Geringswalde (Sachsen) - Stadt der Stühle

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Bilder ohne Nachfrage!
letzte Änderung: 14.12.2015

Vom Hügelland in Mittelsachsen ( die Gegend von Geringswalde) bis zum Vogtland entwickelten sich in den 1860er Jahren etliche Möbel-, Holzwaren- und Spielwarenfabriken. Für die in der holzverarbeitenden Industrie benötigten Werkzeuge entstanden mit einem zeitlichen Abstand zwei Werkzeugfabriken in Geringswalde. 1933 feierte Geringswalde 700 Jahre, 1958 waren es 725 Jahre.

VEB Vereinigte Sitzmöbelindustrie Neuhausen Werk Geringswalde

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Tristan und Gitta, zum Beispiel, hießen Stühle aus der Möbelfabrik in Geringswalde. Im Juni 1991 erfolgte die Privatisierung gemäß Treuhandgesetz zur Geringswalder Sitzmöbelwerke GmbH.

Aussichtsturm Geringswalde

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Zur 675-Jahr-Feier im August 1907 wurde der 25 Meter hohe König-Friedrich-August-Turm auf der Schillerhöhe (305 Meter hoch) eingeweiht. Der Chemnitzer Hans-Paul Wingen hatten den Turm entworfen.

Bahnhof Geringswalde

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Geringswalde war seit 1883 an die Nebenbahn der Strecke Waldheim-Rochlitz angeschlossen. Von der ersten Eingabe bis zur Baugenehmigung vergingen 18 Jahre (1871-1889). Der Halt Geringswalde befand sich bei Kilometer 9,41 auf einer Höhe von 255 Meter. Noch bevor die erste Eisenbahn die Strecke befuhr, wurde der Postkutschbetrieb zwischen Geringswalde und Rochlitz eingestellt. Im Zweiten Weltkrieg blieb die Strecke ohne Schaden. Der Bahnhof Geringswalde war der größte Bahnhof dieser Strecke. Seit 1. Juni 1997 fahren in Geringswalde keine Züge mehr. Im Mai 2015 waren keine Gleise mehr vorhanden, kein Tunnel und keine Gebäude mehr auf der Südseite. Die Deutsche Bahn hatte die Strecke 2011/2012 verkauft, damit eine Radtrasse entstehen könnte. Die Demontage der Gleis- und Signalanlagen erfolgte in den Jahren 2012/2013, der Bau und die Fertigstellung des geplanten Radweges verzögerte sich hingegen immer wieder.

Grohmühle

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Die Grohmühle hat eine wechselreiche Bau- und Umbaugeschichte. 1825 begann die Geschichte mit dem Bau einer Bockwindmühle. 1881 brannte die Mühle nieder und wurde durch eine Holländermühle ersetzt. Der damalige Mühlenbesitzer Emil Hofmann begann schon bald darauf mit dem weiteren Ausbau des Objektes. 1882 sollten es Wohn- und Nebengebäude sein, 1883 Dampfkessel, Maschinenhaus und Getreidespeicher. Doch der Unternehmer übernahm sich offenbar, denn 1897 war er pleite. Pächter der Mühle wurde ab 1901 Otto Arthur Groh, dessen Name die Mühle auch im Jahr 2015 trug. Der Neue stellte 1905 von Wind auf Dampf um. Es war der Anfang eines regen An- und Umbaus während der folgenden Jahre. Die Dampfmühle wurde vergrößt, um mehr Getreide verarbeiten und Mehl lagern zu können. Groh erhöhte die Mehlniederlage, errichtete ein Kontor, ein Silo und einen Kühlturm. Auch im Jahr 2015 war noch der Gleisanschluss zur Mühle zu sehen, der 1913 hergestellt wurde. 1925 wurde Edmund Graf neuer Mühlenbesitzer. Er erlebte dann auch in der DDR die schrittweise Verstaatlichung seines Betriebes. Erst bestand eine staatliche Beteiligung, wobei ab 1960 auf die Produktion von Mischfutter für die DDR und die Sowjetunion umgestellt wurde, dann kam es 1972 verglichen mit vielen anderen Betrieben relativ spät zur entgültigen Enteignung und Überführung der Mühle in den VEB Getreidewirtschaft. Nach der Reprivatisierung ging die Produktion weiter. Allerdings mussten die Erben einen herben Rückschlag verkraften, als ein Brand 1999 die Produktionsanlagen zerstörte.

Betriebe in der DDR (1949-1990)
VEB Geri-Kleidung
VEB Geringswalder Sitzmöbel (VEB Möbelkombinat Dresden-Hellerau)
VEB Kraftfuttermischwerk Geringswalde (VEB Kombinat Getreidewirtschaft Karl-Marx-Stadt)
VEB Reichalda Kosmetik Geringswalde
VEB Sächsische Bijouterie- und Metallwarenfabrik Geringswalde (VEB (K) Sächsische Bijouteriewaren Geringswalde)
VEB Vereinigte Werkzeugfabriken Geringswalde (VEB Werkzeugkombinat Schmalkalden)
Geringswalder Stuhlfabrik von August Ettig, Geringswalde

Betriebe vor 1945
H. Ettig & Söhne, Sitzmöbel- und Tischfabriken, Geringswalde (1864 gegr., Stühle, Sessel, Tische, Polster- und Rohrgarnituren, "Ettig-Söhne-Wertarbeit")
Max Thomas & Sohn Geringswalde, Sachsen (Fabrik vornehmer Sitzmöbel, Spezialität: Schreibsessel)

Wirtschaft und Leben in Geringswalde vor 1945
Reichalda KG Parfümeriefabrik Geringswalde

Eintrag im Brockhaus-Lexikon von 1894: An der Nebenlinie Rochlitz-Waldheim der Sächsischen Staatsbahnen. Post, Telegraph. Fabrikation von Strümpfen, Chenilleartikeln, Cigarren, Stühlen, Schlauch- und Kattunweberei und Porzellanweberei.

Begriffslegende
Chenille = franz. "Raupe", samtartiges Flachgewebe, der Samtcharakter kommt von seitlich abstehenden Fäden