Papierfabriken

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
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letzte Änderung am 06.11.2017

Papierfabrik Trebsen (gegr. 1893 als Papierfabrik Wiede & Söhne)

Papierfabrik Trebsen, Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015

Die von 1888 bis 1893 in der ersten Stufe ausgebaute Papierfabrik Wiede & Söhne, einst im Vorort Pauschwitz gelegen, konnte am 7. November 1895 den Betrieb seiner Werkbahn samt Brücke aufnehmen. Wenige Tage später entstand in Zöhda auf der anderen Uferseite eine Papierniederlage. Der Brückenbau war ursprünglich dadurch zustande gekommen, dass an der bereits vorhandenen Muldebrücke flussabwärts Brückenzoll zu entrichten war. 100 Meter maß das neue Bauwerk von Ufer zu Ufer und ruhte auf vier gemauerten Pfeilern, Mauerwerke aus Naturstein. Schon im Juli 1897 riss die Mulde das erste Mal Teile der uferseitig im Überschwemmungsgebiet gelegenen erweiterten Brückenkonstruktion weg.

Die Papierproduktion nahm eine beachtliche Entwicklung und stieg 4260 Jahrestonnen im Jahre 1896 auf 7320 Jahrestonnen im Jahre 1905. Weithin sichtbares Zeichen der Papierfabrik war seit 1917 die dritte, 104 Meter hohe Esse. Die zwei anderen waren kaum halb so hoch. Im Herbst 1911 erhielt die Papierfabrik über den neuen, auf ihrer Seite der Mulde gelegenen Bahnhof Trebsen-Pauschwitz endlich einen Normalspur-Anschluss. Wiede & Söhne nutzte zwar auch weiterhin die Feldbahnspur zum alten Bahnhof Nerchau-Trebsen, doch der Anteil am Gesamttransport fiel mit den Jahren deutlich hinter den in Pauschwitz zurück. Die Lokomotiven für den Werksbahnbetrieb bezog die Papierfabrik von der Firma Orenstein & Koppel in Leipzig. Zum schrittweisen Ausbau der Werksbrücke über die Mulde gehörte der Anbau einer Beleuchtung. Während der NS-Zeit produzierte die Papierfabrik unter anderem Schreibpapier für die Wehrmacht und als kriegswichtig eingestuftes Sackpapier. Ab dem 12. April 1945 stand die Papierfabrik zeitweise still. Die Entsatzarmee unter Panzer-General Walther Wenck hatte in der Gegend auf der Ostseite des Flusses Stellung bezogen. Gegen die aus Westen anrückenden US-Amerikaner waren die Brücken zur Sprengung vorbereitet. Durch den beherzten Einsatz eines Werkschutzarbeiters konnte die Werksbrücke der Papierfabrik am 16. April 1945 in letzter Sekunde vor der Sprengung gerettet werden.

Umfangreichere Informationen zur Papierfabrik sind auf der Internetseite zur Muldetal-Geschichte von Dirk Reinhardt zu finden.

Der VEB Zellstoff- und Papierfabrik Trebsen befand sich direkt an der Mulde. Im Mai 2015 war das Objekt geteilt, ein Teil der Gebäude abgerissen und ein Teil durch das Unternehmen Schulte modernisiert für die aktuelle Produktion. Unter Schulte firmiert die Fabrik seit dem Jahr 2000. Damals kauften die Gesellschafter der Schulte-Papierfabrik in Düsseldorf dem kanadischen Unternehmen Mercer International Inc. die Papierfabrik Trebsen ab. Mercer hatte die Fabrik 1993 im Paket bekommen beim Kauf der Dresden Papier AG, die 1990 von der Treuhand gegründet und bis zum Verkauf gemanagt wurde.

F.H. Schmidt Briefumschlag- und Papierausstattungs-Fabrik Torgau (FHS)

Foto: Martin Schramme
Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme

1881 gründete Franz-Hermann Schmidt sein Unternehmen zur Kuvertherstellung in Torgau und damit eine der ersten Kuvertfabriken Deutschlands. 1916 warb das Unternehmen mit der Anfertigung feinster Briefpapier-Kassetten und Briefpapier-Mappen mit moderner Ausstattung sowie Fensterkuverts und Fensterbriefe. Als ständiges Personal wurden zirka 200 Personen angegeben und 100 der modernsten Arbeitsmaschinen. Die Fabrik verfügte zu jener Zeit über einen Staats- und Hafenbahn-Gleisanschluss. 1924 hatte er seine Kuvertfabrik (Herstellung von Briefumschlägen) zur Großproduktion ausgebaut und belieferte Kunden bis nach Mexiko (Amerika). Direkt am Fabrikgelände verlief ein Nebengleis der Deutschen Reichsbahn zum Trogauer Hafen an der Elbe. 1927 firmierte das Unternehmen als Aktiengesellschaft; wahrscheinlich auch schon eher.

1939 musste sich FHS wegen der "Allgemeinverbindlichen Anordnung der Ueberwachungsstelle für Papier" vom 1. April bei der Produktion aller Briefumschläge für den Behörden- und Geschäftsschriftverkehr auf neue Formate umstellen. Die alten Formate für Briefumschläge aller Art, Fensterkuverts, Versandtaschen, Aktentaschen, Geld- und Wertbriefumschläge und Zustellungsumschläge durften nur noch bis zum 31. Dezember des Jahres aufgebraucht werden. Der private Schriftverkehr und der Bedarf für die Werbung waren von der neuen Vorschrift nicht betroffen. Am 27. Juli 1947 musste die Freiwillige Feuerwehr anrücken und den brennenden Dachstuhl des Kesselhauses löschen. In der DDR stellte der 1951 verstaatlichte Betrieb (VEB Papierverarbeitungswerk Torgau) Briefpapierwaren, Formulare und Scherzartikel wie Konfetti her.

Nach dem Ende der DDR hatte dort zuletzt die Torgau-Papier GmbH gewirkt und Briefpapier, Briefumschläge, Geschäftsbögen, Visitenkarten, Familiendrucksachen und diverse Notizblöcke angeboten. Die Treuhandgesellschaft, die mit der Privatisierung aller DDR-Großbetriebe beauftragt war, verkaufte die Kuvertfabrik 1990/1992 an Mayer-Kuvert Heilbronn (1877 gegr. von Ernst Mayer), dem 2013 mit 2400 Mitarbeitern größten Briefhüllenhersteller Europas. Seit 1991 hat die Torgau-Kuvert GmbH & Co. KG ihren Sitz in Süptitz (Gemeinde Dreiheide bei Torgau) in einem Neubau.

Brückner & Co. Calbe/Saale - Mühlenwerke und Papierfabrik

Saalemuehle, Foto: Martin Schramme, 2013 Saalemuehle, Foto: Martin Schramme, 2013 Saalemuehle, Foto: Martin Schramme, 2013 Saalemuehle, Foto: Martin Schramme, 2013 Saalemuehle, Foto: Martin Schramme, 2013 Saalemuehle, Foto: Martin Schramme, 2013 Saalemuehle, Foto: Martin Schramme, 2013

Die ersten Saalemühlen in Calbe gab es bereits im frühen Mittelalter. Zu den ältesten noch erhaltenen Teilen gehört ein Wappen des Markgrafen Joachim Friedrich von Magdeburg, datiert auf das Jahr 1595. Es befindet sich an der ehemaligen Getreidemühle. Direkt hinter dem großen Saalewehr führt ein Kanal zum heutigen Industriedenkmal Saalemühle. Links befand sich die Getreidem&uum;hle, rechts die Papierfabrik. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurden an dem Standort Tuche gewalkt. Der rechte Teil des Mühlenareals wurde als Sägemühle weitergeführt, der linke Teil als Getreide-, Öl- und Graupenmühle. Beide Mühlen brannten nieder (links 1815, rechts 1834). Der Kaufmann Johann Christian Brückner aus Magdeburg übernahme schrittweise beide Saaleseiten und richtete rechtsseitig eine Büttenpapierfabrik ein. Seit 1885 wurden die Maschinen durch Wasserturbinen angetrieben. Produziert wurde vor allem Packpapier für die Zuckerfabriken in Calbe. Später belieferte Brückner auch Buch- und Zeitungsverlage. Verarbeitet wurden dafür Lumpen, Ätzkalk, Soda und Holzfasern.

Um die Gestaltung des Geländes der Papierfabrik bemüht sich seit 2003 ein Verein, der zunächst als Verein Saaleinsel/Papierfabrik auftrat und sich seit 2009 Verschönerungsverein nennt.

Papierfabrik Bernburg

Papierfabrik Bernbrug, Foto: Martin Schramme, 11.2015 Foto: Martin Schramme, 11.2015 Foto: Martin Schramme, 11.2015 Foto: Martin Schramme, 11.2015 Foto: Martin Schramme, 11.2015 Reste einer Hafenanlage an der Papierfabrik in Bernburg, Foto: Martin Schramme, 11.2015

"Gottfried Hopfer und Elise Hopfer erbauten diese Fabrique 1806", steht über dem Portal des ältesten Teils der ehemaligen Papierfabrik in Bernburg an der Saale. Nach dem Tode Hopfers zeigten seine Erben illegale Lumpensammler an, die den Ertrag schmälerten und gegen ein bereits im April 1807 exklusiv vergebenes Privileg verstießen. In der Folge verfügte die Herzoglich Anhaltische Kammer am 29. November 1837, dass nur die Hopferschen Erben in der Stadt Bernburg und den Ämtern Bernburg und Plötzkau Lumpen sammeln dürfen. Allen anderen müssten bei Verstoß mit Geldstrafen rechnen (Quelle: Gesetzsammlung für das Herzogthum Anhalt-Bernburg, Band 5). 1879 ging die Fabrik an die Gebrüder Lange über. Sie erweiterten das Gebäudeensemble durch den Kauf der nahen Handpapiermühle von Hinze und der Glasurmühle der Fayencefabrik von Jannasch. Die Langes bauten zudem ein Wohnhaus. In der Zeit bis zur Enteignung wurde aus Kiefernholz primär Zeitungspapier produziert. 1946 waren in der Papiermühle noch drei Wasserturbinen mit einer Gesamtleistung von 1030 Kilowatt in Betrieb. Allerdings war 1932 eine der drei Francisturbinen durch eine bauähnliche Turbine der Firma B. Maier KG, Brackwede, ersetzt worden. 1972, also im Laufe der DDR-Zeit, wurden die Anlage stillgelegt, weil die Turbinen nach der Modifizierung des Wehrs 1938 gegenüber der auch heute noch erkennbaren Bauform von 1880 zu Schäden und Ausfällen infolge von Materialüberlastungen führte. Anfang der 1990er Jahre, kurz nach dem Ende der DDR (1949-1990), kam das Aus für die Papierfabrik, doch die Turbinen wurden einige Jahre später zur Stromgewinnung reaktiviert. Teile der Fabrik stehen heute unter Denkmalschutz, andere sind abgerissen. Teile der erhaltenen Objekte wurden saniert, andere Teile waren nocch im Herbst 2015 unsaniert und standen leer. In einem der leerstehenden Gebäude musste die Feuerwehr im Jahr 2014 einen Großbrand löschen.

Cröllwitzer Actien Papierfabrik Halle (gegr. 1714)

Repro: Martin Schramme
Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Aufschrift am Betonsockel: Betonbau von Thormann, Schneller & Co Augsburg
Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017

Die alte Papiermühle an der Saale in Halle-Kröllwitz war im Früjahr 2010 bereits stark zerstört und wegen Einsturzgefahr allgemein gesperrt. Die Stadtwerke Halle planten dort ein Wasserkraftwerk. An welchem historischen Ort das passieren soll, ist an zwei Schriftzüge am Mauersims noch gut zu erkennen: "Cröllwitzer Actien Papierfabrik 1882" und "Betonbau von Thormann, Schneller & Co Augsburg".
Die AG wurde 1871 gegründet. Hervorgegangen war sie aus einer 1714 von Zacharias Kermes aus Trotha gegründeten Papierfabrik. 1725 ging die Fabrik in den Besitz der Franckeschen Stiftungen über, den Pachtbetrieb hatte die Familie Keferstein von 1718-1871. Zur Sicherung ihres Kohlenbezuges erwarb die Gesellschaft 1922 sämtliche Kuxe der Gewerkschaft Ferdinando bei Sennewitz. Einer Anzeige der Jubiläumsschrift der Zeitung "Hallische Nachrichten" vom 21. März 1939 zufolge produzierte die Papierfabrik je 14.000 Jahrestonnen Papier und Zellstoff.
In der DDR (1949-1990) fanden die Fabrikgebäude eine andere Verwendung. Hinweise auf die Nutzung waren noch Anfang 2017 zu sehen in Form von Werbetafeln, die als Grundstücksbegrenzer am Fahrweg standen: VEB Orbitaplast und "Plaste & und Elaste aus Schkopau" (Werbung des VEB Chemische Werke Buna).
Seit 2009 saniert wurde der alte Papierspeicher neben der Fabrik. Eigentümer ist die Prof. Schuh Gruppe.
Von den Gebäuden der ehemaligen Papierfabrik sind nur noch fünf erhalten: das Turbinenhaus, das ehemalige Speichergebäude und das ehemalige Verwaltungsgebäude am Saaleufer sowie zwei ehemalige Produktionsgebäude am Hang des Ochsenberges. Die drei am Saaleufer gelegenen Gebäude stehen unter Denkmalschutz.
Zur Nutzung der ehemaligen Mühlengebäude gab es in der Vergangenheit bereits verschiedene Konzepte (Diplomarbeit Jörg Schwulst, Arbeit Ralph Nitsche, Diplomarbeit Reinhard Simmgen, Diplomarbeit Therese Olivier). Der Verein zur Förderung der regenerativen Stromerzeugung für Halle stellt diese Arbeiten auf seiner Internetseite vor.

2016 war das Objekt in der Hand der Firma Schuh, die bereits das benachbarte Speichergebäude saniert hatte. Der Plan: Loft-Wohnungen und ein Wasserkraftwerk (zusammen mit den Stadtwerketochter EVH). Kosten: 14 Millionen Euro. Anfang 2017 waren Abbruch- und Entkernungsarbeiten im Gange. Zum Wasserkraftwerk lagen keine konkreten Pläne vor.

Papierfabrik / VEB Buntpapierfabrik Flöha

Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015

Kinder haben in der DDR gern gebastelt und so konnte es sein, dass ihr Papier aus Flöha kam. Nach dem Ende des Sozialismus 1990 im Osten Deutschlands folgte die Privatisierung. 1992 erwarb Huchtemeier aus Dortmund die Fabrik. Um 1750 war in Leipzig Deutschlands erste Buntpapierfabrik entstanden.

Papierfabrik, später Rohrwerke Muldenstein (Baubeginn 1905, teilweiser Abriss 2010)

Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Muenze: 20 Jahre Spiralrohrwerk 50 Jahre Roter Oktober Muldenstein

Ab 1905 ließ die Familie Brettschneider die Papierfabrik Muldenstein aus dem Boden stampfen. 1907 konnte die Produktion anlaufen. Bis 1928 wurde die Fabrik schrittweise ausgebaut. Bis zu 500 Arbeiter kamen zum Einsatz. Stellte man anfangs Zeitungs- und Tapetenrohrpapier her, war es später Druck- und Schreibpapier. 1938 wurde aus der GmbH eine Aktiengesellschaft. 1939 ging das gesamte Aktienpaket an die Margarine Verkaufsunion GmbH, eine Tochter des holländischen Verbrauchsgüterkonzerns Unilever. 1943 wurde die Papierproduktion als nicht kriegswichtig eingestellt. Die Werkhallen wurden als Montagehallen für die Junkers Motorenwerke Dessau umgebaut.

Papierfabrik Dietrich (in der DDR dann VEB Schuhfabrik "Banner des Friedens")

Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014

Ehe die DDR an den Ufern der Saale Schuhe produzierte, befand sich dort die Papierfabrik Dietrich. 1875 grüdete Oscar und Robert Dietrich eine Papierfabrik, die sich bis 1907 zur größten Fabrik in Weißenfels entwickelte. Bis 1938 wurden dort Bücherpapier, Buchbinderpappen, holzfreies und holzhaltiges Papier, Illustrationsdruckpapier, Konzeptpapier, Notendruckpapier, Offsetpapier, Packpappen, Postkartenkarton, Postpapier, Schreibmaschinenpapier, Tiefdruckpapiere, Zeichenpapiere sowie Holz- und Zellstoff für den eigenen Bedarf hergestellt. Benötigte Dampfmaschinen lieferte die Görlitzer Maschinenbauanstalt und Eisengießerei AG 1898, 1902, 1903, 1907 und 1909. In den Jahren 1904 bis 1906 lieferte J. M. Voith Heidenheim zwei Holzschleifmaschinen, 1918 folgte vom selben Hersteller zwei Francis-Turbinen. 1885 ging die eigene Gasanstalt in Betrieb, 1918 ein Sägewerk. 1938 hatte die Papierfabrik 1100 Arbeiter. Die Papaierfabriken Oscar Dietrich G.m.b.H. nahm schließlich beeindruckende Ausmaße an. Am Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 nahmen die US-Amerikaner Forschungs- und Produktionsunterlagen mit, ehe die Russen das Regime übernahmen und die Fabrik bis 1946 als Reparationsleistung demontierten.

Bestehorn Papierwarenfabrik, "Dütenfabrik" Aschersleben (gegr. 1861, Gebäude mit Turm und Dreibogenhaus von 1911)

Foto: Martin Schramme | 2012 Foto: Martin Schramme | 2012 Foto: Martin Schramme | 2012 Foto: Martin Schramme | 2012 Foto: Martin Schramme, 2015

1861 startete Heinrich Christian Bestehorn (1831-1907) die Produktion von Papier, Papiertüten und Couverts. Während seiner Kaufsmannslehre hatte er wie viele Kaufsmannsgehilfen im 19. Jahrhundert in Freistunden und nach Feierabend Papiertüten kleben müssen. Aus der lästigen Tätigkeit entstand seine Geschäftsidee. Gemäß dem Adressbuch von 1865 wohnte der Kaufmann in der Liebenwahnschen Vorstadt 987 (1856 war er noch als Seiler und Victualienhändler eingetragen). Im selben Adressbuch war er im so genannten Geschäftsempfehler zu finden: "H.C. Bestehorn, Fabrik von Geschäftsbüchern, Briefcouverts, Cartonagen, ausgeschlagenen (Torten-) Papieren und Düten (Thee, Cartons mit Staniol und chinesischen Etiquetten, Etuis zu Blumensamen-Sortiments, Probekapseln, gefälzte Kapseln, Cigarren-Beutel u.s.w., sämtlich mit Firma, auf eigener Schnellpresse sauber bedruckt). En gros-Lager aller Sorten Post-, Schreib- u. Concept-Papiere, Packpapiere in allen gangbaren Formaten, Rollenpapier in verschiedenen Stoffen und Breiten. Präge-Anstalt. Lager von Copier- und Namenschlag-Pressen." Von der Weltausstellung 1867 in Paris brachte er zwei Couvertmaschinen mit, die ihm eine deutliche Produktionssteigerung ermöglichte. Als Bestehorn seinen Betrieb um 1900 seinen beiden Söhnen übergab, produzierte HCB auch Verpackungen für Colonialwaren (Kaffee, Kakao, Tee, Tabak). Schließlich expandierte der Industrielle aus Aschersleben durch den Zukauf anderer Papierhersteller. Bereits seit 1865 war Bestehorn auch im Buchschnelldruck und der Buchbinderei tätig. Bestehorn-Produkte - dazu gehörten auch Zigarettenschachteln, Plakate und Prospekte - gingen in alle Welt. 1936 war Bestehorn der größte Papierwarenhersteller auf dem europäischen Kontinent und hatte rund 1800 Beschäftigte. 1948 wurde die Fabrik in Aschersleben durch die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) offiziell enteignet. Tatsächlich erfolgte die Verstaatlichung schon eher. Die Produktion wurde weitergeführt. Jetzt waren vor allem Akzidenzien gefragt, darunter Formulare für die SMAD. Ab 1951 hieß der Betrieb VEB Optima. Später wurde er Teil des VEB Kombinat Verpackung Leipzig. In den 1950er und 1960er verarbeitete Optima neben Papier auch Zellglas sowie Aluminium- und Kunststofffolien zu Verpackungsmaterial. 1990 wurde Optima zum Treuhandbetrieb, dort bis 1992 privatisiert und 1996 fast vollständig liquidiert.