Netzschkau (Vogtland)

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Fotos ohne Nachfrage!
letzte Änderung am 19.12.2015

NEMA - Netzschkauer Maschinenfabrik

Netzschkauer Maschinenfabrik, Foto: Martin Schramme | 2015 Foto: Martin Schramme | 2015 Foto: Martin Schramme | 2015
Foto: Martin Schramme | 2015 Foto: Martin Schramme | 2015 Foto: Martin Schramme | 2015

1889 startete der Maschinenbaubetrieb in Netzschkau als Maschinenbauwerkstatt "Hoffmann & Stark". 1899 stieg Mitgründer Ferdinand Hofmann aus. Franz Stark setzte den Betrieb fort und änderten den Namen der Unternehmung in "Netzschkauer Maschinenfabrik Franz Stark & Söhne". Gefertigt wurden unter anderem Maschinen für die im Vogtland damals weit verbreitete Textilindustrie und später für die Landwirtschaft. 1913 gehörte auch Lüftungs- und Heizungstechnik zur Produktionspalette. Nach dem Ersten Weltkrieg versuchte sich die Nema zeitweise im Automobilbau. Von 1923 bis 1925 lief die Fertigung des dreirädrigen Kleinwagens "Nemalette" mit 173 Kubikzentimeter-Zweitaktmotor. Während des Zweiten Weltkrieges erfolgte die komplette Umstellung auf Rüstungsgüter. Die Zahl der Beschäftigten stieg von 1000 (1936) auf 2000 (1944). Nach der Enteignung 1945 wurde die Nema erst SAG-Betrieb und produzierte unter anderem Holzgasgeneratoren für sowjetischer Lkw und Heizkessel für sowjetische Langstreckenwaggons. 1952 ging der Betrieb in die Regie der DDR über und hieß fortan VEB Maschinenfabrik Nema Netzschkau. 1660 Menschen waren zu der Zeit dort angestellt. Im Laufe der Jahre konzentrierte sich der Betrieb immer stärker auf Heizungs-, Lüftungs- und Kältetechnik (HLK). Die Produktpalette reichte vom Rauchgasventilator und Milchzerstäubungstrockner bis zu Materialprüfschränken und Gefrierschränken für die Insulin-Produktion. Folgerichtig erfolgte die Zuordnung 1963 zum Betriebsverbund VVB Luft- und Kältetechnik Dresden. Ab 1966 war auch das gemeinsame ILKA-Warenzeichen auf allen Produkten zu finden. 1989 erwies sich als Schicksalsjahr der Nema, denn im Jahr der Hundertjahrfeier (1889-1989) kollabierte der Arbeiter- und Bauernstaat DDR, für die 1522 Beschäftigten der Anfang vom Ende. Zu dem Zeitpunkt gehörten zum VEB Nema auch das Lehrkombinat "Ernst Schneller" samt Wohnheim, eine Betriebsberufsschule, ein Polytechnikum für 500 Schüler, Kulturhaus, Speisehaus, Betriebsambu, -kindergarten und -ferienheim sowie Sportanlagen samt Sportheim. 1990 erfolgte die Reprivatisierung als GmbH. Danach zerfällt der Betrieb in den Händen der Treuhandgesellschaft in immer mehr Teile, die an die unterschiedlichsten Unternehmen in Deutschland gehen. Zuletzt versprachen die Betreiber der Saale Wärmetauscher GmbH, dem Vogtland treu zu bleiben. 2010 stoppte auch beim Wärmetauscher die Produktion. Der Eigentümer, inzwischen die GEA (ehemals Metallgesellschaft), verlagerte die Produktion nach Polen, Spanien und Frankreich, hieß es.

Poliklinik und Badeanstalt, Sozialversicherung

Foto: Martin Schramme | 2015 Foto: Martin Schramme | 2015 Foto: Martin Schramme | 2015 Foto: Martin Schramme | 2015

Die Aufschriften an der Fassade dieses Gebäudes in Netzschkau verraten ein Teil der Geschichte des Hauses. Über der Haustür steht im Bogen "Poliklinik Reichenbach - Badeanstalt Netzschkau". Weiter oben zwischen den Fenstern ist zu lesen: "Sozialversicherung Anstalt des öffentlichen Rechts Kreisgeschäftsstelle Plauen Nebenstelle Netzschkau". Badeanstalt Netzschkau, Sozialversicherung und Poliklinik waren einst in dem Gebäude. Nach dem Ende der DDR 1990 war es zeitweise ein Ärztehaus. Ein Zeitzeuge berichtete 2015, dass sich auch nach dem Ende der DDR noch 25 Badewannen in dem Haus befanden. Dabei hatte die deutlich verbesserte Ausstattung der Bevökerung mit Badewannen und Duschen das Bad aus der Kaiserzeit überflüssig gemacht.

Göltzschtalbrücke längste Eisenbahn-Ziegelsteinbrücke der Welt (erbaut 1846-1851)

Foto: Martin Schramme | 2015 Foto: Martin Schramme | 2015 Foto: Martin Schramme | 2015 Foto: Martin Schramme | 2015 Foto: Martin Schramme | 2015 Foto: Martin Schramme | 2015

Die Göltzschtalbrücke in Netzschkau gilt als längste Eisenbahn-Ziegelsteinbrücke der Welt. Sie ist 574 Meter lang, bis zu 78 Meter hoch und kostete 6,6 Millionen Goldmark. Bis zu 1736 Bauarbeiter errichteten 135.676 Kubikmeter Mauerwerk und verbauten unter anderem mehr als 26 Millionen Ziegel, mehr als 30 Arbeiter verloren dabei ihr Leben. Das gigantische Bauwerk war Teil der Eisenbahnstrecke Leipzig-Nürnberg, die in den Jahren 1846 bis 1851 entstand. Der Oberbauleiter an der Brückenbaustelle hieß Robert Wilke (1804-1889). Das Bauwerk kam aus der Feder von Andreas Schubert (1808-1870), der zu dem Zeitpunkt bereits Dampfschiffe für die Oberelbe und die erste deutsche Lokomotive (SAXONIA) konstruiert hatte. Die Bauleitung oblag Ferdinand Dost (1801-1888), der später von 1863 bis 1865 für Konstruktion und Bau der Wasserversorgung in Leipzig verantwortlich zeichnete. Auf einer 1958 angebrachten Gedanktafel am Fuße des gigantischen Bauwerkes befindet sich folgender Spruch: "Dem genialen Konstrukteur, Forscher und Wissenschaftler Prof. Johann Andreas Schubert geb. 19.3.1808 gest. 6.10.1870 in nachträglicher Würdigung seiner Verdienste um den Bau dieser Brücke zu seinem 150. Geburtstag Rbd Dresden".

Ketzels Mühle

Foto: Martin Schramme | 2015 Foto: Martin Schramme | 2015 Foto: Martin Schramme | 2015

Mindestens seit dem 15. Jahrhundert befand sich eine Mühle in der Gegend der heutigen Rudimente. Ihren Namen bekam die Mühle, nachdem Müller Johann Christoph Ketzel sie am 21. Mai 1840 übernommen hatte. Was heute von Ketzels Mühle erhalten ist, entstand mit dem Neubau nach dem Brand von 1883. Nach einem erneuten Brand 1903 musste die Mühle 1904 nochmals neu ausgerüstet werden. Das Kürzel F.A. steht für Friedrich August, der die Mühle 1846 nach dem Tod seines Vaters übernahm. 1956 wurde der Betrieb teilverstaatlicht, 1972 dann komplett enteignet. Am 20. März 1991 lief der letzte Mahlgang des Betriebsteiles Netzschkau der Vogtlandmühlen Straßberg. 1993 ging die Immobilie zurück an die Familie Ketzel, die das Objekt bis 1996 für Touristen herrichtete.

VEB Vogtlandstoffe Reichenbach, Netzschkau-Dungersgrün, Textilfabrik (erbaut um 1910)

Textilfabrik in Netzschkau in Sachsen, Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme | 2015 Foto: Martin Schramme | 2015 Foto: Martin Schramme | 2015

Im Netzschkauer Ortsteil Dungersgrün unweit des Stoppbachs stand noch im März 2015 der eindrucksvolle Klinkerbau einer denkmalgeschützten Textilfabrik. Schon Ende 2011 war von Abriss die Rede, Anfang 2015 warnte ein offenbar sehr aktuelles Schild vor Abrissarbeiten. Ein Münchner hatte das Objekt samt 18.000 Quadratmeter Grundstück zum Verkauf angeboten.

Quellen
Historische Kälte- und Klimatechnik e.V.

Betriebe in der DDR (1949-1990)
VEB Ausnäherei Netzschkau
VEB Damenmoden Netzschkau
VEB Damenoberbekleidung Netzschkau (VEB Kombinat Oberbekleidung Lößnitz)
VEB Dederonweberei Netzschkau (Dederon = DDR-Markenname für Polyamidfasern, setzt sich in Anlehnung an Perlon aus "DeDeR" und "on" zusammen, DDR-Erklärfilm zu Dederon)
VEB Delicata Fleischwaren Netzschkau
VEB Effektgarnzwirnerei Netzschkau
VEB Eisengießerei Netzschkau
VEB Futterstoffweberei Netzschkau
VEB Jutespinnerei und Weberei Netzschkau (bis 1953)
VEB Kammgarnspinnerei Netzschkau
VEB Maßfabrik Netzschkau (VEB Kombinat Polytechnik und Präzisionsgeräte Karl-Marx-Stadt)
VEB Mühle Netzschkau
VEB Netzschkauer Maschinenfabrik (kurz: Nema, im VEB Kombinat ILKA Luft- und Kältetechnik Dresden)
VEB Roßhaarweberei Netzschkau
VEB Seidenweberei Netzschkau
VEB Vogtlandguß Netzschkau (VEB Kombinat Fortschritt Landmaschinen)
VEB Vogtlandschuhe Netzschkau
VEB Vogtlandstoffe Netzschkau

Wirtschaft und Leben in Netzschkau vor 1945
Eintrag im Brockhaus-Lexikon von 1894: An der Göltzsch, an der Linie Leipzig-Hof der Sächsischen Staatsbahnen. Nach dem Brande von 1887 neu aufgebaut. Post zweiter Klasse, Telegraph. Eisengießerei, Maschinen-, Pappen- und Papierfabriken, Färberei, Spinnerei und bedeutende Textilindustrie.