Puppen und Plüschspielwaren "Sonni" Sonneberg, Betriebsteil Taura
LPG Tierproduktion "Justus von Liebig" Taura
ZBE Agrochemisches Zentrum Burgstädt, Betriebsteil Taura (ACZ)

Wirtschaft und Leben in Taura vor 1945
Textilfabrik Unger (2013/2014 Abriss zahlreicher Gebäude, Sanierungsplan für Hauptgebäude)

Quellen
www.blick.de
www.chreans.de
gemeinde-taura.de
Spiegel