Malzfabriken

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Bilder ohne Nachfrage!
letzte Änderung am 06.06.2017

Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert erfuhr auch das Brauereiwesen in Deutschland einen beachtlichen Aufschwung. Gewaltige Gebäudekomplexe entstanden landauf und landab und blieben in Mitteldeutschland vielfach bis Mitte der 1990er Jahre in Betrieb.

Mälzerei Albert Wrede in Köthen (Malzfabrik, gegr. 1866, seit 1889 AG)

Foto: Martin Schramme, 2013 Foto: Martin Schramme, 2013 Foto: Martin Schramme, 2013 Foto: Martin Schramme, 2013 Foto: Martin Schramme, 2013

1866 begann der Betrieb der Malzfabrik in Köthen. 1887 war sie bereits die größte Tennenmälzerei des Deutschen Reiches. 1894 im Brockhaus-Lexikon war die Malzfabrik als Aktienfabrik ausgewiesen, vormals Albert Wrede, und als "größte deutsche Fabrik". 1916 hieß der Mälzerei-Direktor Heinrich Hildebrandt und der Brauereidirektor Bodo Walther. Im Januar 1939 wurde das Unternehmen in Mälzerei Wrede AG umbenannt. Seit 1942/43 hielt die Malzfabrik Rheinpfalz AG im hessischen Pfungstadt Aktien. In der DDR (1949-1990) deckte die Fabrik, damals als VEB Brauerei und Malzfabrik Köthen, am Ende ein Viertel des republikweiten Malzbedarfs. In der Nacht vom 14. zum 15. September 2011 brannte ein Großgebäude der Malzfabrik lichterloh. Die Feuerwehr rückte mit neun Fahrzeugen an.

Quellen:
Adressbuch Cöthen 1916
Verein für Computergenealogie
Dokumente des Unternehmens
Brand in der Malzfabrik im September 2011

Malzfabrik Carthause Oswald Mummert in Crimmitschau

Malzfabrik, Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015

Das Baujahr der Malzfabrik Carthause Oswald Mummert datiert auf 1910. Die Bauherren fanden für die Fabrik an der Bahnstrecke Crimmitschau-Schweinsburg und dem Flüsschen Pleiße einen idealen Standort.

Im Crimmitschauer Adressbuch von 1933 ist unter Carthause folgender Eintrag zu finden: Gottschall, Wwe., Anna, Gastwirtschaft Carthause, wds 64, empfehle meine freundlichen Lokalitäten sowie schönes Gesellschaftszimmer zur Abhaltung kleiner Festlichkeiten mit Musikwerk". Anna Mummert ist der Werdauer Straße 59 vermerkt und damit nicht weit von der Malzfabrik entfernt. Zum Haus der Herren Carthause gehörte einst ein Herrenhaus, das 1946 für den Bau der Ernst-Thälmann-Straße abgerissen wurde.

Im Sächsischen Staatsarchiv liegen zur Malzfabrik Akten für die Jahre 1926 bis 1938 und 1945 bis 1946 vor. 1946 wurde die Fabrik offenbar enteignet und anderen Betrieben angegliedert. In späteren Unterlagen ist Carthause unter VEB Feldschlößchenbrauerei Werdau vermerkt.

Zum Einsatz kam auch in der DDR noch alte Technik von der 1905 begonnenen Gebr. Grosse Mühlenbauanstalt in Lohmen (GEGROLO), Sachsen, die nach 1946 als Reparationsleistung an die Sowjetunion demontiert wurde und bis zum Ende der DDR 1990 als VEB Nagema Mühlenbau Lohmen geführt wurde.

Etliche Jahre nach der Wende galt die Malzfabrik der Partygängern als "sehr geiles line up" (Foreneintrag vom März 2006). Im April 2014 wurde die Malzfabrik in einer Zwangsversteigerung für einen Euro angeboten. Baujahr hieß es, war um 1900. Es bestehe kein Denkmalschutz. Das Gebäude sei wirtschaftlich und bautechnisch überaltert. Dabei ist die Fabrik nicht nur von der Bahn gut sichtbar, sondern wegen der aufwändigen Gestaltung des Namensspiegels eigentlich schützenswert.

Malzfabrik Hopfenberg bei Giersleben

Foto: Martin Schramme, 2012
Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012

1921 kaufte die Schlegel-Scharpenseel-Brauerei AG aus Bochum die Malzfabrik am Hopfenberg (Giersleben im Salzlandkreis). 1869 war sie zeitgleich mit einer Ziegelei gestartet. Aus dem fast drei Kilometer entfernten Klein Schierstedt beschaffte sich die Malzfabrik Frischwasser. Die Mälzerei Albert Wrede AG aus Köthen, später Mälzerei Actien Gesellschaft Coethen (Anhalt), übernahm das Objekt. 1932 wurde die Malzfabrik wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage stillgelegt. Aber auch die Beschaffung frischen Wassers blieb ein dauerhaftes Problem an dem Standort. Der Fund einer nahen, unterirdischen Süßwasserquelle durch einen Wünschelrutengänger konnte das Ende auch nicht verhindern. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges war die ehemalige Malzfabrik Zeitzeugen zufolge vollgestopft mit Material für den Flugzeugbau und die Wehrmacht.

Malzfabrik Könnern Saale

malting plant, Foto: Martin Schramme, 2013 malting plant, Foto: Martin Schramme, 2013 malting plant, Foto: Martin Schramme, 2017 malting plant, Foto: Martin Schramme, 2017 malting plant, Foto: pappel pictures malting plant, Foto: pappel pictures malting plant, Foto: pappel pictures malting plant, Foto: pappel pictures malting plant, Foto: Martin Schramme, 2017

Im Herbst 2011 war das Objekt teilweise abgerissen, aber an den verbliebenen großen Ziegelbauten war die Aufschrift "Malzfabrik Könnern - Saale" noch gut zu erkennen. Traurige Reste erinnern an die einstige Aktienmalzfabrik Könnern, die 1871 ihren Betrieb aufnahm.

Im Geschäftsjahr 1941/42 erzielte die Fabrik einen Überschuss von 627.427 Reichsmark. Der Erlös verringerte sich im Laufe des Krieges weiter wegen der Produktionseinschränkungen. 1939/40 hatte der Rohüberschuss noch 0,9 Millionen Reichsmark betragen. 1933/34 hatte der Rohgewinn gar bei 1,26 Millionen Euro gelegen. Die sich ständig verschlechternden Bilanzen wurden seitens des Unternehmens auch mit der "Preisschleuderei auf dem Malzmarkt" erklärt.

Im Aufsichtsrat der AG saßen auch zwei Hallenser: Rudolf Steckner und sogar als stellvertretender Vorsitzender Walther Flakowski (Geschäftsinhaber des Halleschen Bankvereins K.G. a.A.). Den Vorsitz hatte Franz Heinrich aus Könnern. Veranstaltungsort für die ordentliche Generalversammlung war beispielsweise am 3. Dezember 1935 das Hotel "Stadt Hamburg" zu Halle (Saale). In dem Jahr wurde mehr produziert, aber weniger abgesetzt. Der Jahresgewinn lag bei 122.475 Reichsmark.

Nach dem Krieg wurde die Malzfabrik Könnern enteignet und verstaatlicht zum VEB Malzfabrik Könnern. 1959 erfolgte die Verlagerung der AG nach Hamburg. Der 20. Januar 1971 ist der Tag der Löschung der Gesellschaft.

Malzfabrik Erfurt

Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme

Arch. B.D.A. Georg Bierbaum steht auf einer Seitenwand. Es ist der Name des Architekten der Malzfabrik in Erfurt. Der als Industriedenkmal ausgewiesene Gebäuekomplex befindet an Thälmann-, Theo-Neubauer- und Iderhoffstraße. Gebaut wurde die erste große Malzfabrik 1885 im Auftrag des Getreidegroßhändlers Johann Georg Wolff und seiner Söhne Fritz und Hermann an der Moltkestraße (heute Thälmannstraße). Seit 1864 handelten sie mit Getreide und seit 1869 betrieben sie eine gepachtete, kleine Mälzerei. Ab 1887 leitet Fritz die Moltkestraße alleine als Fritz Wolff Malzwerke Erfurt. Nach wiederholten Ausbauten gehörte die Fabrik 1940 zu den größten im Reich. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 wurde der Betrieb enteignet und Teil der VEB Erfurter Malzwerke. 1991 erfolgte die Reprivatisierung. 1993 hieß die neue Eigentümerin Getreide AG. Sie konzentrierte sich auf den Bau neuer Anlagen in Erfurt Nord, ehemals Roststraße. Lange stand die Malzfabrik leer und war gelegentlich Filmkulisse.

Malzfabrik Allstedt (Helme), VEB Getränkekombinat Dessau

Foto: Martin Schramme | 04.2011 Foto: Martin Schramme | 04.2011 Foto: Martin Schramme | 04.2011
Foto: Martin Schramme | 04.2011 Foto: Martin Schramme | 04.2011 Foto: Martin Schramme | 04.2011

Zwei Aufschriften sind am Gebäudekomplex der ehemaligen Malzfabrik in Allstedt zu erkennen: Goldene Aue Malzwerke GmbH (Sangerhausen) und Pilzfarm.
Die Malzfabrik wurde 1885 gegründet als Malzfabrik Allstedt Rudolph Grosse & Co. Aktiengesellschaft. In der DDR gehörte die Malzfabrik zuletzt zum VEB Getränkekombinat Dessau.

In den kühlen Kellern der stillgelegten Malzfabrik betrieb Birgit Hanisch nach der Wende eine "Pilzfarm". Dort wurden tonnenweise Champignons geerntet. Nach einem Bericht der "Mitteldeutschen Zeitung" kamen im Rekordjahr 2008 insgesamt 370 Tonnen Pilze zusammen.

Malzfabrik Roßleben

Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012

Gründung 1889 als "Actien-Malzfabrik Goldene Aue" mit Sitz in Roßleben. 1922 Zusammenlegung mit der Malzfabrik Artern, zugleich Sitzverlegung nach Artern und Umfirmierung in "Vereinigte Malzfabriken Goldene Aue AG". 1948 enteignet und als Volkseigener Betrieb (VEB) weitergeführt.

Sächsische Malzfabrik Bad Sulza

Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015

Bei der Suche nach Einträgen unter "Sächsische Malzfabrik" stößt man auf Plauen bei Dresden. Im Branchenfernsprechbuch der Bezirke Erfurt, Gera, Suhl von 1987 ist für Bad Sulza unter Malzfabrik kein Eintrag zu finden.

Malzfabrik Niemberg (gegr. 1889)

Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014

Die Actien-Malzfabrik Niemberg, gegründet 1889, wurde direkt an der Bahnstrecke Cöthen-Halle sowie dem ehemals größten Güterbahnhof im Saalkreis errichtet und bekam einen eigenen Gleisanschluss. 1918 übernahm die Actien-Malzfabrik Cönnern die Malzfabrik in Niemberg. Die Malzfabrik belieferte Brauereien und stellte auch Malzkaffee her. 2014 stand das Hauptgebäude schon länger leer.

Malzfabrik Gößnitz (gegr. 1889)

Malzfabrik Goessnitz, gegr. 1889, Foto: Martin Schramme, 2015 Malzfabrik Goessnitz, Foto: Martin Schramme, 2015 Malzfabrik Goessnitz, Foto: Martin Schramme, 2015 Malzfabrik Goessnitz, Foto: Martin Schramme, 2015 Malzfabrik Goessnitz, Foto: Martin Schramme, 2015

Die Eisenbahn, die vor der Malzfabrik und oberhalb der Pleiße verläft, gab es bereits seit 1844. Sie gehört zur Bahnstrecke Leipzig-Hof. Die Übergabe der Bahnstation Gönitz erfolgte am 15. März 1844, als das Teilstück Altenburg-Crimmitschau in Betrieb ging. Eigentümerin der Anlagen war damals die Sächsisch-Bayerische Eisenbahn-Compagnie. 1889 ging als Gründungsjahr des Bierzulieferers in die Geschichte ein. Die Wetterfahne trägt die Jahreszahl 1930. Seit April 1968 kamen die Malzwerke Gößnitz zur Altenburger Brauerei, die wiederum absofort zum VEB Getränkekombinat Leipzig gehörte. Mit der Wende 1989/90 von der DDR zur Bundesrepublik, vom Sozialismus zum Kapitalismus wurde der VEB zur Malzfabrik Gößnitz GmbH, die allerdings nur noch bis 1992 bestand. Die Gemeinde möchte den durch den langen Leerstand inzwischen teilweise verfallenen Gebäudekomplex abreißen und hatte 2013 bereits eine Abrissverfügung, doch zum Glück stand des Industriedenkmal auch im Herbst 2015 noch, allerdings ohne Aussicht auf Rettung.