Großeutersdorf und Orlamünde

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Fotos ohne Nachfrage!
letzte Änderung: 20.04.2015

REIMAHG (Abk. für REIchsMArschall Hermann Göring)

Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014

Eine verwitterte Betontreppe, verrostete und verbogene Stahlträger, Betonbl&öcke, eine Mauer, bunkerartige Eingänge - im Sommer 2014 erinnerte nicht mehr viel an den Rüstungswahn und die Menschenschinderei des NS-Regimes. Wo einst Fabrikhallen standen, hängen heute Gedenktafeln, vornehmlich in Italienisch an jenes dunkle Kapitel. In Deutsch ist zu lesen: "Hier befand sich vom April 1944 bis April 1945 das ehemalige Rüstungswerk REIMAHG, in dem fast 15.000 Zwangsarbeiter aus ganz Europa unter unmenschlichen Bedingungen leben und arbeiten mussten."

REIMAGH? Der Name ist eine Abkürzung und Teil des Wahns: Reichsmarschall Hermann Göring. Der preußische Innenminister und Chef der deutschen Luftwaffe mischte auch bei der Konzentration der deutschen Wirtschaft, nicht zuletzt zur Organisation der Rüstung, kräftig mit. So waren in der AG Reichswerke "Hermann Göring" seit 1941 unter anderem Großunternehmen in den Branchen Erzbergbau und Eisenhütten, Waffen- und Maschinenbau sowie Binnenschifffahrt zusammengefasst. Am Betrieb der REIMAHG war auch der Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz und Gauleiter in Thüringen, Fritz Sauckel, beteiligt. 1936 hatte er die Wilhelm-Gustloff-Stiftung gegründet, ein Rüstungskonzern, der seit 1939 Wilhelm Gustloff Werke, Nationalsozialistische Industriestiftung, hieß. Das Stiftungskapital kam aus dem 1935 enteigneten Simson-Werk in Suhl. 1944 übernahmen die Gustloff-Werke die AGO Flugzeugwerke in Oschersleben und gründeten die Tochtergesellschaft REIMAHG.

Nachdem Briten und US-Amerikaner das deutsche Reichsgebiet Tag und Nacht aus der Luft angreifen und dabei die deutsche Rüstungsindustrie massiv bedrohen, beschließt die NS-Führung, die Produktion wichtiger Rüstungsgüter untertage zu verlegen. Das gilt vor allem für die so genannten Wunderwaffen wie Langstreckenwaffen (V2) und Strahlflugzeuge. Thüringen lag strategisch günstig. Als ein besonders geeigneter Ort stellte sich der Walpersberg bei Großeutersdorf heraus. Am 11. April 1944 begannen die Bauarbeiten, mehr als 100 Firmen waren eingebunden. Die ersten 400 Zwangsarbeiter, die bereits zum Baubeginn am Walpersberg eintrafen, waren Italiener. In den Walpersberg wurden Stollen getrieben. Im November 1944 waren dann 12.000 Zwangsarbeiter vor Ort. Die Arbeiten wurden massiv vorangetrieben. Im Januar 1945 gab es 40 je 400 Meter lange Stollen sowie weitere 75 Stollen für Werkstätten. Hinzu kamen vier Stahlbeton-Bunker (100x20 Meter), zwei Montagehallen (100x30 Meter) und fünf Holzhallen (100x20 Meter). Ebenfalls fertiggestellt waren ein Aufzug für Flugzeuge und eine 1,1 Kilometer lange Startbahn sowie ein Bahnanschluss nach Orlamünde. Am 21. Fabruar 1945 begann die Flugzeug-Produktion. Es war die erste komplett unterirdische Montage samt Startbahn in Deutschland. Indes wurde keines der geplanten und begonnenen zehn Hauptlager und 18 Nebenlager bis zum Kriegsende im April 1945 fertig. In den unterirdischen Anlagen sollte die erste Serieproduktion des Strahljägers Messerschmitt Me 262 laufen. Großreutersdorf war Endmontage-Ort. Die Produktionsergebnisse blieben trotz großer Anstrengungen und zahlreicher Toter weit unter den Planzahlen. Zwischen 20 und 30 Maschinen wurden gebaut. Inzwischen hatte die britische Luftaufklärung bei der akribischen Auswertung ihrer Luftbilder den neuen Rüstungsstandort ausfindig gemacht. Auf Fotos vom 26. Dezember 1944 waren die Veränderungen gegenüber den letzten Aufnahmen vom 15. August 1944 deutlich zu erkennen. Die Luftaufklärer machten zwei Lager, Fabrikgebäude, einen Eisenbahnanschluss und eine in Bau befindliche Startbahn aus. Am 14. April 1945 waren die ersten Bondentruppen vor Ort und besetzten die Flugzeugfabrik REIMAHG.

Im Juli 1945 rückte die Rote Armee an. Von 1946 bis 1952 transportierten die Russen alle brauchbaren Rüstungsgüter und Maschinen ab und sprengten Außenanlagen, Haupteingänge und Flugzeugstartbahn sowie Teile des Stollensystems. 1965 erklärte die DDR das Objek zur antifaschistischen Gedenkstätte. Parallel befand sich in den Stollen das Bohrkernarchiv der DDR, angelegt und betreut vom VEB Geologische Erkundung West aus Halle an der Saale. Ab 1975 beanspruchte die Nationalen Volksarmee (NVA) das Areal samt Stollensystem, das schon seit 1972 für die Reaktivierung vorbereitet wurde. In Großeutersdorf und im nahen Rothenstein lagerte die NVA Waffen, Munition und technisches Gerät ein. Im Jahr 2003 fand erstmals wieder ein Gedenkfeier auf dem Walpersberg statt.

Mahn- und Gedenkstätte Walpersberg

Bahnhof Orlamünde

Foto: Martin Schramme, 2014

Der Bahnhof Orladmünde liegt an der Bahnstrecke Großheringen-Saalfeld (Saalbahn), die seit dem 30. April 1874 in Betrieb ist. Am 1. Oktober 1889 kam der Abzweig nach Pößneck hinzu, der 1892 um die Strecke nach Oppurg verlängert wurde, die aber seit 1946 nicht mehr besteht. 1944 verlegten die Nationalsozialisten ein weiteres Gleis zur unterirdischen Flugzeugfabrik REIMAHG im Walpersberg.

Quellen
Wikipedia