Speicher

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Bilder ohne Nachfrage!
letzte Änderung am 29.06.2017

Getreide war eine strategische Reserve, die besonders zur NS-Zeit (1933-1945) zum massiven Ausbau von groüßen Speichergebäuden im ganzen Deutschen Reich führte.

Getreidespeicher am Wallwitzhafen in Dessau an der Elbe

Foto: Martin Schramme, 2013 Foto: Martin Schramme, 2013 Foto: Martin Schramme, 2013 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015

1934 errichteter Getreidespeicher an der Mündung der Peisker in die Elbe. Er gehörte zum ehemaligen Güterumschlagplatz Wallwitzhafen. Seit 1899 hieß der Betreiber des Hafens "Speditions-Verein Mittelelbische Hafen- und Lagerhaus-Aktien-Gesellschaft". Das Unternehmen betrieb auch den Sophienhafen in Halle sowie Häfen in Torgau und Kleinwittenberg. Bei einem Bombenangriff im März 1945 wurde der Hafen schwer getroffen. Von 1965 bis 1975 wurde der Hafenbetrieb schrittweise ins nahe Roßlau verlegt. Vor dem Speicher direkt am Elbufer waren im Sommer 2015 noch Reste der alten Kai-Anlagen zu erkennen.

Speicher I: Kornhaus Wittenberg (VEAB Wittenberg)

Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015

Der 1939/1940 geplante Speicher am Wittenberger Hafen ging als "Kornhaus Wittenberg" und Objekt des Reichsnährstandes des nationalsozialistischen Großdeutschen Reiches 1942 in Betrieb. In der DDR wurde das Objekt vom Volkseigenen Erfassungs- und Aufkaufbetrieb (VEAB) weiter genutzt. Aus der Zeit stammt auch der Schriftzug "VEAB Wittenberg", der noch im Sommer 2015 gut zu erkennen war. Längst entfernt war die sthählerne Ladebrücke zum Hafenbecken. Einzig der wasserseitige Beton samt der Reste des einstigen Stahlaufbaus waren auch im Jahr 2015 noch erhalten. Der Speicher steht inzwischen unter Denkmalschutz und wird von Privatleuten bewohnt. 1992 war der Betrieb eingestellt worden.

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Speicher II, Wittenberg an der Elbe

Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015

Speicher am Güterbahnhof Könnern

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Getreidespeicher an der Elbe in Schönebeck (Baujahr 1936)

Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017

Zur strategisch wichtigen Versorgung der Reichsbevökerung ließ der Reichsnährstand nach 1933 an zahlreichen Orten entlang der Flüsse und Bahnlinien Getreidespeicher anlegen. Es entstanden massive Stahlbetonbauwerke, die auch im Kriege sichere Aufbewahrungsorte für Getreide sein sollten. Zur besonderen Sicherung des Speiches und der nahen Kai-Anlagen errichteten die Nationalsozialisten gar kleine Bunker. Der Reichsnährstand ließ im ganzen Deutschen Reich diese wichtigen Versorgungszentren errichten. Ab 1937 war er bevollmächtigt, den Anbau kriegswichtiger Kulturen anzuordnen. Seit 1936 war die Landwirtschaft in den Vierjahresplan der Kriegsvorbereitungen voll eingebunden. Das Reich sollte, so der Plan, binnen vier Jahren kriegsbereit und von Rohstoffimporten weitgehend unabhängig sein.

Zu DDR-Zeiten war der Speicher am Güterbahnhof Könnern zuletzt ein Objekt der Bäuerlichen Handelsgenossenschaft (BHG) Bernburg.

Sophienhafen in Halle mit Speicherbauten (Speditions-Verein Mittelelbische Hafen und Lagerhaus Aktiengesellschaft)

Foto: Martin Schramme / 02.2010 Speditions-Verein Mittelelbische Hafen und Lagerhaus Aktiengesellschaft
Foto: Martin Schramme / 02.2010 Foto: Martin Schramme / 02.2010

Der Sophienhafen wurde 1857 - damals als Winterquartier für Lastkähne - angelegt. Anfang 1895 erhielt er einen Bahnanschluss. Es siedelten sich eine Reihe von Gewerbe- und (Tank-)Lagerbetrieben an, darunter die Speditionsverein Mittelelbische Hafen- und Lagerhaus AG, die Deutsch-amerikanische Petroleum-Gesellschaft und die Deutsch-russische Naphta-Import-Gesellschaft. Seit dem 8. September 1899 hieß die Betreibergesellschaft "Speditions-Verein Mittelelbische Hafen- und Lagerhaus-Aktien-Gesellschaft". Das Unternehmen bestand unter diesem Namen bis 1946. Schon bald zeigte sich, dass der Sophienhafen auf Grund seiner zentralen Lage und der unzureichenden Schiffbarkeit der Saale (Schiffe bis 400 Bruttoregistertonnen) als ungeeignet für den wachsenden Güterverkehr. Daher wurde 1916 der Bau eines neuen Hafens geplant, der allerdings erst zehn Jahre später in Halle-Trotha begonnen wurde. Mit dem neuen Hafen war das Ende des Sophienhafens besiegelt. 2012 baute ein Investor den alten Speicher zum Wohnhaus aus.

Hafen Aken an der Elbe | Hafen- und Lagerhaus-AG

Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme

Seit 1889 ist der Hafen in Aken in Betrieb. Seine Speichergebäude haben die Zeiten überdauert.

Central-Genossenschaft Halle Saale (später VEAB Aschersleben)

Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme An der Mauer noch gut zu erkennen ist hier die Aufschrift: Volkseigener Erfassungs- und
Aufkaufbetrieb (VEAB) für landwirtschaftliche Erzeugnisse.
Foto: Martin Schramme

Im Sommer 2012 waren die Aufschriften in Aschersleben noch gut zu lesen, welche die historische Funktion des Speichergebäudes an der Eisenbahnstrecke verraten: "Centralgenossenschaft Halle/S, Zweigstelle Aschersleben | Volkseigener Erfassungs- und Aufkaufbetrieb (VEAB) für landwirtschaftliche Erzeugnisse".

Speichergebäude in Bad Bibra

Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015

Am Speicher war im Herbst 2015 ein stark ausgeblichenes Schild zu finden: BORNIT - Bornit-Werk Aschenborn GmbH Zwickau - Tradition und Fortschritt - Aschenborn Bautenschutz-Chemie seit 1868.

Getreidespeicher am Elbe-Havel-Kanal in Burg bei Magdeburg

Foto: Martin Schramme, 2014

Getreidespeicher am Elbe-Havel-Kanal. Magdeburger Getreide GmbH

VEB Getreidewirtschaft Eisleben | Eislebener Getreide GmbH (teilweiser Abriss 2012)

Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme

Schon eine lange Geschichte hat das Getreidezentrum in Eisleben mit Silo, Getreidelager und Eisenbahnanschluss. Zu DDR-Zeiten firmierte es unter der Bezeichnung VEB Getreidewirtschaft. Im Zuge des Anschlusses an die BRD 1990 ging die Getreidewirtschaft an die Treuhand, die den Betrieb 1992 veräußerte. Zuletzt war das Gelände als Lager Eisleben der Eislebener Getreide Gesellschaft mbH mit Sitz in Querfurt dem RHG Agrarzentrum zugeordnet. Hinter der Gesellschaft verbirgt sich die Agravis Raiffeisen AG, die Eisleben im Sommer 1997 gekauft hat. Das Gelände steht zum Verkauf (Stand: Sommer 2011). Sehr alte Technik hat die Jahrzehnte überdauert. Sie stammt offenbar nicht zuletzt aus den 1950er Jahren. VEB "Petkus" Landmaschinenwerk Wutha/Thür., Baujahr 1950, steht auf dem Typenschild an einem Trogkettenförderer. Der Betrieb war in der der DDR führender Hersteller von Getreide- und Saatgutaufbereitungstechnik. Petkus ist auch heute noch ein bedeutender Hersteller von Saatgutaufbereitungsanlagen.

Silo auf dem ehemaligen Rittergut Etzdorf

Foto: Martin Schramme / 06.2005 Foto: Martin Schramme / 06.2005 Foto: Martin Schramme / 06.2005 Dachziegel mit der Aufschrift von der "Louisenwerk" Thonindustrie Aktien Gesellschaft.

Foto: Martin Schramme / 06.2005 Foto: Martin Schramme / 06.2005 Foto: Martin Schramme / 06.2005

Das Silo gehört zum ehemaligen Gut Etzdorf. Es wurde aus Betonschalen, Holz und Dachziegeln errichtet. Die Ziegel lieferte die 1900 gegründete Louisenwerk Thonindustrie Aktien Gesellschaft in Voigtstedt (Kyffhäuser/Thüringen). Von 1934 bis 1944 betrieb Max Schroeder das Gut. 1944 wurde er wegen Konspiration mit dem Reusch-Kreis zitiert, aber freigesprochen. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte er das Gut fortführen, es unterstand als "Lehr- und Versuchsgut Etzdorf" dem Institut für Betriebs- und Arbeitslehre der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Eine Schweinezucht wurde aufgebaut und endete 1974 mit der Übergabe des VEG Etzdorf an die Güterdirektion des Bezirkes Halle. Im Juli 1990 kam das Gut an die Treuhand, die das Objekt an einen Nachfahre des letzten Rittergutsbesitzers Dr. Max Schröder-Etzdorf verkaufte. mehr

Handelshafen Magdeburg

Speichergebaeude im Handelshafen Magdeburg, Foto: Martin Schramme, 2013 Speichergebaeude im Handelshafen Magdeburg
Foto: Martin Schramme, 2013 Speichergebaeude im Handelshafen Magdeburg
Foto: Martin Schramme, 2013 Speichergebaeude im Handelshafen Magdeburg
Foto: Martin Schramme, 2013 Foto: Martin Schramme, 2013 Speichergebaeude im Handelshafen Magdeburg

Wachsende Warenströme über den Übersee-Hafen in der Hansestadt Hamburg zogen einen wachsenden Bedarf für Lager- und Umschlagplätze im deutschen Inland nach sich. Nachdem die preußische Regierung in Berlin bereits 1878 die Erlaubnis für den Bau eines Hafens erteilt hatte, begannen 1888 die Bauarbeiten am Handelshafen. 1893 war ein 994 Meter langes und bis zu 65 Meter breites Hafenbecken fertiggestellt. Um die Wirtschaft weiter zu fördern, wurde in den Jahren 1908 bis 1911 im Norden Magdeburgs an der Elbe der Industriehafen errichtet. Der Hafen verfügt über eine Kai-Länge von 570 Meter. Nach dem Ende der DDR 1989/90 ist es im Hafen endgültig sehr ruhig geworden. Er hat heute vor allem Museumswert. Nach Angaben der Hafenbetreiber 2014/2015 werden Getreide und Zucker aus der Magdeburger Börde sowie Stahl und Schrott im Hafen umgeschlagen.

Getreidespeicher und Lagerhaus Zwickau

Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015

Auf der Straßenseite dieses langestreckten Gebäudes war Ende April mit viel Mühe gerade noch erkennbar, was einst in großen Buchstaben an der Fassade stand: Lagerhaus und Getreidespeicher Ziegelwerke. Dass der hohe treppenhaus- oder fahrstuhlschachtartige Anbau auf der rechen Seite des Gebäudes nachträglich errichtet wurde, ist durch den durch ihn teilweise verdeckten Schriftzug "Lagerräume zu vermieten" offenkundig.

An das Bahnnetz ist Zwickau seit 1845 angeschlossen. 1914 wurden dort auf der Schiene 3,5 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen. 800 Waggons täglich waren allein für den Kohlentransport erforderlich.