Riesa (Elbe)

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Bilder ohne Nachfrage!
letzte Änderung: 18.12.2016

Im Jahre 1912 wurde von Riesa nach Lauchhammer die weltweit erste Hochspannungsleitung für 110 kV gebaut.

VEB Zündwarenwerke Riesa

Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014

Die rot-gelben Schachteln mit mit schwarzen Reibflächen, abgepackt in Würfeln, kannte wohl jeder in der DDR. Zündwaren aus Riesa und Coswig (Anhalt) - das war ein Begriff.

Teigwarenfabrik

Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014

Nach dem erfolgreichen Start der Seifenfabrikation 1910 in Riesa baut die Groß-Einkaufs-Gesellschaft Deutscher Comsumvereine m.b.H. (GEG) in unmittelbarer Nachbarschaft zum Seifenwerk eine Teigwarenfabrik.

Konsum Seifenwerk Riesa

Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014

1909 beginnt die 1893 in Leipzig und Hamburg gegründete Groß-Einkaufs-Gesellschaft Deutscher Comsumvereine m.b.H. (GEG) in Riesa-Gröha den Bau seiner ersten Seifenfabrik. 1903 war der Gesellschaftsvertrag um den Passus "Herstellung und Fabrikation" erweitert worden. Die GEG setzt das zunächst für alle Colonialwaren um. Bereits im Herbst 1903 beabsichtigt die Gesellschaft, eine Seifenfabrik zu errichten. Sie soll in Aken stehen, was an Genehmigungen scheitert. Auch der zweite Anlauf in Zerbst bleibt ohne Erfolg. Erst in Riesa (Sachsen) kann die GEG ihre Ansinnen umsetzen. Dort läuft im August 1910 die Produktion an. Im Ersten Weltkrieg beliefert das Werk die deutschen Truppen. In der Weimarer Republik erleben die Genossenschaften eine zweite Blüte und behaupten sich gegen Inflation (1923) und Weltwirtschaftskrise (1929). 1933 wird die aus der Arbeiterbewegung hervorgegangenen Konsumvereine im Reichsbund der deutschen Verbrauchergenossenschaften GmbH gleichgeschaltet. 1935 tritt die Deugro (Deutsche Großeinkaufs-Gesellschaft mbH) an die Stelle der GEG. 1941 lösen die Nazis die verbliebenen Konsumgenossenschaften endgütig auf. Bereits seit 1931 hatten die Nazis die Konsumvereine verstärkt attackiert. 1945 wird das Seifenwerk als konsumgenossenschaftliche Fabrik wiederhergestellt. Seit 1968 steht das Logo der Tag-und-Nacht-Waschkatze für die Hygieneprodukte aus Riesa. Das Werk wird der größte Seifenhersteller der DDR. In den 1970er endet die Waschmittelherstellung in Riesa. In den 1980er Jahren deckt Riesa 80 Prozent des DDR-Seifenbedarfs ab. Kernseife kommt nur noch von dort. Ein Drittel der Produktion geht in den Export. Der erste Privatisierungsversuch 1990 nach dem politischen Ende der DDR scheitert. 1991 stiegt Kappus aus Offenbach ein. 1992 startet Kappus die neue Produktion.

andere Seiten zum Seifenwerk:
DDR-Duftmuseum
Kappus-Seife Offenbach

Betriebe in der DDR (1949-1990)
VEB Aropharm Riesa
VEB Backwarenkombinat Dresden Betrieb Riesa
VEB Baureparatur Riesa
VEB Baustoffwerk Riesa (VEB Baustoffwerke Riesa, VEB Baustoffkombinat Dresden)
VEB BMK Kohle und Energie GAN Riesa (BMK = Bau- und Montage-Kombinat / GAN = Generalauftragnehmer)
VEB Eisengießerei Riesa
VEB Feuerverzinkung Riesa
VEB Fleischverarbeitung Riesa
VEB Früchteverarbeitung Riesa
VEB Gebäudewirtschaft Riesa
VEB Getreideverarbeitung Riesa
VEB Getreidewirtschaft Riesa (VEB Kombinat Getreidewirtschaft Dresden)
VEB Großhandelsbetrieb WtB Riesa (VEB Kombinat WtB Dresden)
VEB Holzbearbeitung Riesa (VEB Möbelkombinat Dresden-Hellerau)
VEB Konditorei Riesa
VEB Kraftfuttermischwerk Riesa (VEB Mischfutterwerk Riesa im VEB Kombinat Getreidewirtschaft Dresden)
VEB Kreisbau Riesa
VEB Kreisbetrieb für Landtechnik Riesa
VEB Miederwaren Riesa
VEB Mühlenwerke Riesa
VEB Obst- und Gemüsekonserven Riesa
VEB Pflanzenfettwerke Elbe Riesa
VEB Reifenwerk Riesa
VEB Riesa-Druck
VEB Riesaer Obstkelterei
VEB Riesaer Ölwerke (VEB Ölwerke Riesa)
VEB Robotron-Elektronik Riesa
VEB Rohrkombinat "Karl Marx" Riesa (Betriebe in Riesa, Freital, Lugau, Meißen)
VEB Rohrleitungsisolierungen Riesa
VEB Schuhfabrik Riesa
Stahl- und Walzwerk Riesa (VEB Rohrkombinat "Karl Marx" Riesa, Martinwerk I und II, Rohrwerk I und II, Industriekraftwerk, Konsumgüterproduktion, Stabwalzwerk, Stahlformgießerei)
Konsum-Teigwarenfabrik Riesa
VEB Textilreinigung Riesa
VEB Textilzuschneidemaschinenbau Riesa
VEB Tischfabrik Riesa
VEB Verkehrs- und Tiefbaukombinat Dresden Betrieb Riesa
Konsum-Zündholzfabrik Riesa
VEB Zündwarenwerke Riesa

Wirtschaft und Leben in Riesa vor 1945
Konsum-Zündwarenwerk Riesa (seit 1923)

An den Linien Leipzig-Riesa-Dresden, Röderau-Chemnitz und der Nebenlinie Elsterwerda-Nossen der Sächsischen Staatsbahnen. Postamt erster Klasse mit Zweitgstelle, Telegraph, Fernsprecheinrichtung, Kanalisation, Wasserwerk, Gasanstalt, Schlachthof, große Quaianlagen und ein Verkehrs- und Winterhafen. Die Industrie erstreckt sich auf Blech- und Röhrenwalzwerk (Zweiganstalt von Lauchhammer), Dampfsägewerke, Fabriken für Parkettfußboden, Wagen, Stühle und Sofas, Marmorwaren, Leim, Öl, Küchengeräte, Seife und landwirtschaftliche Maschinen, Dampfschleiferei, Kunstmühle, Lumpensortier- und Exportanstalt, bedeutende Schiffswerft und umfangreiche Sandsteinindustrie. Riesa ist der bedeutendste Elbumschlagplatz Sachsens, der Verladeplatz für überseeische Güter von und nach Bayern, sowie Stapel- und Handelsplatz für Heringe, Petroleum (Tankanlagen der amerikanischen Petroleumgesellschaft), Holz, Schiefer, Kohlen, Düngemittel, Getreide, Roheisen, Marmorwaren und Sandsteine.

Begriffslegende
amerikanische Petroleumgesellschaft = Deutsch-Amerikanische Petroleum Gesellschaft (DAPG), gegr. 1890, Mineralöl-Unternehmen, das seit 1950 als Esso AG firmiert
Quai = Kai, aus dem Französischen