Köthen (Bachstadt)

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Bilder ohne Nachfrage!
letzte Änderung am 14.07.2017

1841 wurde Köthen Deutschlands erster Bahnknoten. Damit erlebte die Stadt, die Jahrzehnte später als "Kuh-Köthen" verspottet werden sollte, einen beachtlichen Aufschwung.

Mälzerei Albert Wrede (Malzfabrik, gegr. 1866, seit 1889 AG)

Foto: Martin Schramme, 2013 Foto: Martin Schramme, 2013 Foto: Martin Schramme, 2013 Foto: Martin Schramme, 2013 Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2013 Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017

1866 begann der Betrieb der Malzfabrik in Köthen. 1887 war sie bereits die größte Tennenmälzerei des Deutschen Reiches. 1894 im Brockhaus-Lexikon war die Malzfabrik als Aktienfabrik ausgewiesen, vormals Albert Wrede, und als "größte deutsche Fabrik". 1916 hieß der Mälzerei-Direktor Heinrich Hildebrandt und der Brauereidirektor Bodo Walther. Im Januar 1939 wurde das Unternehmen in Mälzerei Wrede AG umbenannt. Seit 1942/43 hielt die Malzfabrik Rheinpfalz AG im hessischen Pfungstadt Aktien. In der DDR (1949-1990) deckte die Fabrik, damals als VEB Brauerei und Malzfabrik Köthen, am Ende ein Viertel des republikweiten Malzbedarfs. In der Nacht vom 14. zum 15. September 2011 brannte ein Großgebäude der Malzfabrik lichterloh. Die Feuerwehr rückte mit neun Fahrzeugen an.

Quellen:
Adressbuch Cöthen 1916
Verein für Computergenealogie
Dokumente des Unternehmens
Brand in der Malzfabrik im September 2011

Berlin-Halberstädter Bahnhof

Foto: Martin Schramme, 2013 Foto: Martin Schramme, 2013 Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017

Von 1869 bis 1917 fuhr eine Eisenbahn auf der Strecke Berlin-Wittenberg-Dessau-Köthen-Halberstadt und hielt auch an der Georgstraße in Cöthen. Der durchgehende Bahnverkehr zwischen Halberstadt und Berlin bestand seit September 1841. Gleisreste lagen bis Anfang der 1990er Jahre am ehemaligen Bahnhof.

Wasserturm am Bahnhof

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Der Wasserturm am Bahnhof Köthen beeindruckt mit seiner markanten Kugel, einem so genannten Klönnebehälter. August Klönne war ein begnadeter Ingenieur und Unternehmer, der in Dortmund wirkte. Er arbeitete für Gas- und Wasserwerke und gründete 1879 sein eigenes Stahlbau-Unternehmen. Er war mit dem Ingenieur Georg Barkhausen befreundet und stellte die von ihm entwickelten Barkhausen-Behälter her, die ebenfalls an Wassertürmen zu finden sind. Klönne entwickelte diesen Behälter 1896 weiter und brachte ihn ab 1906 als Klönne-Behälter in Umlauf. Auf der Wetterfahne an der Spitze des Wasserturmes am Bahnhof in Köthen steht die Jahreszahl 1912. Zu der Zeit verkehrten in Cöthen (einheitliche Schreibung mit K erst ab 1927) die Magdeburg-Leipziger Eisenbahn und die Berlin-Anhaltische Bahn. Der Bahnbetrieb in Cöthen war bereits im Sommer 1840 angerollt. Die Strecke von Köthen nach Leipzig führte über Halle, wo der Unternehmer Ludwig Wucherer den Eisenbahnbau schon 1829 angeregt hatte.

Neptunbrunnen

Foto: Martin Schramme, 2013 Foto: Martin Schramme, 2013

Unweit des Bahnhofs an der Ecke Friedrich-Ebert-Straße befindet sich der Neptunbrunnen von Robert Propf (1910-1986). Der Bildhauer Propf, ein geborener Köthener, erlernte sein Handwerk in Warmbrunn (Schlesien), Weimar, Wien und Dresden und lebte und wirkte zu DDR-Zeiten in Köthen.

Flugplatz und Kaserne Köthen

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дорожные знаки Verkehrsschilder
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Solarmodule stehen heute (2012) auf weiten Teilen des ehemaligen (Militär)Flugplatzes im Süden der Bachstadt Köthen. Zwischen den schillernden blauen Solarzellen stehen verlassene Hangars, wo bis zum Abzug der Roten Armee Anfang der 1990er Jahre russische Kampfflugzeuge standen. Sie waren offenbar - zumindest teilweise - über Bunker und splittergeschätze Bunkergänge zugänglich. Das dunkelgeklinkerte Flughafengebäude mit den zwei Türmen trägt noch große dunkelgrüne Punkte - Tarnanstrich. Direkt hinter dem Bauwerk warnt ein Schild vor Explosionsgefahr. Nördlich vom Flugplatz liegen im Wald gut getarnt und inzwischen von Baum- und Buschwerk weitgehend zugewuchert zahlreiche Truppenunterkünfte und Versorgungsgebäude. Die Nummerierungen sind noch zu erkennen und teilweise lassen verblichene Wandmalereien deren spezielle Nutzung erahnen. Die Objekte liegen kammförmig aufgefächert rechts und links des Hauptweges, der vom großen Eingangsplatz, der von rechts und links L-förmig platzierten Gebäuden von drei Seiten eingefasst ist, direkt zum Flughafengebäude.
An der Seitenwand eines seitlich an eine große Flugzeughalle angesetzten Traktes sind zahlreiche Verkehrszeichen gemalt. Darüber steht auf Russisch: Verkehsrzeichen. Offenbar sollten sich die Soldaten so die in Deutschland üblichen Zeichen einprägen. Beschlossen wurde der Bau des Flugplatzes 1928. Ab 1937 wurde das Areal ausschließlich militärisch genutzt, erst durch die deutsche Wehrmacht, dann durch die Rote Armee (Russen). Auf dem Areal stationierten die Sowjets erst das Jagdflugzeug Mig-15, dann Mig-17, Mig-21, Mig-23 und zuletzt Mig-29.

NS-Luftüberwachung in Großwülknitz

Foto: Martin Schramme | 2012 Foto: Martin Schramme | 2012 Foto: Martin Schramme | 2012

Um feindliche Bomberverbände rechtzeitig zu erfassen, wurde im Zweiten Weltkrieg im gesamten Reichsgebiet ein dichtes Luftaufklärungsnetz aufgebaut. Einige Fundamente, auf denen die Überwachungstechnik montiert war, stehen heute noch. Dazu gehört auch der Betonsockel, der sich in Großwülknitz rund 1000 Meter Luftlinie von der Außenkante der Start- und Landebahn des Flugplatzes Köthen entfernt am Rande eines Feldes befindet.

DDR-Werbung: Folien Rohre Platten

Foto: Martin Schramme, 2017

In der Innenstadt von Köthen war noch im Sommer die DDR-Leuchtreklame "Folien Rohre Platten" zu finden. Dabei handelt es sich um den Werbespruch des VEB Gölzaplast aus den 1960er Jahren. Der sozialistische Betrieb befand sich in Weißandt-Gölzau (Kreis Köthen, Bezirk Halle) und produzierte Kunststoffverpackungen und Verpackungsmaterial. Am Ende kam jeder Quark- oder Margarinebecher der DDR von dort. Dass es die Leuchtreklame 2017 immernoch gab, ist auch in sofern bemerkenswert, als der Spruch bereits um 1970 mit der Zuordnung des Betriebs zum VEB Chemiekombinat Buna die Werbung von Buna (Plaste und Elaste aus Schkopau) zum Einheitswerbespruch aller Betriebsteile wurde. Unter den drei Schlagwörtern, welche die Produktpalette umreißen, stand Orbitaplast. Der VEB Orbitaplast entstand 1969 durch den Zusammenschluss der Chemiebetriebe in Weißandt-Gölzau und Eilenburg. noch mehr erfahren

Erich-Franz-Lichtspiele

Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017

1909 als Lichtspieltheater erbaut bekam das Kino in Köthens Innenstadt im Herbst 1962 den Namen des bekannten Brecht-Schauspielers Erich Franz.

HO Spirituosen

Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017

Im Sommer 2017 war in Köthen noch dieses DDR-Relikt zu finden: HO Spirituosen. Die HO war die große staatliche Handelsorganisation der DDR. Auch Spirituosen, also alkoholische Getränke, gehörten zum Sortiment. Ironie des Schicksals: Lange nachdem der DDR-Schnapsladen dicht war, kam an eines seiner Schaufenster ein Plaket zu Himmelfahrt, der von den Männern gerne ausgiebig mit Alkohol gefeiert wird.

Wittigsche Villa (Bärteichpromenade/Sackstraße)

Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme gut lesbar die Aufschrift "Treibriemen-Fabrik"
Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme

Louis Wittig war in Köthen Malzkaffee-Fabrikant und Geheimer Kommerzienrat. Er ist der Erfinder des sogenannten Gesundheitskaffee (Kaffee-Ersatz) und wurde damit sehr reich. In den vergangenen Jahren hat die Villa leergestanden und ist zerfallen. Trotzdem ist der einstige Glanz noch zu erahnen. Im Frühjahr 2009 berichteten ortsansässige Medien, dass das Gebäude saniert und ein homöpathisches Gesundheitshaus werden soll. Immerhin hat die Homöpathie ihre historischen Wurzeln in Köthen.

Siehe auch:
Europäische Bibliothek für Homöopathie in Köthen
Wittigsche Villa
andere Bilder der Villa

unbekannte Fabrik?

Foto: Martin Schramme, 2017

Wer weiß mehr über diese Fabrik in der Nähe des Bahnhofs Köthen?

2. unbekannte Fabrik?

Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017

Wer weiß mehr über diese Fabrik in der Nähe des Bahnhofs Köthen?

Schule der Völkerfreundschaft

Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017

Die Lehre aus dem Zweiten Weltkrieg war gerade für die deutschen Kommunisten und Sozialdemokraten in der DDR, die sich 1946 zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) vereinigt hatten: Nie wieder Krieg! Das hatte schon Käthe Kollwitz als Lehre aus dem Ersten Weltkrieg künstlerisch verewigt. Grundlage für den Frieden, so die Erkenntnis, waren Völkerverständigung und Völkerfreundschaft. So bekam schließlich das stolzeste DDR Kreuzfahrtschiff, die von Schweden aufgekaufte "Stockholm", den Namen "Völkerfreundschaft" und der Name schmückte später auch eine Polytechnische Oberschule (POS) in Köthen. Vor der Schule befindet sich ein Brunnen mit vier Kindern aus Europa, Asien, Amerika und Afrika. Sie tanzen miteinander im Kreis. An einer Seitenwand der Schule befinden sich ein Junge und ein Mädchen sowie das Atommodell und der Satz des Pythagoras (a Quadrat plus b Quadrat gleich c Quadrat).

Wasserturm

Foto: Martin Schramme, 2013 Foto: Martin Schramme, 2013

Betriebe in der DDR
VEB Aktema Köthen (stellte Aktenschredder her, Betrieb im VEB Kombinat Feinmechanische Werke Halle)
VEB Autogentechnik Köthen (VEB Kombinat Feinmechanische Werke Halle)
VEB Baureparaturen Köthen
VEB Betonwerk Köthen (VEB Straßen-, Brücken- und Tiefbaukombinat Halle)
VEB Brauerei und Malzfabrik Köthen, Leninstr. 35, Am Wasserturm 51, Stiftstr. 7 (VEB Getränkekombinat Dessau)
VEB Chemische Fabrik Köthen (VEB Kombinat Chemie und Plastverarbeitung Halle)
VEB Dienstleistungsbetrieb Köthen (VEB Kombinat Hauswirtschaftliche Dienstleistungen Halle)
VEB Drehmaschinenbau Köthen
VEB Druckhaus Köthen, Str. der Thälmannpioniere 11-12
VEB Feinmaschinen Köthen
VEB Fisch und Feinkost Köthen
VEB Förderanlagen- und Kranbau Köthen (VEB Schwermaschinenbaukombinat TAKRAF Leipzig)
VEB Schuhfabrik "Gazelle" Köthen
VEB Geflügelfleisch Köthen
VEB Geflügelwirtschaft Bezirk Halle, Betriebsteil Köthen, Merziener Straße 107
VEB Gerätebau Köthen (VEB Kombinat Feinmechanische Werke Halle)
VEB Gold- und Silberschmiede Köthen
VEB Hausschuhe Köthen
VEB Heizungstechnik Köthen
VEB Hydraulik Köthen (VEB Hydraulikgerätewerk Köthen, VEB Kombinat Feinmechanische Werke Halle)
VEB Industrieverpackungen Köthen
VEB Innenausstattung Köthen
VEB Karosseriewerk Köthen
VEB Kleiderfabrik Köthen (VEB Kombinat Oberbekleidung Lößnitz)
VEB Kraftverkehrsbetrieb Köthen (VEB Kombinat Kraftverkehr Halle)
VEB Kreisbaubetrieb Köthen
VEB Kreisbetrieb für Landtechnik Köthen (VEB Kombinat für landtechnische Instandhaltung Halle)
VEB Lackfabrik Köthen (VEB Kombinat Lacke und Farben Berlin, Lacufa)
VEB Lederwaren Köthen (VEB Kombinat Holz- und Kulturwaren Naumburg)
VEB Maschinenbau Köthen
VEB Maschinenfabrik und Eisengießerei Köthen (VEB Kombinat Wälzlager und Normteile Karl-Marx-Stadt)
VEB Modellspielwaren Köthen
VEB Polsterfedernwerk Köthen
VEB Polygraph Maschinenbau Köthen (VEB Kombinat Anlagen- und Gerätebau Halle / VEB Kombinat Polygraph "Werner Lamberz" Leipzig)
VEB Polygraph Maschinenbau Polymaschinen Köthen (VEB Kombinat Polygraph Werner Lamberz Leipzig)
VEB Sektkellerei Köthen
VEB Tatar Köthen (Tatar, das Lebens-Elixier der Tataren, gelangte während der napoleonischen Kriege nach Mitteldeutschland. In der DDR wurde es in Köthen und vom VEB Pharmazeutika Königsee.)
VEB Vorwärmer- und Kesselbau Köthen (VEB Kombinat Kraftwerksanlagenbau Berlin)
VEB Waschmittelwerk Köthen
VEB Weberei Köthen
VEB Webtex Köthen
VEB Zerspanung Köthen
VEB Ziehwerk Köthen

Wirtschaft und Leben in Köthen vor 1945
Eintrag über Cöthen im Brockhaus-Lexikon von 1894: An der zur Fuhne, Nebenfluß der Saale, gehenden Ziethe und an den Linien Magdeburg-Halle-Leipzig. Wittenberg-Cöthen-Aschersleben und der Nebenlinie Cöthen-Aken der Preußischen Staatsbahnen. Post erster Klasse mit Zweigstelle, Telegraph, Fernsprecheinrichtung, Gasanstalt, Wasserleitung, Kanalisation, Schlachthof, Post- und Eisenbahnschule. Die Industrie erstreckt sich auf Kesselschmieden, Eisengießereien, Maschinen und Metallwarenfabriken sowie auf die Fabrikation von Schokolade, Konserven (Fr. Behr, Präservenfabrik), Sprit, künstlichem Dünger, Knochenmehl, Leim, Leder, Dammarlack, Kirschsaft, Gesundheitskaffee (Wittig & Co.), Malz (die größte deutsche Fabrik, Aktiengesellschaft, vormals Alb. Wrede), Sauerkohl, Mostrich, Kräuterliqueur, Cigarren und Wagen; ferner bestehen Molkereien, Kunst- und Handelsgärtnereien mit bedeutender Erdbeer- und Spargelzucht, Ziegeleien, Schneidemühlen, ansehnlicher Woll- und Getreidehandel und in der Nähe Braunkohlengruben. Bedeutend ist die Zuckerindustrie (1891: 32 Fabriken im Betrieb, davon zwei in der Stadt), die durch den massenhaften Runkelrübenanbau in der Umgebung begünstigt wird. Cöthen war 1848 der Zufluchtsort vieler politischer Flüchtlinge: Hoffmann von Fallersleben, Ernst Keil, Bakunin u.a.

Begriffslegende
Dammarlack = Dammar ist das Harz von malaiisch-indischen Laubbäumen, die vorwiegend auf den Sunda-Inseln wachsen. Aus ihm wird ein heller Lack gewonnen.