Muldenstein

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Fotos ohne Nachfrage!
letzte Änderung am 05.05.2015

Papierfabrik, später Rohrwerke Muldenstein (Baubeginn 1905, teilweiser Abriss 2010)

Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Muenze: 20 Jahre Spiralrohrwerk 50 Jahre Roter Oktober Muldenstein

Ab 1905 ließ die Familie Brettschneider die Papierfabrik Muldenstein aus dem Boden stampfen. 1907 konnte die Produktion anlaufen. Bis 1928 wurde die Fabrik schrittweise ausgebaut. Bis zu 500 Arbeiter kamen zum Einsatz. Stellte man anfangs Zeitungs- und Tapetenrohrpapier her, war es später Druck- und Schreibpapier. 1938 wurde aus der GmbH eine Aktiengesellschaft. 1939 ging das gesamte Aktienpaket an die Margarine Verkaufsunion GmbH, eine Tochter des holländischen Verbrauchsgüterkonzerns Unilever. 1943 wurde die Papierproduktion als nicht kriegswichtig eingestellt. Die Werkhallen wurden als Montagehallen für die Junkers Motorenwerke Dessau umgebaut. In den Muldewerken der reichsdeutschen Rüstungsindustrie bauten Fachleute und mehr als 3000 Zwangsarbeiter Strahltriebwerke für die revolutionäre Ju 287. 1947 wurde Muldenstein dem Rohrleitungsbau Bitterfeld angegliedert. Ab 1951 hieß der Verbund VEB EKM Rohrleitungsbau Bitterfeld. 1960 lief in Muldenstein die Produktion von Rohren für Ölleitungen an. Anlass war das von der SED beschlossene Chemieprogramm und ein Großauftrag, der 1959 nach Bitterfeld gegangen war, über 900 Kilometer Rohre für die Erdöleitung "Дружба" (Freundschaft) von der Sowjetunion in die DDR. 1962 teilte sich das EKM in zwei Betriebe. Muldenstein gehörte fortan zum VEB Rohrwerke Bitterfeld (ROB). Da der Westen die Aufbauleistungen der sozialistischen Staaten blockierte und ein Embargo verhängte, begann man in Muldenstein, ein modernes Spiralrohrwerk zu errichten. Im November 1967 war Produktionsstart im Spiralrohrwerk "50 Jahre Roter Oktober" Muldenstein. Am Aufbau des Werkes beteiligt waren unter anderem der VEB Starkstromanlagenbau Halle und das Ernst-Thälmann-Werk Magdeburg. Im Zuge der Wende und es Endes der DDR 1989/1990 geriet das Werk in die Hand der Treuhandgesellschaft, die eingerichtete wurde, um alle großen Betriebe der DDR zu privatisieren. Als Rohrwerke Muldenstein GmbH bestand der Betrieb noch von 1991 bis 2000 als Tochter von Klöckner. Seit dem teilweisen Abriss der Rohrwerke 2010 befindet sich auf dem freigewordenen Gelände ein Solarkraftwerk.

Ziegelei Muldensteiner Werke

Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014

Seit 1864 hatte Muldenstein eine große Dampfziegelei. Im Zuge der Industrialisierung in Deutschland wurden für den Bau neuer Fabriken und Werksiedlungen Unmengen Ziegel gebraucht. Die Muldensteiner Werke Arno Meisel, 1873 kam eine zweite Ziegelei hinzu, wurden bald deutschlandweit bekannt für ihre Säureklinker. Zu den Großabnehmer zählte die expandierende Chemieindustrie im Revier Bitterfeld-Greppin.

Bahnkraftwerk Muldenstein (Betriebsstart 1912, Abriss von 2007 bis 2011)

Foto: Martin Schramme Maschinenfabrik Hartmann AG: 1976 ging die
Maschinenfabrik Hartmann (gegründet 1885) in Liquidation.
Foto: Martin Schramme Maschinenfabrik Hartmann AG: 1976 ging die Maschinenfabrik Hartmann
(gegründet 1885) in Liquidation.
Foto: Privatarchiv Quelle: Siemens Corporate
Foto: Privatarchiv

Die Schornsteine des Bahnkraftwerks Muldenstein wurden am Vormittag des 10. April 2011 gesprengt. Damit waren die Reste des Objekts beseitigt. Rückblick: Ausgangspunkt für den Bau des Bahnkraftwerks war der Beschluss der Königlich-Preußische-Staatseisenbahn, eine Hauptstrecke auf elektrischen Betrieb umzustellen. Für den Probebetrieb wurde die Strecke Dessau-Bitterfeld ausgesucht. Das Kraftwerk wurde allerdings an der Strecke Halle-Bitterfeld platziert, weil sich in der Nähe der Braunkohletagebaue und der Mulde befanden. Am 18. Januar 1910 war erster Spatenstich, auf den Tag genau ein Jahr später für die erste elektrische Eisenbahn. Am 1. April 1911 wurde die elektrifizierte Bahnstrecke für den öffentlichen Verkehr freigegeben. Schließlich wurde beschlossen, auch die Strecken Magdeburg-Dessau, Bitterfeld-Leipzig und Leipzig-Halle/Saale zu elektrifizieren, was den Ausbau des Bahnkraftwerks in Muldenstein nach sich zog. Kriegsbedingt (Erster Weltkrieg 1914-1918) zog sich das Vorhaben bis 1923 hin. In den 1930er und 1940er Jahren wurde des Kraftwerk weiter ausgebaut, unter anderem um die Bahnstrecke Berlin-München zu versorgen. Am 1. April 1946 begann die Demontage des Kraftwerkes Muldenstein. Die Sowjetunion nahm die Anlage als Reparationsleistung für die Folgen des Zweiten Weltkrieges mit. 1952 kaufte die DDR die Anlage in wesentlichen Teilen zurück, nachdem die Russen dafür offenbar keine Verwendung gehabt hatten. Am 27. Juli 1955 wurde das Kraftwerk wieder in Betrieb genommen. Zuerst wurde die Strecke Halle-Köthen mit Strom versorgt. Nach der teilweisen Rekonstruktion der Anlagen von 1987 bis 1990 wurde der Betrieb im Herbst 1994 endgültig eingestellt. 2006 verkaufte die Bahn das Gelände. 2007 wurde mit dem Abriss begonnen.

Betriebe in der DDR
VEB Rohrwerke Bitterfeld (ROB), Rohrwerke Muldenstein