Merseburg (Saalekreis)

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Bilder ohne Nachfrage!
letzte Änderung am 23.09.2016

Merseburg ist eine der ätesten Städte Deutschlands.

Militärflugplatz und Kaserne Merseburg

Foto: Martin Schramme | 2012
Foto: Martin Schramme | 2012 Foto: Martin Schramme | 2012 Foto: Martin Schramme | 2012 Foto: Martin Schramme | 2012
Foto: Martin Schramme | 2012 Foto: Martin Schramme | 2012 Foto: Martin Schramme | 2012 Foto: Martin Schramme | 2012

Eine ganze Wand mit einer Bilderfolge des heroischen Kampfes der Roten Armee war noch im Sommer 2012 in einem erstaunlich guten Zustand, wenn auch weitgehend zugewuchert. Reiter, Panzer, Flugzeuge und Kriegsschiffe sowie der Kampf gegen die Feinde der Sowjetunion wurde in der Zeit der russischen Garnision angebracht. Im Jahr 2012, mehr als 20 Jahre nach dem Ende der Kommandohoheit der UdSSR über den Osten Deutschlands, hat ein Eigenheimbesitzer gegenüber eine Antwort gegeben. An seiner Hauswand prangt ein großes Bild eines Fieseler "Storch" (Fi 156), das Standardkurierflugzeug der faschistischen Deutschen Luftwaffe. Mit seinen außergewöhnlichen Start- und Landeeigenschaften verhalf er 1943 auch der Befreiung des italienischen Diktators Benito Mussolini aus Gran Sasso (Italien) zum Erfolg.

Wandbild am Bahnhofsplatz

Foto: Martin Schramme | 2012

An einer Wand des Hochhauses am Bahnhofsplatz in Merseburg befindet sich ein wunderbares Mosaik aus DDR-Zeiten. Seit 1962 hieß der Platz noch Gagarin-Platz nach dem sowjetischen Kosmonauten und ersten Mensch im Weltall, Juri Gagarin. Ein Kosmonaut ist auch das Hauptmotiv des Wandbildes. Das Wandbild stammt offenbar aus den 1980er Jahren, da auf Postkarten der 1970er Jahre auf der gleichen Wandfläche eine Werbung der DDR-Handelsorganisation HO zu erkennen ist.

HO Schul- und Bürobedarf

Foto: Martin Schramme | 2015 Foto: Martin Schramme | 2015 Foto: Martin Schramme | 2015 Foto: Martin Schramme | 2015

Unglaublich: Im Juli 2015, also fast 25 Jahre nach dem Ende der DDR, war eine Aufschrift aus jener Zeit noch im Stadtzentrum von Merseburg zu sehen: "HO Schnittmuster, Schul- und Bürobedarf, Büro-Maschinen".

Kunst am Bau aus DDR-Zeiten

Foto: Martin Schramme | 2015 Foto: Martin Schramme | 2015 Foto: Martin Schramme | 2015 Foto: Martin Schramme | 2015

Mode- und Ausstattungshaus Otto Dobkowitz am Entenplan

Foto: Martin Schramme | 2015 Foto: Martin Schramme | 2015 Foto: Martin Schramme | 2015 Foto: Martin Schramme | 2015

Seit 1889 bestand das Warenhaus Otto Dobkowitz am Entenplan. Was dort unter anderem zu kaufen war, konnten Besucher der Saalestadt noch im Sommer 2015 sehen. Das Haus war saniert, äußerlich weitgehend erhalten und trug noch die in Stein gemeißte Produktwerbung: Gardinen, Wäsche, Putz, Konfektion, Modewaren, Teppich, Tapisserie, Linoleum. Seit dem 40. Jahrestag 1929 erinnert eine Gedenktafel an den Firmengründer, zum 50. Jahrestag 1939 erschien eine Festschrift (die im Jahr 2003 für 299 Euro beim Internet-Auktionshaus eBay zu haben war).

Güterbahnhof | Bw Merseburg

Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme

Auf dem Güterwagen steht: Werksüberführung Bw Halle Heimatbf. Halle (Saale) Pbf (Bw = Bahnbetriebswerk | Pbf = Personenbahnhof).

Wasserturm am Personenbahnhof

Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme

Der Wasserturm am Personenbahnhof Merseburg wurde 1905/1906 gebaut. Er sollte nicht zuletzt das für die Dampflokomotiven benötigte Kesselwasser reinigen, dessen natürliches Vorkommen in Merseburg einige Schwierigkeiten bereitete. Der 50 Kubikmeter fassende Kugelbehälter kam von der Dortmunder Maschinenfabrik August Klönne (Brücken- und Stahlbau), die Wasserreinigungsanlage wurde von der Halleschen Maschinenfabrik und Eisengießerei AG aus Halle Saale geliefert. Im Frühjahr 2016 bot die Bahntochter DB Immobilien das sanierungsbedürftige Bauwerk zum Kauf an.

VEB Aluminiumfolie Merseburg (heute AFM Aluminiumfolie Merseburg GmbH)

Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme

1953 wurde in Merseburg angefangen, Aluminiumfolie zu walzen und weiter zu veredeln. Zu der Zeit war die Aluminiumverarbeitung in der Domstadt allerdings schon lange kein Neuland mehr. Der VEB Aluminiumfolie Merseburg (AFM) war seit der Bildung der Kombinate seit Ende der 1960er Jahre in DDR einer der 19 Betriebe des Mansfeld Kombinats "Wilhelm Pieck". Zum 1. Juni 1990 wurde AFM privatisiert. Heute agiert AFM als Gmbh mit Vertretungen in England und Frankreich.
Das Folienwalzverfahren geht auf ein Patent des Schweizers Robert Victor Neher (1886-1918) und die Vorarbeit seines Landsmannes Heinrich Alfred Gautschi (1871-1955) zurück. Bereits in den 1930er Jahren kam in Europa die bis heute übliche aufgerollte Haushaltsfolie auf.

Luftschutzbunker des IG Farben-Werkes

Foto: Martin Schramme, 2014
Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014

Der Luftschutzbunker des IG Farben-Werkes am Rande von Merseburg ist ein Bunker der Bauart Salzgitter aus NS-Zeiten (1933-1945). Dabei handelt es sich um oberirdisch errichtete Stahlbetonröhren.

Unbekanntes Objekt

Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014

bemerkenswertes Objekt

Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014

Dieses bemerkenswerte Haus stehet in der Christianenstraße direkt am Flüsschen Geisel. Bemerkenswert sind unter anderem die blauen Fliesen im Hauseingang.

Friederich Peege

Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme. 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014

Friedrich Peege war Unternehmer und wohnte laut Adressbuch von 1910 im Haus Weiße Mauer 10.

ehemaliges Gesundheitsamt (Sterilisierungen in Merseburg, Stolperstein seit September 2014)

Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014

"Auch in Merseburg - Verbrechen an kranken und behinderten Menschen, zwangssterilisiert, missbraucht, verhungert, ermordet, 1940-1945" steht auf einem so genannten Stolperstein vor einem Gebäude an der Christianenstraße. Dr. Ute Hoffmann von der Gedenkstätte für Opfer der NS-Euthanasie Bernburg erklärt dazu, dass der Mord an 15 Frauen, Männern und Kindern aus Merseburg und Umgebung in den Jahren 1940 und 1941 nachgewiesen werden konnte, die Gesamtopferzahl aber unbekannt ist. Unter anderem über die "Heil-und Pflegeanstalt" in Uchtspringe bei Stendal gelangten sie nach Brandenburg an der Havel, wo sie vergast wurden. Die Nationalsozialisten setzten damit praktisch um, was schon in den Jahren der Weimarer Republik diskutiert worden war: Die wachsende Zahl anstaltsbedürftiger Menschen und die sich deraus ergebenden Kosten zu verringern. Im gesamten Deutschen Reich wurden, so Hoffmann, 350.000 Menschen zwangsweise sterilisiert. Andere Quellen sprechen von bis zu 400.000 Menschen. "Das Verfahren selbst begann immer mit einer Anzeige an das Gesundheitsamt der jeweiligen Stadt. Der Anzeige folgte dann der Antrag an das Erbgesundheitsgericht. Für Merseburg lag die Zuständigkeit beim Erbgesundheitsgericht Halle/Saale." Grundlage war das "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" vom 14. Juli 1933. Die Täter, betont Hoffmann, waren in der Mehrzahl ganz gewöhnliche Menschen aus der Mitte der Gesellschaft. Für die so genannte Rassenhygiene in Halle waren unter anderem tätig: Walter Schnell, Gerhard Schrader, Walter Gärtner, Dr. med. Horst Schumann (seit 1942 einer der berüchtigten Lagerärzte im KZ Auschwitz).

VEB Mühlenwerke Merseburg

Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme

Merseburg Mühlenwerke war auf einem Stück am Eingang des Mühlenareals im Juli 2011 noch zu lesen. Sanierungsarbeiten waren zu dem Zeitpunkt in vollem Gange.
2010 wurden Bauarbeiten begonnen an den Gebäuden der ehemaligen Merseburger Mühlenwerke auf der Mühleninsel Meuschau an der Saale. Hausherr Helmut Soller lässt das historische Bauwerk herrichten und ein Wasserkraftwerk einbauen. In Wettin hat der Bayer bereits Erfahrung damit sammeln können. Günstige Übernachtungsplätze wurden mit geplant (Hostel). 2012 sollen die Arbeiten abgeschlossen und das Anwesen bewohnbar sein. Die Vermarktung des Objekts obliegt dem ImmobilienManagementHaase aus Leipzig. Gebaut wurde für fast sechs Millionen Euro unter anderem auch ein neuer Strömungskanal für die Wasserturbinen. Während der Bauarbeiten wurde eine 500 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Am 12. Mai 2010 wurde sie entschärft. Die Sanierung des 12.600 Quadratmeter großen Mühlenareals wurde in das Programm der Internationalen Bauausstellung (IBA) 2010 aufgenommen. Eine Wasserkraftanlage hatte sich an dem Standort schon früher befunden, sie wurde aber zu DDR-Zeiten stillgelegt.

Das erste Foto der Mühle stammt von 2008. Die anderen sind vom Juli 2011.

Sixti-Kirche

Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme

Sixti-Kirche: Der romanische Turm der Kirche sieht nicht zufällig aus wie ein Wasserturm, denn er wurde tatsächlich seit 1889 als Wasserspeicher genutzt. Das Gotteshaus wurde 1045 erstmals erwähnt. Ein herrliches Panorama des Bauwerks ist auf der Internetseite 360cities.net zu finden.

Petrikloster (Leerstand)

Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme

Baudenkmal, erstmals 1012 aktenkundig, Benediktinerkloster bis 1562, dann Gestüt, Kaserne, in der DDR zeitweise Naturkunde-Museum. 1910 führte die Wissenschaftlerin Ida Baumann-Seyd hinter dem Kloster archäologische Ausgrabungen durch. Zur Internationalen Bauausstellung IBA 2010 sollte das Kloster saniert werden. Der Projekte-Verlag und die Buchfabrik aus Halle an der Saale sollten einziehen. Das Vorhaben scheiterte. 2011 war das Objekt erneut als Sanierungsobjekt ausgeschrieben.

Betriebe in der DDR (1949-1990)
PGH Fundament Merseburg
VEB Abbruch und Industriemontagen Leuna-Merseburg
VEB Abwasserbehandlungsanlagen Merseburg (VEB Kombinat Wassertechnik und Projektierung Wasserwirtschaft Halle)
VEB Aluminiumfolie Merseburg (VEB Alufolie Merseburg), August-Bebel-Straße 1
(VEB Mansfeld Kombinat Wilhelm Pieck)
VEB Apparatebau Merseburg
VEB Armaturen- und Gerätebau Merseburg
VEB Betonkombinat Halle Sitz Merseburg
VEB Betonwerkstein Merseburg
VEB Dienstleistungsbetrieb Merseburg (VEB Kombinat Hauswirtschaftliche Dienstleistungen Halle)
VEB Elektromontagen Merseburg
VEB Fleischwaren Merseburg
VEB Großhandel OGS Merseburg (VEB Kombinat OGS Halle)
VEB Industrieanstriche Merseburg
VEB Industriemontagen Merseburg (IMO, VEB Chemieanlagenbaukombinat Leipzig-Grimma)
VEB Ingenieurtiefbau Merseburg (VEB Straßen-, Brücken- und Tiefbaukombinat Halle)
VEB Kraftverkehr Merseburg
VEB Kreisbaubetrieb Merseburg
VEB Kunststoffverarbeitung Merseburg (VEB Kombinat Chemie und Plastverarbeitung Halle)
VEB Landschaftsgestaltung Merseburg (VEB Straßen-, Brücken- und Tiefbaukombinat Halle)
VEB Lederfabrik Merseburg
VEB Möbel und Innenausbau Merseburg
VEB Tiefbau Merseburg
VEB Vereinigte Zellstoff- und Papierfabriken Merseburg / VEB Zellstoff- und Papierfabrik Merseburg, Mühlberg 7/15 (1948-1990, einst Papierfabrik Königsmühle, VEB Kombinat Zellstoff und Papier Heidenau)
VEB Waagenfabrik Merseburg

Wirtschaft in Merseburg vor 1945
Eintrag im Brockhaus-Lexikon von 1894: An der Saale, der Linie Halle-Bebra und den Nebenlinien Merseburg-Mücheln und Merseburg-Lauchstädt (in Bau) der Preußischen Staatsbahnen. Fabrikation von Maschinen, Leder, Peitschen, Spielwaren, Pappwaren und bunten Papieren, Eisengießereien, Leimsiedereien, Färbereien, Essigsiedereien, Webereien. Das Merseburger Bier war früher sehr berühmt.