Quedlinburg

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Bilder ohne Nachfrage!
letzte Änderung am 08.12.2015

alte Werbewand der Kunstanstalt für Glasmalerei Ferdinand Müller

Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012

"Glas=Malerei | Kunst u. Messing Verglasung | Schleiferei | Ferd. Müller" stand noch im Dezember 2012 an einer großen Giebelwand am Rambergweg in Quedlinburg. Die Aufschrift erinnert an die Kunstanstalt für Glasmalerei Ferdinand Müller. Ferdinand Müller (1848-1916) war Glaser. 1876 begann er sein erstes Geschäft, eine Kunst- und Bauglaserei. Weniger Jahre später nahm er die Glasmalerei ins Programm, mit der er sein Unternehmen schon bald zu einer der größten deutschen Werkstätten ausbauen konnte. Vor allem zahlreiche evangelische Kirchen stattete er mit bunten Fenstergläsern aus Müller brachte es auch zum Titel "Hoflieferant" und versorgte internationale Kunden unter anderem in Russland, Schweden, Nordamerika, Südafrika, Indien und Indonesien. Das beachtliche Auftragsvolumen zwang zum Ausbau der Produktionsstätte. Gebaut wurde am Gernröder Weg 3. Im Glaslager waren bald 1000 verschiedene Sorten und Farben zu finden. 1904 hatte das Unternehmen 76 Angestellte. Sohn Walther Müller führte die Glaserei nach dem Tod des Vaters bis 1965 weiter. Dann verkaufte er seine Firma an die Hochschule für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein in Halle an der Saale. Zu den erhaltenen Werken der Glaserei Müller gehört das Wappenfenster im Rathaus zu Quedlinburg. Im Jahr 2000 kam das Objekt am Müllers Nachkommen. Die sanierten es schrittweise. Im September 2011 präsentierten sie das herausgeputzte Juwel bei einem Tag des offenen Denkmals der Öffentlichkeit und erlebten einen ungeahnten Andrang.

Wiki über Müllers Glaserei

Gebrüder Dippe AG (gegr. 1850, seit 1915 Aktiengesellschaft)

Foto: Martin Schramme, 2012

Die Gebrüder Dippe entwickelten den kleinen elterlichen Gartenbau- und Samenhandelsbetrieb zu einem Pflanzenzüchtungsbetrieb mit Weltruf. Beim Tode von Gustav Adolf Dippe hatte das Unternehmen 2000 Beschäftigte, bewirtschaftete 2500 Hektar Land, verfügte über einen großen Viehbestand, riesige Speicher und Gerät. 1945 verlegte die Dippe AG ihre Geschäfte nach Herford in Westdeutschland.

VEB Farb-Chemie Quedlinburg, ehemals Wilhelm Brauns Anilin-Farben-Fabriken (Leninstraße 12, heute Harzweg 12)

Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012

Der VEB Farb-Chemie in der Leninstraße 12 direkt an der Bode stellte in den späteren DDR-Jahren Klebstoffe und Kitte her (Quelle: Messekatalog 1979). Von dort kam aber Citocol Haushaltsfarbstoff. Das waren Farbtabletten, um zum Beispiel Baumwolle, Dederon, Leinen, Polyamid, Seide oder Viskose zu färben. Nach dem Ende der DDR 1990 bekam der Alteigentümer (Wilbra Chemie) das Objekt zurück. Anfang 2004 war mit der Chemie an dem Standort endgültig Schluss. Auf dem 13.000 Quadratmeter großen Grundstück wurden seither wiederholt Brände gelegt, gleich mehrere waren es im Jahr 2010. Im Dezember 2012 kündete noch ein Schild von den einstigen Aktivitäten der Wilbra-Chemie GmbH: Berliner Holzkaltleim, Kaschierklebstoffe, Klebstoffe für Bauindustrie und Heimwerker, Verpackungs- und Papierklebstoffe, Montage- und Flächenleime für Holzwerkstoffe.

Vorgeschichte: Der Apotheker Wilhelm Brauns aus Brome bei Gifhorn nahm 1874 die Herstellung von Stofffarben auf. Die Farben werden ein Renner. Brauns zieht nach Quedlinburg um und baut dort mit Josef Weller eine Anilinfarben-Fabrik auf. Vor dem Ersten Weltkrieg noch erweitert Brauns das Sortiment auf Farben für Leder, Bohnerwachs, Kerzen und Seifen sowie Nahrungs- und Genussmittel. Mittel zum imprägnieren, Flecken entfernen und Entfärben kommen in den 1920er Jahren hinzu. Ab 1959 läuft der Betrieb in der DDR mit staatlicher Beteiligung weiter bis zur vollständigen Verstaatlichung 1972 und produziert unter anderem Holzbeize. Der Betrieb ist nun zunehmend als Klebemittelhersteller gefordert. Die Teilung Deutschlands hat das Unternehmen indes bewogen, bereits 1946 auch in München eine Wilbra-Chemie aufzubauen, die schon 1952 nach Bad Aibling umzieht. 1969 fusioniert Brauns mit seinem Konkurrenten Heitmann. Das neue Unternehmen bringt 1977 die ersten kochechten Textilfarben der Welt heraus. Seit 1993 ist der Firmensitz in Warburg.

Am Lehofsweg am Rande der Stadt befand sich ein ehemaliges Werksgelände, von dem massive Boden- und Grundwasserbelastungen ausgingen, wie im Jahr 2000 festgestellt wurde. Auf den Fotos zu sehen ist hingegen Werk I am Harzweg.

Brauns-Nachfolger
weitere Fotos

Johannisstift im Stadtteil Süderstadt

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An Heinrichstraße und Stresemannstraße befindet sich ein interessantes Viertel samt zweier Kirchen - das Johannisstift. Die heutigen Gebäude in der attraktiven Kombination aus Backstein und Fachwerk stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Gründungsgeschichte des Stifts soll indes bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen.

Gernrode (zu Quedlinburg)

FDGB-Erholungsheim "Fritz Heckert"

Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012

In Anlehnung an das DDR-Ferienschiff "Fritz Heckert" ließ der FDGB-Feriendienst von 1952 bis 1954 im Wald oberhalb von Gernrode ein Erholungsheim errichten, dessen Haupteingang ebenso wie die Treppenaufgänge an ein Schiff erinnerten. Es entstand ein Koloss aus Beton und rauhverputzten Ziegeln. Der leicht bogenförmige Wohntrakt erinnert ein wenig an den KdF-Koloss von Prora.
Das einst recht ordentlich ausgebaute Objekt ist nach vielen Jahren des Leerstandes weniger durch Wind und Wetter, als vielmehr durch sinnlosen Vandalismus zu einer leeren Hülle verkommen. Fußbodenbeläge und Grätenparkett wurden fast komplett herausgerissen, Fliesen und Wannen in der Küche zerschlagen und Verkleidungen der Klimatechnik zertrümmert. Vielfach sind Graffitischmierereien zu finden und im Eingangsbereich das Hauses hat es offenbar auch schon gebrannt. Aus einem liebevoll hergerichteten Erholungsort mitten im schönen Wald des Harzes ist ein trostloses Etwas geworden.

Fritz Heckert (1884-1936) war ein deutscher Politiker und Kommunist. Das Urlaubsschiff Fritz Heckert wurde von 1959 bis 1961 in Wismar auf der Matthias-Thesen-Werft gebaut. Die Jungfernfahrt war am 1. Mai 1961. 1970 wurde das Schiff außer Dienst gestellt und ab 1972 als Arbeiterwohnheim genutzt.

Wasserturm

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Bahnhof Gernrode (Normalspur)

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Der Normalspurbahnhof in Gernrode wurde von 1887 bis 2004 betrieben. Im Herbst 2012 war er offenbar in privater Nutzung, aber ohne Bahnbetrieb. Hühner liefen übers Gelände.

Morgenrot

VEG (B) Tierproduktion Ballenstedt Sitz Morgenrot

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Zu DDR-Zeiten befand sich in Morgenrot eine Schweinemastanlage, eine Ballenstedt zugeordnete VEG Tierproduktion. Jetzt befindet sich dort ein Rohstoffverwerter.

Rieder (seit 2011 Ortsteil von Quedlinburg)

Gasthof zum schwarzen Ross

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November 2012: Der ehemalige Gasthof zum schwarzen Ross in Rieder (Harz) steht leer und verfällt. Eine Wasserpumpe HP 90L Baujahr 1966 von den Magdeburger Armaturenwerke (MAW) befindet sich direkt am Gebäude.

Betriebe in der DDR (1949-1990)
VEB Bekleidung Quedlinburg
VEB Betonerzeugnisse Quedlinburg
VEB Buch- und Offsetdruck Quedlinburg
VEB Denkmalpflege Halle Sitz Quedlinburg
VEB Diagrammdruck Quedlinburg
VEB Dienstleistungsbetrieb Quedlinburg (VEB Kombinat Hauswirtschaftliche Dienstleistungen Halle)
VEB Drahtverarbeitungswerk Quedlinburg
VEB Elektroakustik Quedlinburg
VEB Farbchemie Quedlinburg (VEB Kombinat Chemie und Plastverarbeitung Halle)
VEB Fotostudio Quedlinburg
VEB Grünanlagenbau Ostharz Quedlinburg (VEB Straßen-, Brücken- und Tiefbaukombinat Halle)
VEB Harzer Likörfabrik und Weinkellerei Quedlinburg (VEB Getränkekombinat Dessau)
VEB Harzer Schmuck Quedlinburg (VEB Harzer Schmuck- und Metallwaren)
VEB Industriewerk Quedlinburg
Institut für Züchtungsforschung Quedlinburg (Akademie der Landwirtschaftswissenschaften)
VEB Kartonagen Quedlinburg (VEB Kombinat Chemie und Plastverarbeitung Halle)
VEB Käserei Quedlinburg
VEB Kfz-Instandsetzung Barkas Quedlinburg
VEB Kfz-Instandsetzung Robur Quedlinburg
VEB Kreisbaubetrieb Quedlinburg
VEB Kreisbetrieb für Landtechnik Quedlinburg (VEB Kombinat für landtechnische Instandhaltung Halle)
VEB Lebensmittelkombinat Quedlinburg
VEB Mechanische Werkstätten Quedlinburg (VEB Kombinat Feinmechanische Werke Halle)
VEB Mertik Quedlinburg (VEB Kombinat Elektroapparate Werk Berlin-Treptow)
VEB Meßgerätewerk Quedlinburg
VEB Metall Quedlinburg / VEB Metallwaren Quedlinburg (VEB Kombinat Metallwaren Dessau)
VEB Metallveredlung Quedlinburg (VEB Kombinat Feinmechanische Werke Halle)
VEB Metaplast Quedlinburg (VEB Kombinat Chemie und Plastverarbeitung Halle)
VEB Möbelwerk Quedlinburg (VEB Möbelkombinat Berlin)
VEB Modeschmuck Quedlinburg
VEG Pflanzenzüchtung Betrieb Quedlinburg
VEB Kombinat Pflanzenzüchtung und Saatgutwirtschaft Quedlinburg
VEB Organisations- und Rechenzentrum der VVB Saat- und Pflanzgut Quedlinburg
VEB Philopharm Quedlinburg (VEB Pharmazeutisches Kombinat GERMED Dresden)
VEB Planen- und Sackfabrik Quedlinburg
VEB Polygraphischer Betrieb Quedlinburg
VEB Projektierung des VVB Saat- und Pflanzgut Quedlinburg
VEB Projektierung und Bauleitung der Stadt Quedlinburg
VEB Quedlinburger Polstermöbel
VEB Saat- und Pflanzgut Quedlinburg (VEB Kombinat Pflanzenzüchtung und Saatgutwirtschaft)
VEB Saxonia Quedlinburg, Trockenpflanzenhaus Saxonia (VEB Kombinat Holz- und Kulturwaren Naumburg)
VEB Schiffsdieselzubehör Quedlinburg
VEB Schlacht- und Verarbeitungsbetrieb Quedlinburg (VEB Kombinat Fleischwirtschaft Halle)
VEB Schlachtbetrieb Quedlinburg
VEB Thermometerbau Quedlinburg
VEB Trockenpflanzenhaus Saxonia Quedlinburg (VEB Kombinat Holz- und Kulturwaren Naumburg)
VEB Union Quedlinburg (VEB Kombinat Haushaltsgeräte Karl-Marx-Stadt)
VEB Verpackungsmittel Quedlinburg
VEB Walzengießerei Quedlinburg
VEB Wärmetechnik Quedlinburg
VEB WTZ der Saatgutwirtschaft Quedlinburg
VEB Ziegelwerk Quedlinburg
VEG Pflanzenzüchtung Betrieb Quedlinburg

Wirtschaft und Leben in Quedlinburg vor 1945
Eintrag im Brockhaus-Lexikon von 1894: Ehemalige Stifts- und Hansestadt, an der Bode, der Linie Magdeburg-Thale und der Lebenlinie Frose-Ballenstedt-Quedlinburg der Preußischen Staatsbahnen. Postamt erster Klasse, Telegraph, Fernsprecheinrichtung. Die Stadt besitzt eine sehr ausgedehnte Feldmark, und Acker- und Gartenbau bilden den Haupterwerbszweig. Wichtig ist der Samenbau, der neben dem von Erfurt den ersten Rang in Deutschland einnimmt, daneben Fabrikation von Tuch, Stärkezucker, Anilinfarben und Drahtwaren. Der Handel mit Vieh, zumal auf dem Viehmarkte im Oktober, ist erheblich.