Staßfurt

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Fotos ohne Nachfrage!
letzte Änderung am 28.05.2017

Bela-Bunker für Flugbenzin (Wifo)

Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012
Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2017

Weil im Krieg große Menge Flugbenzin benötigt würden, ohne dass man sie noch aus dem Ausland hätte beschaffen können, organisierte die Wirtschaftliche Forschungsgesellschaft (Wifo) bis zum Kriegsbeginn im September 1939 Hunderttausende Tonnen Mineralöle. Zehn Tanklager mit einer Gesamtkapazität von mehr als einer Millionen Tonnen Kraftstoffe waren an grenzfernen, verkehrsgünstigen Orte außerhalb von Städten und Industriezentren geplant. Im Reich entstanden acht Großtanklager (Staßfurt, Derben, Krailing, Nienburg, Hitzacker, Neuburg, Bremen-Farge, Drugehnen/Samland in Ostpreußen). Durch Gebietsanschlüsse kamen zwei weitere hinzu (Wien-Lobau, Hniewitz im Sudentenland). Die Bunkeranlage in Staßfurt bot Platz für 222.000 Kubikmeter Kraftstoffe.

1934 war das Tanklagerprogramm angeschoben worden. Dafür wurde am 24.08.1934 in der Reichshauptstadt Berlin die Tarngesellschaft Wifo gegründet, um den noch geltenden Versailler Vertrag ("Versailler Diktat") unterlaufen zu können, der Deutschland den Besitz von Panzern und Flugzeugen verbot. Gesellschafter waren die Deutsche Gesellschaft für öffentliche Arbeiten AG (Öffa) und die I.G. Farbenindustrie AG (Anteilverkauf Ende 1935 an die Deutsche Bau- und Bodenbank AG).

Der Bunker auf den Fotos ist nur sehr klein und wurde in den 1960er Jahre mit neuer Versorgungstechnik bestückt.

Schacht Friedrichshall II (Leopoldshall V)

Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012

Die Salzförderung ist ein wichtiger Aspekt in der Geschichte Staßfurts. 1852 wurden dort die ersten Kalischächte der Welt (von der Heydt und Manteuffel) eröffnet. 1890 wurde der Kalischacht begonnen, 2001 versiegelt. In den 1930er Jahren wurde das Salzbergwerk zum Lager umfunktioniert. In Staßfurt lagerten indes nicht nur große Mengen Flugbenzin (siehe Bela-Bunker), sondern auch der größte Teil der deutschen Uranerz-Vorräte. 3500 Tonnen Uran-Verbindungen gelangten in den Jahren 1940 bis 1945 von Belgien, wo Uranerz aus Belgisch-Kongo lagerte, in das Salzbergwerk von Staßfurt. Zuvor hatte das Heereswaffenamt die Auergesellschaft damit beauftragt, Uranoxid zu beschaffen, was nach der Besetzung des Sudetenlandes im Herbst 1938 zunächst aus der dortigen Uran-Mine in Sankt Joachimsthal (Jachymov) kam. Die Einlagerung war Teil des "Uranprojekts", bei dem es zunächst nur um die friedliche Nutzung der Kernkraft ging, seit 1939 aber auch um Uranwaffen und einen Sprengstoff, der konventionelle Sprengstoffe um ein Vielfaches übersteigt. Deutschland war dabei weltweit Vorreiter.

Bahnhof Staßfurt-Leopoldshall

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Der Bahnhof Staßfurt-Leopoldshall war im 19. Jahrhundert der sichtbare Ausdruck des florierenden Abbaus von Kali- und Steinsalz in Staßfurt. Die Leuna-Werke wurden 1916/17 als Ammoniakwerk Merseburg errichtet, um dort den Ausgangsstoffe für die Sprengstoff- und Düngemittelherstellung zu produzieren. In Stassfurt-Leopoldshall steht ein Tankwagen der Leuna-Werke AG.

Leopoldshall / VEB Bleicherdewerk Staßfurt / Bahn-Immobilie

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Foto: Martin Schramme, 2012
Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012 Halle des ehemaligen Bleicherdewerkes

Den Wasserturm der Leopoldshall gibt es sogar als Modell für die Modelleisenbahn. Das Bleicherdewerk sollte revitalisiert werden als Gewerbegebiet und Wohnstandort. Im März 2008 beschloss der Stadtrat von Staßfurt, den entsprechenden Bebauungsplan aufzuheben. Leopoldshall war ein Ort des Salzbergbaus. Von 1890 bis 1910 saß in Leopoldshall das erste Deutsche Salzsyndikat

Wasserturm

Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017

Auf dem Prinzenberg in Staßfurt steht ein sehr markanter Wasserturm. Vergleiche mit alten Postkarten zeigen die deutliche baulichen Veränderungen des Turmes. Optisch sah der Turm einst fast wie ein Leuchtturm aus, denn die obere Fensterreihe in der Holzverkleidung glich nicht wie heute der unteren, sondern war einem Leuchtturm gleich rundherum verglast. Auch war die obere Fensterreihe im Ziegelsteinsockel noch nicht zugemauert. Die Veränderungen waren bereits auf Postkarten der 1930er Jahre zu sehen. Hatte sich der Zeitgeist geändert?

unbekanntes Objekt

Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017

Georg Herrmann, Kesselschmiede-Behälterbau, Berlin-Niederschönhausen

Hofjäger

Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017

Der Hofjäger war eine Gaststätte mit Biergarten und Turnhalle. Zum Zeitpunkt der Machtergreifung war der "Hofjäger" ein Lokal der SPD und so wurde dort am der Leichnam von Bürgermeister Hermann Kasten aufgebahrt, nachdem Nazis ihn in der Nacht vom 4. auf den 5. Februar 1933 tödlich getroffen hatten. (Quelle: WISA, 03/2008)

Kaufhalle (Schriftzug aus DDR-Zeiten)

Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2017

Das tägliche Warenangebot wurde in der DDR mehrheitlich von der Handelsorganisation HO organisiert. Als großfläche Verkaufseinrichtungen betrieb die HO so genannte KAUFHALLEn. So auch in Staßfurt. Dieses Relikt aus jener Zeit (bis 1990) war auch im April 2017 noch erhalten.

SED Stadtbezirk

Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017

Nach der Vereinigung von SPD und KPD 1946 zur SED war die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (kurz SED) die führende politische Kraft in der DDR. 2017 waren in Staßfurt noch Reste jener Zeit zu erkennen.

Fisch-Laden

Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017

"Fische" steht an diesem gefliesten Laden in typischer DDR-Nüchternheit.

Sonnenuhr

Foto: Martin Schramme, 2012

1978 wurde diese Sonnenuhr installiert.

Wirtschafts-Objekt

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Industriestraße

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VEB Kombinat Rundfunk und Fernsehen Staßfurt

Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015

Das Kombinat Rundfunk und Fernsehen Staßfurt mit dem Stammbetrieb VEB Fernsehgerätewerk Staßfurt war seit 1980 der zentrale Hersteller der DDR-Heimelektronik.

Betriebe in der DDR (1949-1990)
VEB Achslagerwerk Staßfurt (VEB Kombinat Schienenfahrzeugbau Berlin)
VEB Ankerwickelei Staßfurt
VEB Apparatebau Staßfurt (VEB Kombinat TGA)
VEB Blechpackungswerke Staßfurt (VEB Mansfeld Kombinat Wilhelm Pieck)
VEB Bleicherdewerk Staßfurt (VEB Kombinat Öl und Margarine Magdeburg)
VEB Chemieanlagenbau Staßfurt (VEB Chemieanlagenbaukombinat Leipzig)
VEB Dachpappenwerk Staßfurt
VEB Draht- und Seilwerk Rothenburg BT Staßfurt (VEB Drahtwerke Staßfurt)
VEB elastic-mieder Staßfurt
VEB Elektroanlagenbau Staßfurt (VEB Kombinat Öl und Margarine Magdeburg)
VEB Elektrotechnisches Werk Staßfurt
VEB Fernsehgerätewerk "Friedrich Engels" Staßfurt (VEB Kombinat Rundfunk und Fernsehen Staßfurt = RFT)
VEB Format Miederwaren Staßfurt
VEB Getränkekombinat Magdeburg, Brauerei Staßfurt
VEB Getreidewirtschaft Calbe BT Staßfurt (VEB Kombinat Getreidewirtschaft Magdeburg)
VEB Großhandel OGS Staßfurt (VEB Kombinat OGS Magdeburg)
VEB Herrenbekleidung Staßfurt
VEB Kali- und Steinsalzbetrieb "Saale" Staßfurt (VEB Kaliwerk Staßfurt im VEB Kombinat Sondershausen)
VEB Kalkwerk Staßfurt
VEB Kraftverkehr Staßfurt (VEB Verkehrskombinat Magdeburg)
VEB Kreisbaubetrieb Staßfurt
VEB Limonaden- und Seltersfabrik Staßfurt (Selters = kohlensäurehaltiges Mineralwasser)
VEB Maschinen- und Apparatebau Staßfurt
VEB Metallgießerei Staßfurt
VEB Möbelfabrik Staßfurt
VEB Modewerkstätten Staßfurt (VEB Kombinat Oberbekleidung Erfurt)
VEB NOBAS Schwermaschinenbau, Betrieb Staßfurt
VEB Ringstanzwerk Staßfurt
VEB Roland-Bekleidung Staßfurt (VEB Kombinat Oberbekleidung Erfurt)
VEB Salzland-Druckerei Staßfurt
VEB Schlacht- und Verarbeitungsbetrieb Staßfurt (VEB Fleischkombinat Magdeburg)
VEB Stahlbau Staßfurt
VEB Textilpflege Staßfurt
VEB Tonmöbel Staßfurt
VEB Türbeschläge Staßfurt
Vereinigte Sodawerke Bernburg-Staßfurt (VEB Chemiekombinat Bitterfeld)
VEB Kombinat Rundfunk und Fernsehen Staßfurt
PGH "Autodienst" Staßfurt
PGH "Gebäudetechnik" Staßfurt
PGH "Leuchtenbau" Staßfurt
Firma Eisenwerke Wittigsthal Staßfurt
Maschinenfabrik Krüger Staßfurt

Wirtschaft und Leben in Staßfurt vor 1945
Brauerei Gebrüder Niemann
Stassfurter Möbelfabrik Krüger & Co.
Stassfurter Rundfunk Gesellschaft mbH, Stassfurt, älteste deutsche Superhet-Fabrik Marke "Imperial"

Eintrag im Brockhaus-Lexikon von 1894: An den Linien Magdeburg-Schönebeck-Aschersleben und Magdeburg-Blumenberg-Staßfurt der Preußischen Staatsbahnen. Postamt erster Klasse mit Zweigstelle, Telegraph. Maschinenfabriken, Kesselschmieden, Brückenwagenbauanstalt, bedeutende königliche Salzwerke und eine Gewerkschaft Ludwig II. Die Solgüter waren in den Händen von sogenannten Pf&aumL,nnern, die 1796 das ganze Salzwerk an den König von Preußen verkauften. Seit dieser Zeit wurde die 7prozentige Sohle zur Darstellung von Kochsalz verarbeitet, bis man 1839 auf dem rechten Bodeufer in 260 Meter Tiefe ein Steinsalzlager antraf; 50 Meter tiefer fand man bunte, bittere Salze, aus Magnesia und Kalisalzen bestehend, in den nächsten 280 Meter Tiefe aber reines, mit Anhydridschnüren durchsetztes Steinsalz. 1851 begann die Aufschließung bis 340 Meter Tiefe durch Abteufen zweier Schächte und 1857 die bergmännische Gewinnung der Salze, denen Staßfurt seinen Weltruf verdankt.

Begriffslegende
Superhet = Überlagerungsempfänger, auch Superheterodynempfänger, kurz Superhet