Oberhof | Zella-Mehlis

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Bilder ohne Nachfrage!
letzte Änderung am 31.12.2015

Oberhof ist ein Luftkurort am Rennsteig und wurde in der DDR als Erholungsort weiter ausgebaut. Nach dem Ende der DDR verschlechterte sich die Lage für Oberhof dramatisch. Was den Ort in der DDR besonders machte, war nun kaum noch von Bedeutung, auch wenn Oberhof der meistbesuchte Ferienort Thüringens geblieben ist. Immer mehr Gasthäuser standen leer, dann kamen die Abrissbagger. Ab dem Jahr 2002 wurden das ehemalige Hotel "Rennsteig" und das Ernst-Thälmann-Haus abgerissen. Das 1996 eröffnete Erlebnisbad "Rennsteig-Thermen Oberhof" stand 2011 leer.

Wills Gräber

Foto: Martin Schramme, 2011 Foto: Martin Schramme, 2011 Foto: Martin Schramme, 2011 Foto: Martin Schramme, 2011

1915 wurde das Grabmal für die Brüder Hugo und Fritz Will am Sommerbachskopf errichtet, die bereits zu Beginn des 1. Weltkrieges am 22. August 1914 in Mercy le haut (Frankreich) und am 26. November 1914 bei Lodz (damals Russland, heute Polen) gefallen waren. Es handelte sich um die Söhne des Waffenfabrikanten Oscar Will, Inhaber des Venus-Waffenwerks in Zella St. Blasii bei Suhl, die Waffen, Waffenteile und Munition herstellte. 1970 störten Vandalen die Totenruhe, brachen die Gruft auf und öffneten die Zinksärge. 1983 nahmen Diebe die Reliefs der Gebrüder Will mit. 1998 setzte die Stadt Zella-Mehlis die Restaurierung der Grabstätte in Gang.

Hotel Jägerstein

Foto: Martin Schramme, 2011 Foto: Martin Schramme, 2011 Foto: Martin Schramme, 2011 Foto: Martin Schramme, 2011
Foto: Martin Schramme, 2011 Foto: Martin Schramme, 2011 Foto: Martin Schramme, 2011 Foto: Martin Schramme, 2011

Im Dezember 2007 kam das Hotel "Jägerstein" nach einer Bombendrohung in die Schlagzeilen. Ursache für die Drohung war ein Treffen junger Neonazis. Bei der Gelegenheit wiesen Antifaschisten in Thüringen darauf hin, dass Neonazis in dem Hotel aus und ein gehen. So gab es wiederholt große Kameradschaftstreffen, so unter anderem am 8. Juni 2006 das "Fest der Völker". Als Betreiber des Hotels wurde zu jener Zeit Bruno Kraft genannt. Die Treue der Nazis zum Hotel konnte das Haus jedoch nicht retten. 2011 stand es leer und verfiel. Außerdem war das Objekt offenbar nur ein Ärgernis, denn die Stadt Thüringen hatte ein Schild aufgestellt, auf dem sie ausdrücklich darauf hinwies, nicht Eigentümer des leerstehenden Hotels zu sein und aufgrund der gesetzlichen Vorschriften nichts weiter tun zu können. Man wolle sich aber um Lösungen bemühen.

Waldarbeiter-Denkmal für Einsätze von 1946 bis 1949

Foto: Martin Schramme, 2011 Foto: Martin Schramme, 2011 Foto: Martin Schramme, 2011 Foto: Martin Schramme, 2011

Dieses Denkmal wurde 1981 zu Ehren Zehntausender Waldarbeiter, freiwilliger Helfer sowie sowjetischer Soldaten errichtet, die nach dem Winterbruch von 1946 und den Borkenkäferjahren 1947-49 den mittleren Thüringer Wald retteten. 4,7 Millionen Festmeter Schadholz mussten in kürzester Zeit unter schwierigsten Bedingungen aufgearbeitet und 21.000 Hektar Kahlflächen im Anschluss wiederaufgeforstet werden.

Wasserwerk Bahnhof Oberhof von 1936

Foto: Martin Schramme, 2011 Foto: Martin Schramme, 2011

FDGB-Erholungsheim "Fritz Weineck" (2003 abgerissen)

Foto: Schramme, 1980er Jahre, DDR Foto: Schramme, 1980er Jahre

Seit 1974 nahm das FDGB-Erholungsheim "Fritz Weineck" in Oberhof regelmäßig Feriengäste auf. Die Ferienplätze wurden über Kontingente vergeben, die Betrieben der DDR zugeordnet waren. Mehr als 700 Urlauber hatten in dem modernen Gebäude Platz. Ebenfalls seit 1974 trug Oberhof den Titel "staatlich anerkannter Erholungsort". Zugriff hatter der FDGB in Oberhof auch auf zwei exklusive Bauwerke: das Ferienheim "Rennsteig" und das Interhotel "panorama". Mit dem Ringberg-Hotel entstand in Suhl ein mit dem Fritz Weineck fast baugleiches Ferienobjekt. 2003 kamen die Abrissbagger.

ehemaliges Hotel Panorama

Foto: Martin Schramme, 2011 Foto: Martin Schramme, 2011 Foto: Martin Schramme, 2011 Foto: Martin Schramme, 2011

Das einst nobelste Hotel in Oberhof war im Jahr 2011 ein Billigobjekt. Seit der Grenzöffnung 1990 ging es mit dem einst so lukrativen Urlaubsort bergab. Die Alpen waren "neuer" höher und schneesicherer.

VEB Thüringer Lebkuchenfabrik Zella-Mehlis (Lebkuchenfabrik Albert Anschütz)

Foto: Martin Schramme, 2011 Foto: Martin Schramme, 2011 Foto: Martin Schramme, 2011 Foto: Martin Schramme, 2011

1875 gründete Albert Anschütz in Zella-Mehlis eine Lebkuchenfabrik. Die VEB Thüringer Lebkuchenfabrik Zella-Mehlis bestand von 1960 bis 1990. Nach der republikweiten Kombinatsbildung um 1970 gehörte der Betrieb zum VEB Kombinat Nahrungsmittel und Kaffee (Naka) in Halle an der Saale. Zum Herstellungsprogramm gehörten laut Branchenfernsprechbuch von 1987 Dauerbackwaren, Lebkuchen, Kekse, Gebäck und diätische Erzeugnisse.
Seit 1993 Albert Anschütz KG Lebkuchenfabrik Zella-Mehlis nach Rückübertragung, bis dahin Albert Anschütz KG (Lebkuchen-, Dauerbackwaren- und Keksfabrik). Die Kreisrunde Wort-Bildmarke mit einem Bogenschütze und dem Wort "Anschütz" ist am 31. August 2011 erloschen. Angemeldet worden war sie genau 20 Jahre zuvor.

Betriebe in der DDR (1949-1990)
VEB Ausbau Oberhof
Hotel Panorama Oberhof (VE Interhotel Generaldirektion)
VEB Karabinerhakenfabrik Zella-Mehlis (VEB Kombinat Wohnkultur Suhl)
VEB Robotron-Elektronik Zella-Mehlis, Betriebsleitung: Straße der Antifa 63/66 (Datenerfassungssysteme, Mikrorechner, Bildschirmarbeitsplätze, Schreibmaschinen, Elektronische Steuerungen, OEM-Baugruppen, Speichertechnik)
VEB Spannwerkzeuge Zella-Mehlis (VEB Kombinat Wohnkultur Suhl)
VEB Thüringer Lebkuchenfabrik Zella-Mehlis
VEB Werkzeuge Zella-Mehlis (VEB Kombinat Wohnkultur Suhl)

Wirtschaft und Leben in Oberhof / Zella-Mehlis bzw. Mehlis vor 1945
Lebkuchenfabrik Albert Anschütz, Zella-Mehlis
Mercedes Büromaschinen, Zella-Mehlis

Einträge im Brockhaus-Lexikon von 1894: Oberhof, Dorf im Landratsamt Ohrdruf des Herzogtums Sachsen-Gotha, in 800 Meter Höhe, auf dem Thüringer Walde, an der Linie Neudietendorf-Ritschenhausen der Preußischen Staatsbahnen, hat (1890) 305 Einwohner, Post, Telegraph, herzogliches Jagdschloß. Oberhof wird als Sommerfrische viel besucht. Mehlis, Stadt im Landratsamt Ohrdruf des Herzogtums Sachsen-Gotha, an der Nebenlinie Wernshausen-Zella St. Blasii der Preußischen Staatsbahnen. Eine herzogliche Beschußanstalt für Handfeuerwaffen. Fabrikation von Thür- und Fahrradglocken, Herstellung von Handfeuerwaffen, Stahl-, Eisen-, Kurzwaren und Gewehren (Hausindustrie) und Dampfsägewerke. Seit 1894 Stadt.

Begriffslegende
FDGB = Freier Deutscher Gewerkschaftsbund (zentrale Gewerkschaft der DDR)