Nordhausen

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Bilder ohne Nachfrage!
letzte Änderung: 02.06.2017

Kaffeerösterei Drei Streif

Kaffeehersteller Drei Streif | Foto: Martin Schramme, 2012 Kaffeehersteller Drei Streif | Foto: Martin Schramme, 2012 Kaffeehersteller Drei Streif | Foto: Martin Schramme, 2012 Kaffeehersteller Drei Streif | Foto: Martin Schramme, 2012

Einst hatte Nordhausen etliche Kaffeehersteller: die Müller & Vieth Kaffee-Großrösterei, die Kaffeerösterei Roland, Krause & Co. (Echter Dr. Lutzescher Gesundheits-Kaffee), Lehmann jr. Kaffeegroßrösterei, Drei Streif Kaffeerösterei, Peter Opitz & Co. Kaffee-Gross-Rösterei, Nordhäuser Gesundheitskaffee-Fabrik Arthur Sommer & Co. AG und Hermann Brunner Kaffeegroßrösterei. Zu DDR-Zeiten gab es sieben Kaffeehersteller, in Nordhausen noch einen. Der Nordhäuser Betrieb hieß VEB Drei Streif Nordhausen und war nach der Verstaatlichung aus der Firma Krause hervorgegangen. Der Kaufmann Johann Heinrich Christian Krause hatte 1835 in Nordhausen eine Zichorienfabrik gegründet und war mit dieser Mitte des 19. Jahrhunderts in eine ehemalige Mühle an der Salza umgezogen. Aus den Wurzeln der Zichorie kann ein Ersatzkaffee, auch Muckefuck oder Malzkaffee genannt, hergestellt werden. Das Ende der DDR überstanden nur zwei unternehmen: Röstfein und Drei Streif. Die Drei Streif Kaffeerösterei GmbH stellte ihren Betrieb im Jahr 2000 ein, womit die Geschichte der Kaffeeproduktion in Nordhausen vorerst beendet war. Vorangegangen war ein Rechtsstreit mit Kaffeehersteller Röstfein in Magdeburg. Anfang 1999 hatten die Magdeburger gegen den Gebrauch des alten DDR-Kaffeemarkennamens "Mona" geklagt. Mona war der teuerste Kaffee in der DDR, aber auch von bester Qualität. Produziert wurde er damals in Magdeburg, Nordhausen und Radebeul. Röstfein hatte den Name bei der Venag in Halle gekauft, Drei Streiff bei einem Geschäftsmann aus NRW. Im Jahr 2010 wagte sich das Museum Tabakspeicher Nordhausen (Bäckerstraße 20) wieder an die Rösterei. Bereits vier Jahre zuvor, also im Jahre 2006, hat die Lecobo Kaffeerösterei in Erfurt damit begonnen, einen "Nordhausen Kaffee" herzustellen. Die Immobilie wurde im Herbst 2008 durch die Stadt Nordhausen während einer Zwangsversteigerung erworben. Unmittelbar darauf hieß es, die Stadt wolle sich um die Entwicklung eines Gewerbegebietes kümmern. Bis zum Jahr 2014 hielt der Verfall des Objekts, das von der Salza unterflossen wird, weiter an. Dann schrieb die Thüringer Allgemeine, dass die Stadt Nordhausen mit IFA-Gewerbepark erweitern und die alte Rösterei mit Fördermitteln abreißen will. Die Planungen erstreckten sich bis in das Jahr 2016. Die Gesamtkosten des Vorhabens wurden auf drei Millionen Euro beziffert.

Wasserturm am Bahnhof

Wasserturm am Bahnhof in Nordhausen, Foto: Martin Schramme, 2012
Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012 Brief per Bahn von Halle Saale nach Nordhausen, Wolff-Bureau Halle 1872 an die Redaktion der Nordhäuser Zeitung, Foto: public domain

1866 begann in Nordhausen das Eisenbahnzeitalter. Am 10. Juli stand die Verbindung nach Halle an der Saale. 1872 schicke Wolff-Bureau (Büro) in Halle einen Bahnhofs-Brief an die seit 1848 erscheinende Nordhäuser Zeitung (siehe Foto). Gut möglich, dass der Anlass für den Brief ein Jubiläum war, denn 1872 gab es eine Sondernummer und die Umstellung des Blattes auf ein größeres Format. Die Druckerei Müller, wo die Zeitung gedruckt wurde, feierte in dem Jahr 50 Jahre.

Bahnbetriebswerk (Bw) Nordhausen

Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012

Seit 1866 hat Nordhausen einen Bahnhof. Das Bw Nordhausen gehörte zur Reichsbahn-Direktion Erfurt. 2016 stand das leerstehende Bahnbetriebswerk in Nordhausen mit einer Fläche von rund 11.500 Quadratmeter zum Verkauf.

Film zum verlassenen Ort

Güterabfertigung Nordhausen-Wernigeroder Eisenbahn

Foto: Martin Schramme, 2012

Im Jahr 2012 war der Schriftzug "Eisenbahn" schon fast verblichen, dafür war "Güterabfertigung Nordhausen-Wernigeroder" noch gut zu lesen. Die Aufschrift an einem Gebäude auf dem Bahngelände in Nordhausen erinnert an die Zeit der 1896 gegründeten Nordhausen-Wernigeroder Eisenbahn-Gesellschaft (NWE). 1925 wurde durch die Ausgabe von Aktien Kapital eingesammelt, um den Bahnbetrieb weiter auszubauen. Ab 1926 hatte die NWE auch eigene Buslinien, die so genannten Harzer Roller. 1948, ein Jahr vor der Gründung der DDR, wurde die private Bahngesellschaft verstaatlicht.

altes Gaswerk (erbaut 1857)

altes Gaswerk in Nordhausen, Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012
Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012

1857 entstand das Gaswerk Nordhausen. Parallel zum Bau des Energieversorgers legte die Deutsche Continental-Gesellschaft Dessau die ersten Gasrohre in der Stadt. Produziert wurde Gas anfangs für die Stadtbeleuchtung und begüterte Bürger. 1910 produzierte das Gaswerk 2,6 Millionen Kubikmeter Gas, 1945 sieben Millionen. 1970 bekam Nordhausen eine Gasfernleitung. Ende April 1971 ging das Gaswerk Nordhausen endgültig vom Netz. Im Februar und März des Jahres 1972 gingen Arbeiter daran, ersten den Ofenblock und dann den Schornstein zu sprengen. Das alte Gaswerk in Nordhausen steht in Teilen unter Denkmalschutz. Auf dem 10.000 Quadratmeter großen Gelände passiert seit Jahren nichts. Geplant war bereits, Wohnungen einzurichten und Gewerbe anzusiedeln. An den Kosten war das bis 2013 immer wieder gescheitert. Dass eines Tages die Abrissbagger kommen, ist angesichts des fortgeschrittenen Verfalls nicht ausgeschlossen. 1997 hatte die Stadt Nordhausen das Grundstück von der Thüringer Energie AG (TEAG) gekauft. 1999 überwachte ein Ingenieurbüro aus Sachsen unter anderem das Grundwasser zur Bodensanierung.

Hydrant

Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012

Ein Hydrant vom MAW Magdeburg (Magdeburger Armaturen Werke). Das MAW (VEB Magdeburger Armaturenwerke "Karl Marx") entstand in den 1950er Jahren durch die Zusammenlegung des VEB Messgeräte-und Armaturenwerk "Karl Marx" mit dem VEB Schwerarmaturenwerk "Erich Weinert". Der älteste Vorläufer war 1873 als Metalllgießerei und Armaturenfabrik Jürgens & Co. gegründet worden. Eugen Polte kaufte das Unternehmen 1885. Unter seinem Name (Polte-Werke) wurde das Unternehmen aus Magdeburg bekannt und wurde nicht nur zum einem der bedeutendsten Armaturenhersteller, sondern auch zur Munitionsfabrik, die die deutschen Truppen im Ersten und Zweiten Weltkrieg ausrüstete. Während der NS-Zeit kamen bei Polte auch zahlreiche KZ-Häftlinge zum Einsatz. Entsprechende Lager wurden dazu in unmittelbarer Nähe der Produktionsstandorte errichtet.

Hermann Sommer Branntwein- und Likörfabrik

Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012

In den 1920er Jahren gab es in Nordhausen um die 60 Likörfabriken. 2016 war es nur noch eine.

Varta-Dienst

Foto: Martin Schramme, 2012

An einer Klinkermauer in der Altstadt von Nordhausen erinnerte 2012 eine alte Aufschrift an vergangene Zeiten: Batterie-Hilfe | Varta-Dienst | Elektromotorenwerkstatt | Otto Bormann.

Eisenbahnbrücke 1916

Foto: Martin Schramme, 2012

Bergarbeitersiedlung

Foto: Martin Schramme, 2012

Betriebe in der DDR (1949-1990)
VEB Apparatebau Nordhausen (VEB Kombinat Fortschritt Landmaschinen)
VEB Aufzugsbau Nordhausen (VEB Kombinat Maschinenbau Arnstadt)
VEB Autodienst Nordhausen
VEB Baustoffwerk Nordhausen
VEB Biochemie Nordhausen
VEB Chemotex Nordhausen (VEB Kombinat Hauswirtschaftliche Dienstleistungen Erfurt)
VEB Delikat Nordhausen
VEB Dienstkonfektion Nordhausen
VEB Dienstleistungsbetrieb Nordhausen
VEB Drei Streif Kaffee-Rösterei Nordhausen (VEB Kombinat Nahrungsmittel und Kaffee)
VEB Elektrobau Nordhausen (VEB Kombinat Elektrogeräte Apolda)
VEB Elektrotechnik Nordhausen
VEB Fernmeldewerk Nordhausen (VEB Kombinat Nachrichtenelektronik)
VEB Fleischkombinat Nordhausen
VEB Fruchtsaftgetränke Nordhausen (VEB Kombinat OGS Erfurt)
VEB Fruchtsirup Nordhausen
VEB Gabelstaplerinstandsetzung Nordhausen (VEB Kombinat Maschinenbau Arnstadt)
VEB Gloria Gipsbinden Nordhausen
VEB Gummiverarbeitung Nordhausen (VEB Kombinat chemisch-technische Erzeugnisse Gotha)
VEB Harzer Kindermode Nordhausen
VEB Harzer Likörfabrik
VEB Harzer Stielwerke Nordhausen (VEB Kombinat Schnittholz und Holzverarbeitung Erfurt)
VEB Hochbau Nordhausen (VEB Wohnungsbaukombinat Erfurt)
VEB Holzbearbeitung Holzbau Nordhausen
VEB Holzbearbeitungsmaschinen Nordhausen
VEB Hydrogeologische Erkundungen Nordhausen (VEB Kombinat Geologische Erforschung und Erkundung Halle)
VEB IFA-Motorenwerke Nordhausen, bis 1964 VEB Schlepperwerk Nordhausen (IFA-Kombinat Nutzkraftwagen)
VEB Inlettweberei Nordhausen
VEB Isoliertechnik Nordhausen (VEB BMK Erfurt)
VEB Kartonagen Nordhausen
VEB Kfz-Instandsetzung Nordhausen (VEB Verkehrskombinat Erfurt)
VEB Kieswerk Nordhausen
VEB Nordbrand Nordhausen
VEB Schachtbau Nordhausen (VEB Mansfeld-Kombinat "Wilhelm Pieck")
VEB Schwermaschinenbau NOBAS Nordhausen (VEB Kombinat Baukema)

Wirtschaft in Nordhausen vor 1945
Montania AG (vormals Gerlach & König)
Adressbuch von 1934:
Müller A., Feinplätterei und Wäscherei, Weberstr. 40
Müller Albert, Kaufmann, Obst- u. Südfrucht- Spezialgeschäft, Jüdenstr. 10
Müller Aloys, Schneidermeister, Herren- Maßschneiderei, Stolbergerstr. 11
Müller Friedrich, Elektro- u. Radio- Großhandlung, Bahnhofstr. 7
Müller G., Bautischlerei u. Glaserei mit Kraftbetrieb, Pfaffengasse 5
Müller Gustav, Schmuckwaren u. Uhren-Großhandlung, Rumbach 19a
Müller Hermann, Agenturen u. Kolonialwaren- Großhandlung, Mittelstr. 6
Müller Karl, Bierverlag u. Mineralwasserfabrik, Halleschestr. 23
Müller Margarete, Spezialhaus für Damenwäsche, Modewaren, Strümpfe, Töpfestr. 25 Müller Theodor, Buch- Stein- und Offsetdruck, Buchverlag, Königshof 22/24
http://forum.ahnenforschung.net/showthread.php?t=43842&page=29

Eintrag im Brockhaus-Lexikon von 1894: An der zur Helme gehenden Zorge und den Linien Ettbergen-Nordhausen, Halle-Nordhausen-Kassel und Nordhausen-Erfurt der Preußischen Staatsbahnen. Ist Sitz eines Eisenbahnbetriebsamtes, einer Handelskammer und einer Reichsbankstelle. Postamt erster Klasse und Zweigstelle, Telegraphenamt. Bedeutende Industrie: besonders berühmte (etwa 79) Brennereien (Nordhäuser Korn), Fabrikation von Sprit, Kautabak, Cigarren, Kaffeesurrogaten (Cichorien und Lutzescher Gesundheitskaffee), von Leder, Chemikalien, Zucker, Tapeten und Weberwaren (Kattun); Eisengießereien und Maschinenfabriken, Brauereien, Mälzereien, Kunst- und Handelsgärtnereien, Getreidehandel und Ausfuhr von Fleischwaren.