Oschatz - Sachsens Filz-Metropole

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Bilder ohne Nachfrage!
letzte Änderung: 16.12.2015

VEB Filzfabrik Oschatz
(gegr. 1834 als Filzschuhwarenfabrik Ambrosius Marthaus, Oschatz, seit 1913 in der neuen Fabrik)

Filzfabrik Oschatz, Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015

Der gelernte Hutmacher Ambrosius Marthaus übernahm 1834 das Hutgeschäft seines Vaters und verlegte sich auf die erfolgversprechendere Filzfabrikation. In der Hospitalgasse begann er die Herstellung von Filzschuhen und Haarfilztafeln, damals ein neuartiges Produkt. 1838 erregte er in Berlin mit seinen Erzeugnissen, darunter Satteldecken, die nötige Aufmerksamkeit. Im Herbst 1838 konnte er sein Firmengelände kaufen. Nur knapp vier Jahre später, am 7. September 1842, trieb ein Brand in der Filzfabrik den jungen Unternehmer fast in den Ruin. Doch Marthaus ließ dadurch nicht bremsen. Mit den Resten seines Warenlagers suchte er die Michaelismesse in Leipzig auf, wo er Abnehmer und einen Auftrag über Satteldecken abschließen konnte. Das Geschäft wuchs, so dass es sich schließlich lohnte, eine große neue Filzfabrik zu errichten. Im Juni 1913 standen die Fabrikgebäude da, wo heute die "alte Filzfabrik" ist. Die Filzfabrikation entwickelte sich zu einer Kommanditgesellschaft und im Herbst 1930 zu einer Aktiengsellschaft, der Ambrosius Marthaus, Filz- und Filzwarenfabriken AG Oschatz. 1932 wurde die Schuhfabrikation in ein eigenständiges Unternehmen überführt, die Marthaus Schuhfabrik GmbH.

Städtisches Elektrizitätswerk

altes Elektrizitaetswerk in Oschatz, Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015

Ein Meisterwerk der Architektur ist das alte Städtische Elektrizitätswerk in Oschatz. Das Objekt gehörte 1911 zur "Ausstellung für Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft in Oschatz und befand sich, getrennt durch die Lichtsträße neben der Städtischen Gasanstalt.

alter Schlachthof Oschatz

Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015

Das Logo in Fliesenform - ein Ochsenkopf und gekreuzte Schlachtbeile - verrät, was hier einst geschah.

Post- und Fernmeldeamt Oschatz

Post- und Fernmeldeamt Oschatz, Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015

Wie man in der DDR in den 1950er Jahren um symbolträchtige Architektur bemüht war, zeigt die neuzeitlicher Gestaltung des Post- und Fernmeldeamtes in Oschatz aus dem Jahre 1952 geradezu exemplarisch.

Richard Zapf (Schmied bzw. Hufschmied)

Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015

Der Schied war und ist wieder ein bedeutender Handwerker, denn er beschlug und beschlägt die Pferde mit Eisen.

Fleischwaren Oschatz GmbH (Fleiwa)

Fleiwa in Oschatz, Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015

1958 schlossen sich füf Handwerksmeister zusammen, um eine Produktionsgenossenschaft des Fleicherhandwerks (PGH) zu gründen. Produktionsbeginn war am 1. August. Beliefert wurde vor allem Geschäfte der volkseigenen Handelsorganisation (HO) in Oschatz, Wurzen und Riesa sowie die Reichsbahn-Gastronomie "Mitropa". Jahrelang wurde an drei Standorten (Werk I bis Werk III) produziert, 1978 erfolgte die Zusammenlegung an einem Ort. Aus der PGH ging zum 01.01.1991 die Oschatzer Fleischwaren GmbH hervor.

Zuckerfabrik Oschatz (1893-1990)

1893 gegründet wurde die Zuckerfabrik seit Oktober 1945 durch die Sowjetische Militäradministration (SMAD) verwaltet. 1947 begann die Verstaatlichung der Zuckerfabriken in der Ostzone, 1952 war sie abgeschlossen. Ab 1955 saß die Hauptverwaltung für alle Zuckerfabriken der DDR in Halle an der Saale. 1965 wurden 36 Zuckerfabriken zu 13 Großbetrieben zusammengefasst. Oschatz wurde einer der Großbetriebe und bekam die Fabriken in Brottewitz, Döbeln und ab 1967 auch Löbau zugeteilt. Nach Jahren mit immer neuen Modernisierungsmaßnahmen wird die Fabrik in Oschatz ab 1980 dem VEB Zuckerkombinat Leipzig zugeschlagen. Zum Kombinat gehörten zu der Zeit noch Betriebe in Delitzsch, Döbeln, Makranstädt und Rositz. Hauptbetrieb ist Delitzsch. Ab 1984 hieß die übergeordnete Struktur VE Kombinat Zucker. 1986 wird die Zuckerproduktion in Oschatz eingestellt, während die Futtermitteltrocknung weiter läuft. Ende März 1990 wurde aus dem VE Kombinat Zucker die Ostzucker AG. Nach der Angliederung der DDR Anfang Oktober 1990 verhandelte die Treuhandgesellschaft mit westdeutschen Unternehmen. Ab Ende April 1991 war Oschatz Einflussgebiet der Südzucker AG, die den Standort endgültig dicht machte.

Umfangreiche Informationen zur Geschichte der Zuckerfabrik Oschatz sind auf vier wunderbaren Seiten des Oschatzer Geschichts- und Heimatvereins zu finden.

Betriebe in der DDR (1949-1990)
VEB Bau Oschatz
VEB Betonwerk Oschatz (VEB Baustoffkombinat Leipzig)
VEB Elektrik Oschatz
VEB Elektrobau Oschatz
VEB Erstlings- und Kinderbekleidungswerk Oschatz (VEB Kombinat Trikotagen Karl-Marx-Stadt)
VEB Filzfabrik Oschatz
VEB Gebäudewirtschaft Oschatz (bis 1972 Kommunale Wohnungsverwaltung Oschatz)
VEB Getränke Oschatz
VEB Glasseidenwerk Oschatz, Wellerswalder Weg 17 (gegr. 1966, erst VVB Technisches Glas Ilmenau, dann VEB Flachglaskombinat Torgau)
VEB Heilkräuter Oschatz
VEB Kfz-Instandsetzungswerk Oschatz
VEB Kindertrikotagen Oschatz
VEB Kreisbaubetrieb Oschatz
Kreisbetrieb für Landtechnik (VEB Kombinat Landtechnik Leipzig)
VEB Kreisdruckerei Oschatz
VEB Kunststein- und Betonwerk Oschatz (VEB Verkehrs- und Tiefbaukombinat Leipzig) VEB Landbaukombinat Leipzig in Oschatz (1965 gebildet)
VEB Metallverarbeitung Oschatz
VEB Ofenbau Oschatz
VEB Oschatzer Waagenfabrik
VEB Rolladenbau Oschatz
VEB Schlachthof Oschatz
VEB Spulenkörper Oschatz
VEB Technische Filze Oschatz
VEB Zuckerfabrik Oschatz / VEB Zuckerkombinat "Ernst Thälmann" Oschatz

Wirtschaft und Leben vor 1945
Ambrosius Marthaus, Filz- und Filzwarenfabriken AG Oschatz
G.H. Nuster, Fabrik feiner wollener Filet-Häkel- und Strickwaaren
Hanfspinnerei Reinhold Pinkert, Oschatz
Jalousie- und Rolladenfabrik Bruno Schöne
Kopp & Haberland Waagenfabrik (gegr. 1872)
Porphyr-Steinbruch Carl Hofmann, Oschatz
Reinhold Leonhardi, Technische Drogen, Farben, Lacke aus Düsseldorf
Strickwarenfabrik Wilhelm Bieger (gegr. 1859)
Tabakwarengroßhandlung Emil Reiche (gegr. 1883)
Zuckerfabrik Oschatz GmbH

Eintrag im Brockhaus-Lexikon von 1894: An der Döllnitz und den Linien Leipzig-Riesa-Dresden, Oschatz-Strehla und der Nebenlinie Nerchau-Trebsen-Oschatz. Postamt erster Klasse, Telegraph, Fernsprecheinrichtung, Hochdruckwasserleitung, Kanalisation, Gaswerk. Zuckerfabrik, Fabrikation von Filzwaren, Brücken- und Tafelwagen, gehäkelte Wollwaren, Tuch und Leder. In der Nähe ein Eisenbahnviadukt (420 Meter lang) über das Döllnitztahl mit 26 Pfeilern.

Quellen
www.oschatz-damals.de