Taucha (Sachsen)

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Fotos ohne Nachfrage!
letzte Änderung am 22.08.2017

Taucha in Sachsen war einst ein blühender Ort mit etlichen Betrieben. Die meisten sind inzwischen abgerissen. Im Wald westlich der Ortslage befanden sich die Mitteldeutschen Motorenwerke. Im Ort waren vor 1945 unter anderem die Bonbon-Fabrik Afro-Werk Frost & Co., die Keksfabrik Hänsel & Helmke und die Chemiefabrik Excelsior-Werk Wagner zu finden. Seit den 1950er Jahren schrieb Taucha Geschichte mit Zeltstoffen und nach dem Ende der DDR 1990 kamen aus dem kleinen Ort am Rande von Leipzig wiederholt die Stoffbahnen für Verhüllungsprojekte des Künstlers des Künstlers Christo, so unter anderem 1995 für die damals spektakuläre Verhüllung des Deutschen Reichstages in Berlin.

Mitteldeutsche Motorenwerke (M.M.W., seit 2015 teilweise unter Denkmalschutz)

Foto: Martin Schramme, 03.2013 2015 stellte das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen das ehemalige Verwaltungsgebäude der Mitteldeutschen Motorenwerke unter Denkmalschutz. Foto: Martin Schramme, 03.2013 Foto: Martin Schramme , 03.2013 Foto: Martin Schramme, 03.2013 Foto: Martin Schramme, 03.2013 Foto: Martin Schramme, 03.2013 Foto: Martin Schramme, 03.2013 Foto: Martin Schramme, 03.2013 Foto: Martin Schramme, 03.2013 Foto: Martin Schramme, 03.2013 Foto: Martin Schramme, 03.2013 Foto: Martin Schramme, 03.2013 Archivgut

Im Wald zwischen Taucha und Portitz befanden sich zwischen Parthe und Lösegraben die Mitteldeutschen Motorenwerke (MMW). Die bis heute erhaltenen Reste des stark verwüsteten Areals zeugten selbst im März 2013 noch von der Größe und Mächtigkeit des einst kriegswichtigen Industriebetriebes. Geblieben sind Mauerreste, Fundamente und unterirdische Bauwerke aus roten und gelben Ziegelsteinen, Natursteinen, roten und weißen Fliesen und Stahlbeton. Die Art der Anlage ist Beleg für das Bemühen, das nördlich von Leipzig gelegene Werksgelände gegen Kriegseinwirkungen zu schützen und die Produktion unter allen Umständen aufrecht zu erhalten. Große Teile des Objekts befanden sich unter der Erde oder waren dort zumindest eingelassen. Teilweise wurde doppelt gemauert - Außenmantel Ziegel, Innenmantel Stahlbeton. Stahlbetonwände, -pfeiler und -decken waren zwischen 20 und 100 Zentimeter dick. Die Armierungsdrähte waren teilweise daumendick, Stahlprofile mächtiger als Eisenbahnschienen. Zwei weitgehend erhaltene, kegelförmige Trafohäuser aus Stahlbeton sowie diverse Kleinbunker zeugen von der Wehrhaftigkeit des Objektes. Die kleinteiligen Geländeunebenheiten und zahlreiche Krater belegen bis heute das gewaltsame Ende der MMW.

Errichtet wurden die MMW seit 1935. Kern waren zahlreiche große Hallen. In Zusammenarbeit mit Auto-Union trieb das Reichsluftfahrtministerium (RLM) den Ausbau voran. Dabei scherten sie sich herzlich wenig um den Streit, den die Städte Leipzig und Taucha um die Frage ausfochten, wer das größte Stück vom Kuchen abbekommt. Der jahrelange Streit ging schließlich im April 1939 zugunsten von Taucha aus. Das Rathaus in Leipzig hatte mit seinen Forderungen zu viel Ärger gemacht. Am Ende stand im Wald ein komplettes Werk: 46.000 Quadratmeter waren mit Haupt-, weitere 10.000 Quadratmeter mit Nebengebäuden bebaut. Hinzu kamen Straßen und ein Gleisanschluss. Auf Anordnung des RLM wurden beim Bau der kompletten Anlage die Erfordernisse des besonderen Luftschutzes berücksichtigt mit Nachteilen für den Fertigungsablauf. Bereits ab 1936 produzierten die MMW Flugzeugmotoren, das Werk wurde jedoch auch noch während des Krieges baulich erweitert. Bis zu 9000 Menschen arbeiteten in der Fabrik, 1936 waren es 1544 und 1939 schon 4789. In der Fertigung kamen wegen des kriegsbedingten Männermangels immer mehr Frauen zum Einsatz. Den ersten handfesten Streit um Arbeitskräfte entbrannte schon Ende 1935: Die Pittler Werkzeugmaschinen AG beschwerte sich bei der Reichsregierung über das Wegverpflichten von Arbeitskräften durch die MMW. Von immer weiter her wurden Arbeiter beschafft: aus Zwickau, dem Erzgebirge, Aachen, dem Sudetenland und Österreich (ab 1938 Ostmark). In den Jahren 1938 bis 1943 machte der Flugmotor Jumo 211 den Hauptteil der MMW-Produktion aus. Mit verschiedenen Modifikationen des Jumo 211 wurden der Sturzkampfbomber Ju 87 (Stuka), der Bomber He 111 und der Schnellbomber Ju 88 ausgerüstet. Mit der Fertigung von 1264 Motoren erreichten die MMW 1939 einen Höhepunkt. Für den Junkers-Bomber Ju 188 stellte MMW in den letzten Kriegsjahren den Jumo 213 her. Zum Herstellungsprogramm gehörten unter anderem auch die Motoren Jumo 205 und Jumo 222. 1947/48 sprengten die Russen die Anlagen bis auf das Verwaltungsgebäude, die Strombunker und diverse Brücken.

2015 stellte das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen das ehemalige Verwaltungsgebäude der Mitteldeutschen Motorenwerke unter Denkmalschutz.

VEB Zelta Taucha (ab 1993 Spielzeugwarenfabrik Zrost)

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Direkt in Bahnhofsnähe wurden in dieser Fabrik einst Spielzeugwaren produziert. Teile des Gebäudeensembles und der Dachstuhl des Hauptgebäudes sind durch zahlreiche Brände total zerstört oder schwer beschädigt.

MiMo-Siedlung

Foto: Martin Schramme | 03.2013 Foto: Martin Schramme | 03.2013 Foto: Martin Schramme | 03.2013 Foto: Martin Schramme | 03.2013

Die Mitteldeutschen Motorenwerke bedurften einer wachsenden Zahl Arbeitskräfte. Um sie in der Nähe des Werkes entsprechend unterzubringen, wurde seit 1936 in Taucha eine große Wohnsiedlung errichtet. Die Straßen bekamen die Namen von den damals favorisierten Prominenten der deutschen Luftfahrt wie Boelcke, Immelmann, Richthofen und Zeppelin. Noch heute fallen die Häuser auf durch ihren grobfleckigen Putz und die zahlreichen Reliefbilder aus der Märchen-, Sagen- und Fabelwelt. Im März 2013 war die Sanierung einiger der Häuser im Gange.

Hotel Sächsischer Hof

Foto: Martin Schramme, 03.2013

Die Gaupen, der Dachsims zwischen drittem und viertem Stock und die Fensterläden im vierten Stock waren 2013 nicht mehr zu sehen, aber die markanten großen Fensterbögen parterre erhalten geblieben vom ehemaligen Hotel "Sächsischer Hof".

Gaststätte "Stadt Taucha"

Foto: Martin Schramme, 08.2017 Foto: Martin Schramme, 08.2017 Foto: Martin Schramme, 08.2017 Foto: Martin Schramme, 08.2017 Foto: Martin Schramme, 08.2017

Die Gaststätte "Stadt Taucha" war bis zum Ende der DDR 1990 eine bespielte Lokalität mit Saal und Kegelbahn. Nach langem Leerstand gab es zuletzt nach Aussagen von Anwohnern offenbar einen russischen Investor. 2016 jedenfalls wurde das Dach gesichert und eine Drainage gelegt.

Betriebe in der DDR (1949-1990)
VEB (K) Bau Leipzig-Land, Brauhausstr. 20a
VEB Baustoffversorgung Leipzig, Lager, Schillerstr.
VEB Betonstoffwerk Taucha, Am Steinbruch 2 (VEB Baustoffkombinat Leipzig-Land)
VEB Bodenbearbeitungsgeräte Leipzig, Werk IV, Leipziger Str. 102 (VEB Kombinat Fortschritt Landmaschinen)
VEB Chemiehandel Halle, Auslieferungslager Importe, Leipziger Str. 108
VEB Chemische Fabrik Taucha, Mathias-Erzberger-Str. 2 (VEB Kombinat Lacke und Farben ">Berlin)
VEB Dienstleistungskombinat Leipzig-Land, Hauswirtschaftliche Dienstleistungen, Annahmestelle, Dewitzer Str. 7
VEB Dropsfabrik Taucha
VEB Druckerei Taucha
VEB Duroplast Taucha
VEB Elegant Bekleidungswerk, Prod.-Ber., Südstr. 16
VEB Elektrogeräte Taucha
VEB Emaillewerkstatt Taucha, Bahnhofstr. 4 (VEB Kombinat PAKUWA Leipzig)
Excelsior-Werk G.C. Wagner
VEB Favorit, Taucha, Weststraße 9 (inklusive Werk II Pouch, Wassersport und Campingartikel, VEB Kombinat Technische Textilien Karl-Marx-Stadt)
VEB Fettchemie, Versuchsstation für Pflanzenschutz, Plaußig Nr. 1
VEB Fischereiproduktion Taucha (VEB Kombinat industrielle Tierproduktion)
VEB Gebäudewirtschaft Taucha, Brauhausstr. 18
VEB Großhandel OGS Leipzig, Aufkaufstelle, Str. d. DSF 11 (OGS = Obst, Gemüse, Speisekartoffeln, DSF = Deutsch-Sowjetische Freundschaft)
VEB Handelskombinat agrotechnic Taucha, Betriebsteil Taucha, Gerichtsweg 5
VEB Hauspantoffeln Taucha, Dorfstr. 21
VEB Hutkombinat Guben, Betreb Taucha
HO-Spezialhandel, Leninstr. 34
VEB Ingenieurbau Leipzig, Taucha, Mathias-Erzberger-Str. 10
VEB Hutkombinat Guben Betrieb Taucha
Kreisbetrieb für Landtechnik Leipzig Land in Taucha (VEB Kombinat Landtechnik Leipzig)
VE KIM (Kombinat für Industrielle Mast)
VEB Leipziger Süßwarenbetriebe, Betriebsteil Taucha, Leipziger Str. 100 (VEB Kombinat Süßwaren Halle)
VEB Metallverarbeitung Taucha
VEB Metallwaren Taucha, Eilenburger Str. 61/63 (VEB Kombinat Leipziger Metallbau)
Mischfutterwerk Taucha, Sommerfelder Str. 104
VEB Parthenwerk Spezialfuttermittel Taucha (VEB Kombinat Getreidewirtschaft Leipzig)
VEB Polygraph Wegra Werk für graphische Maschinen Taucha, K.-Große-Str. 1 (VEB Kombinat Polygraph Werner Lamberz Leipzig)
VEB Pumpenwerk Taucha, Gerichtsweg 10 (VEB Kombinat Leipziger Metallbau)
VEB Spezialhandel Taucha (führte hochwertige Waren zum Normalpreis für einen ausgesuchten Personenkreis, unter anderem für Angehörige der bewaffneten Organe)
VEB Städtischer Tiefbau, Am Steinbruch 2
VEB Taxi, Leipziger Str.
VEB Vereinigte Futtermittelwerke Taucha, Weststr. 11 (VEB Kombinat chemisch-technische Erzeugnisse Leipzig)
VEB Wäscherei Leipzig, Werk IV, Dewitzer Str. 6
VEB Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Taucha
VEB Wasserwirtschaft Taucha, Wasserwerk
VEB Zelta Taucha (Fertigung von Zelten unter anderem des Hauszeltes "Domino")
VEB Zwickauer Edelschmiede, Abt. Diamantschleiferei, Eilenburger Str. 68
VEG Mast von Schlachtvieh Leipzig (VEG = Volkseigenes Gut)
VEG Pflanzenproduktion Plaußig
GPG Zukunft, Leipziger Str. 117
Konsumgenossenschaft Kreis Leipzig, Filialbereich Waren täglicher Bedarf, Schloßstr. 13
LPG Georgi Dimitroff und LPG Thomas Müntzer
PGH Elektrohandwerk Elektron, Ernst-Thälmann-Platz 10
PGH Fleischerhandwerk Fleiwa, Leipziger Str. 6
PGH Friseurhandwerk Figaro
PGH Mechanik Taucha

Wirtschaft und Leben in Taucha vor 1945
Afro-Werk Adolf Frost & Co. (Grossfabrikation in Pfefferminz-Kombinaten)
Chemische Fabrik Taucha GmbH
Chemiefabrik Excelsior-Werk Wagner
Teilbetrieb der Hugo und Alfred Schneider AG (HASAG) aus Leipzig
Leipziger Keks-Fabrik (LKF) Hänsel & Helmke - Taucha-Leipzig (Malzetti Cakes, Heffa Keks)
Mitteldeutschen Motorenwerke (MMW)

Eintrag im Brockhaus-Lexikon von 1894: An der Parthe und der Linie Eilenburg-Leipzig der Preußischen Staatsbahnen. Post, Telegraph. Weißgerberei, Rauchwarenfärberei und Zurichterei, Tabak- und Cigarrenfabrikation, Ziegelei, Töpferei und Seilerei.