Oelsnitz (Vogtland)

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Bilder ohne Nachfrage!
letzte Änderung am 30.04.2017

Die Stadt Oelsnitz befindet sich unweit von Plauen an der Weißen Elster. Seit dem 14. Jahrhundert erhielt der Ort sein Gepräge durch Bergbau und Textilindustrie. Im 15. und 16. Jahrhundert spielte auch die Perlenfischerei in der Elster eine wichtige Rolle. Seit 1865 verfügt Oelsnitz über einen Bahnanschluss.

Teppichfabrik Halbmond (VEB Halbmond-Teppiche Oelsnitz/Vogtland)

Verwaltung des VEB Halbmond Teppiche | Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Bau A: Baeumerei, PVC-Beschichtung, Pastenansatz, Lager | Foto: Martin Schramme Bau A: Baeumerei, PVC-Beschichtung, Pastenansatz, Lager
Elsterhochbau: Versand, Lager, Schuster, Maler, Sattler, Schneider | Foto: Martin Schramme Elsterhochbau: Versand, Lager, Schuster, Maler, Sattler, Schneider
Elsterhochbau und Wehr | Foto: Martin Schramme Werkswohnungen | Foto: Martin Schramme Werkswohnungen

Der VEB Halbmond-Teppiche Oelsnitz/V. ging nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) aus drei Großbetrieben hervor: Adoros-Teppichwerke Uebel OHG (Adorf), Tefzet AG (Oelsnitz), Koch & te Kock AG. Dem ging 1946 die Enteignung voraus, die nach einem Aufruf der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) erfolgte, Kriegsverbrecher und -gewinnler ein für allemal zu entmachten. Die Koch & te Kock AG blieb zunächst in Zwangsverwaltung und unter Kontrolle der Sowjetischen Militäradaministration (SMAD). 1950 kam auch dieser dritte Betrieb als Hauptproduktionsort in die Hand der am 7. Oktober 1949 gegründeten DDR und wurde zum Halbmond-Teppichwerke VEB. 1951 erfolgte der Zusammenschluss mit dem VEB Vogtländische Teppichfabriken zum VEB Vereinigte Vogtländische Teppichfabriken Halbmond. Zum 1. Januar 1953 kam der VEB Adorfer Teppichfabrik hinzu. Das neue Gebilde hieß VEB Halbmond-Teppiche Oelsnitz/V.. Anfang der 1970er Jahre wurden dem Halbmond im Zuge der forcierten Kombinatsbildung noch der VEB Thüringer Teppichfabriken Münchenbernsdorf und det VEB Wurzner Teppichfabrik zugeschlagen. Im 1976 neu eröffneten "Palast der Republik" in Berlin, Hauptstadt der DDR, lagen Halbmond-Teppiche. Der VEB Halbmond-Teppiche Oelsnitz/Vogtland wurde wiederholt modernisiert. So erfolgte Ende der 1970er Jahre der Abriss von vier Schornsteinen, der größte maß 55 Meter in der Höhe und hatte am Fuß einen Durchmesser von fünf Meter. Für die Werktätigen wurden eine große Sportanlage mit Fußballplatz und 60 Meter-Bahn (Ende der 70er Jahre), ein Kulturhaus, ein Ambulatorium und ein Kindergarten (Ende der 1970er Jahre) eingerichtet. "Die Brücke" hieß die werkseigene Zeitung, seit 1956 herausgegeben von der Betriebsparteiorganisation der SED. Das Parteiorgan verbreitete die damals üblichen Lobeshymnen auf die UdSSR und die DDR. In Gettengrün (Adorf/Vogtland) unterhielt die Teppichfabrik ein Kinderferienlager.

1990 setzte der Betrieb seine Arbeit als Halbmond Teppichwerke GmbH fort. 1996 erwarb die Allied Textile PLC den Halbmond. Der Geschäftsführer und sein Prokurist des Zweigwerkes kauften sich im Jahr 2007 komplett heraus. Sie investierten nochmals viel Geld, so dass 2008 die modernste Chromojet Druckanlage angefahren werden konnte. Das historische Gelände steht seit vielen Jahren leer. Wiederholt brannte es dort. 2013 war vom Abriss die Rede, doch das Objekt blieb aus Geldmangel stehen.

Tefzet: Paul Dürrschmidt gründete 1921 in Leipzig die Tefzet AG (Teppichfabrik-Zentrale AG, Martin-Luther-Ring 13). Er unterhielt am Ende Teppichmanufakturen im Vogtland, in den Sudeten und in der Nähe von Danzig mit rund 2500 Beschäftigten. Tefzet-Orient-Teppiche entstanden in Handarbeit. Der Bau des Werkes in Oelsnitz begann 1922/23. Das Architekturbüro Zapp & Basarke in Chemnitz lieferte die Entwürfe. Das Werk I entstand, später kam das Werk II dazu. In den Kriegswirren wurde schließlich auch der Bau von Luftschutzräumen veranlasst. Das Landesarchiv Sachsen hat entsprechende Unterlagen aus dem vorletzten Weltkriegsjahr 1944. 1947 startete die Unternehmung neu, zunächst als Tetex (Teppich- und Textilmanufaktur), aus der dann 1954 die Tefzet AG hervorging. Zwischenzeitlich gehörte Tefzet einem belgischen Konsortium. Nach der Ausgliederung Ende 1996 setzten der Sohn des Firmengründers und sein Verkaufsleiter den Betrieb als Münchner Teppich Manufaktur (MTM) fort. Die Tefzet-Teppiche kommen aus Manufakturen in Vietnam (seit 1982) und Nepal (seit 1989).

Adoros: ADOROS ist eine Wortschöpfung aus ADOrf und ROSsbach. Das Unternehmen entstand aus dem Zusammenschluss von Teppichfabriken in den beiden Orten. Der nach dem Zweiten Weltkrieg anfangs noch als Adoros Teppichwerke Uebel OHG betriebene Fabrikverbund gehörte Karl Übel, der sich wegen der für ihn in der kommunistischen Ost-Zone unsicheren Zukunft nach England absetzte. Mit US-amerikanischer Wirtschaftshilfe kam Übel Anfang der 1950er Jahre nach Westberlin, um in Spandau eine neue Adoros-Teppichfabrik (Adoros Teppichwerke Uebel GmbH & Co. KG) zu starten. Dafür erwarb er Pachtland am Juliusturm, das bis dahin die Heimat des Spandauer Schützenvereins war, der dort sein Vereinslokal "Sophienklause" samt Luftgewehrschießständen betrieb. Einige Arbeiter aus Adorf setzten sich zu ihm in den "Westen" ab. Bereits Ende 1945 hatten die Sowjets am Altstandort mit der Demontage begonnen. Ihren Höhepunkt erreichten die Demontagen vom 18. März bis zum 27. April 1946. Alle Fabrikarbeiter wurden zur Mitarbeit verdonnert. Alles musste raus von den Webmaschinen bis zur Heiztechnik. Die Maschinen wurden zerlegt, in Güterwaggons verladen und bis weit in die Sowjetunion transportiert. Zeitzeugen berichten, dass nur uralte Webstühle am Ort verblieben, während die moderne Technik irgendwo in der UdSSR ungenutzt verrostete.

Koch & te Kock: 1880 wurde das Unternehmen Koch & te Kock Teppichfabrik Oelsnitz von Karl Wilhelm Koch und Fritz te Kock gegründet. Es führte den Halbmond im Firmenlogo, der bildliche Bezug zum Orient, wo die Teppichkunst bekanntlich ihren Ursprung hat. 30 Arbeiter waren es im Anfangsjahr und zehn Jahre später 660. Im Jahr 1900 arbeiteten bei Koch & te Kock bereits 1600 Menschen. 1913 war der Betrieb in Oelsnitz die größte Teppichweberei Europas. Bis 1930 stieg die Zahl der Beschäftigte weiter auf 2500. Das Unternehmen feierte 50 Jahre und gab eine aufwändige Festschrift mit einem Einband aus Leder und Teppich heraus, der Anfang 2015 für 399 Euro im Antiquitätenhandel war. Stolz berichtete die Halbmond-Teppich-Fabrik, dass der Garnverbrauch pro Jahr zu dem Zeitpunkt bei 9,13 Milliarden laufenden Metern lag. 1936 stattete die Teppichfabrik Hitlers Reichskanzlei mit Halbmond-Teppichen aus. 1939 wurde Koch & te Kock zur Aktiengesellschaft. Hans Koch gab Aktien zum Nennwert von 1000 Reichsmark aus. 1945 enteignet.

Link zu Halbmond heute
großartiger Fund

Betriebe in der DDR (1949-1990)
Verwechslungen mit dem Oelsnitz im Erzgebirge sind möglich.
VEB Bekleidungswerk Lößnitz BT Oelsnitz (VEB Kombinat Oberbekleidung Lößnitz)
VEB Bergbauerkundungen Oelsnitz (VEB Geologische Forschung und Erkundung Halle)
VEB Brauerei Oelsnitz
VEB Buntex Oelsnitz (VEB Kombinat Wolle und Seide Glauchau)
VEB Buntweberei Oelsnitz
VEB Drahtseilfabrik Oelsnitz
VEB Filtertuch Oelsnitz
VEB Getränkebetrieb Oelsnitz
VEB Halbmond-Teppiche Oelsnitz (VEB Kombinat Deko Plauen)
VEB Hartsteinwerk Vogtland Oelsnitz (VEB Kombinat Zuschlagstoffe und Natursteine)
VEB Kinderbekleidung Oelsnitz (VEB Kombinat Oberbekleidung Lößnitz)
VEB Kreisbaubetrieb Oelsnitz
Kreisbetrieb für Landtechnik Vogtland in Oelsnitz (VEB Kombinat Landtechnische Instandhaltung Karl-Marx-Stadt)
VEB Kunstledergewebe Oelsnitz
VEB Mechanik Oelsnitz
VEB Mechanische Werkstätten Oelsnitz
VEB Metallwaren Oelsnitz (VEB Kombinat Haus- und Küchengeräte Schwarzenberg)
VEB Miedermodden Oelsnitz
VEB Miederwaren Oelsnitz
VEB Miederwarenkonfektion Oelsnitz
VEB Molkerei Oelsnitz
VEB Oelsnitzer Lederwarenfabrik
VEB Oelsnitzer Metallwaren
VEB Plaste Oelsnitz
VEB Spezialmieder Oelsnitz
VEB Textilia Oelsnitz
VEB Textilreinigung Oelsnitz (VEB Kombinat Textilreinigung Karl-Marx-Stadt)
VEB Ventilatorenbau Oelsnitz (VEB Kombinat Maschinenbau Karl-Marx-Stadt)
VEB Vulkanisieranstalt Oelsnitz

Wirtschaft und Leben in Oelsnitz vor 1945
Eintrag im Brockhaus-Lexikon von 1894: An der Weißen Elster, in die hier der Hainbach fließt, und den Linien Reichenbach-Eger und Zwickau-Oelsnitz der Sächsischen Staatsbahnen. Postamt erster Klasse, Telegraph, Fernsprecheinrichtung. Bedeutende Fabrikation von Axminsterteppichen (Firm Kock und te Kock mit 1000 Arbeitern, die größte derartige Fabrik in Deutschland) und Korsetten (Moritz und Albin Hendel), ferner von Kammgarnstoffen, englischen Gardinen und Kongreßstoffen, Korsettschließern und -Federn, Drellstoff, Tischdecken und Tüchern, Sohlleder, Maschinen, Lack und Firnis, Kartonnagen und Schuhwaren, Jutewebereien und -Druckereien, Färbereien und Appreturanstalten, Eisengießerei, Mühlenwerke, Brauereien und Mälzereien, Ziegeleien und Kalkwerke, Handel und Viehmärkte.

Begriffslegende
Axminster-Teppich = Axminster ist eine Kleinstadt in der südwestenglischen Grafschaft Devon. Die Stadt, wo ein Webstuhl für hochwertige Teppicherzeugnisse entwickelt wurde, hat eine Teppich-Produktion mit gutem Ruf.
Sohlleder = hartes, wenig biegsames Leder für hochwertiges Strapazier- und Militär-Schuhwerk