Gerbstedt

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
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letzte Änderung am 14.12.2015

Bahnhof und Brücke auf der Strecke nach Heiligenthal

Foto: Martin Schramme / 03.2010 Foto: Martin Schramme / 03.2010 Foto: Martin Schramme / 03.2010 Foto: Martin Schramme / 03.2010 Foto: Martin Schramme / 03.2010 Foto: Martin Schramme / 03.2010 Foto: Martin Schramme / 03.2010

Am Bahnhof Gerbstedt ruht seit September 2002 der Bahnverkehr. Am 28. des Monats fuhr der letzte Zug auf der Strecke Gerbstedt-Hettstedt. Seitdem steht das Objekt leer. Der Lokschuppen ist inzwischen stark beschädigt, die anderen Gebäude sind noch recht gut in Takt. Sogar ein Wasserkran, mit dem einst die Dampflokomotiven mit Wasser gefüllt wurden, ist noch erhalten. Um den weiteren Erhalt kümmert sich seit einigen Jahren der Verein "Freunde der Halle-Hettstedter-Eisenbahn" mit dem Ziel, den Bahnbetrieb eines Tages als Touristenattraktion wieder aufzunehmen. (Stand im Oktober 2011)

Die abgebildete Eisenbahnbrücke geht über die Landstraße L151 und gehört zur Strecke Heiligenthal-Gerbstedt, die einst Teil der Halle-Hettstedter-Eisenbahn (HHE) war. Die HHE war einst eine der bedeutendsten Privatbahnen in Mitteldeutschland. Wegen der Zuckerfabrik in Heiligenthal wurde der Ort noch relativ lange angefahren, während auf den Strecken der ehemaligen, in der DDR verstaatlichten HHE sonst seit den 1960er Jahren schrittweise der Verkehr eingestellt wurde. Das Ende für die Strecke Halle-Heiligenthal kam bereits 1968, als im Zusammenhang mit dem 1964 begonnenen Bau Halle-Neustadts die Verkehrsverbindungen umstrukturiert werden mussten.

Landmaschinenfabrik Friedrich Köhler

Foto: Martin Schramme / 03.2010 Foto: Martin Schramme / 03.2010

Den Grundstein für den historischen Gebäudekomplex legte Friedrich Köhler 1861 mit einer Landmaschinenproduktion. Später spezialisierte sich das Unternehmen auf die Herstellung von Dreschtechnik. Zu DDR-Zeiten befand sich auf dem Gelände eine Landmaschinenwerkstatt. 1957 übernahm der Staat die Regie und startete mit einer Maschinen- und Traktorenstation (MTS). Seit 1963 hieß der Betrieb VEB Landtechnisches Instandsetzungswerk (LIW) Gerbstedt. Heute wird der Gebäudekomplex von der KUMA GmbH genutzt. Sie stellt Kupplungen her für Pkw und Nutzfahrzeuge.

Hübitz (Ortsteil von Gerbstedt)

ehemalige GST-Schießanlage

Foto: Martin Schramme | 11.2012 Foto: Martin Schramme | 11.2012 Foto: Martin Schramme | 11.2012

Die Gesellschaft für Sport und Technik (GST) war eine Massenorganisation der DDR, die 1952 zunächst als Freizeitorganisation für technisch und sportlich interessierte Menschen gegründet wurde. Später war sie nicht zuletzt Partner der "Bewaffneten Organe" bei der vormilitärischen Ausbildung junger Menschen. Die GST betrieb auch zahlreiche Schießanlagen. 1990 wurde die GST aufgelöst, doch in Hübitz (Ortsteil der Stadt Gerbstedt) ist bis 2012 ein in Putz eingearbeitetes Enblem der GST erhalten geblieben. Der Bund der Militär- und Polizeischützen e.V. (BDMP) Schießleistungsgruppe (SLG) "Mansfelder Land" nutzt(e) die Anlage nach der Wende. 2012 befand sich in den Hallen Lebendgeflügel.

Siersleben (2010 eingemeindet nach Gerbstedt)

Gasthof zur Kugel

Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012

Der "Gasthof zur Kugel" an der Hauptstraße von Siersleben (Mansfelder Land) steht seit Jahren leer und verfällt. Dabei lässt das von der Zeit gezeichnete Gebäudeensemble noch erahnen, welche bedeutende Rolle es einmal für viele Jahrzehnte spielte im Ort. Das Hauptgebäude ist offenbar zur DDR-Zeiten um eine Etage aufgestockt worden. Rückwärtig sind ein großer Saal mit Bogenfenstern und Reste einer bescheidenen Tribüne aus DDR-Zeiten zu erkennen. Man konnte den Gasthof von allen Seiten erreichen. Tanz, Jugendweihen und Hochzeiten standen auf dem Programm. Es gab eine gastronomische Versorgung und zeitweise auch Kindergarten und Turnhalle. Besitzer des Anwesens waren ein gewisser F. Fleischhauer und später Heinrich Studte. Die Namen sind an der Fassade noch mehr oder weniger gut zu erkennen. Dort ist ebenso von Ausspanung (Ausspannung = Pferde ausspannen) und Mittagstisch zu lesen. Die ältere Schrift stammt wahrscheinlich aus der Weimarer Republik. (Stand 11.2012)

Wasserturm

Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012

Eine Rarität eines Wasserturmes befindet sich auf dem Gelände der Gärtnerei Gebr. Burkardt in Siersleben (Mansfelder Land). Errichtet wurde der Turm vor über 100 Jahren, als der Gartenbaubetrieb noch Gartenbaumeister Friedrich Körber gehörte, der 1892 in den Ort gekommen war. Aus England soll der Wasserspeicher ins Deutsche Reich geschafft worden sein. Heute noch liefert der Turm Wasser, doch ob er noch lange steht oder nicht eines Tages zusammenfällt, wissen die Besitzer nicht. Ihn zu sanieren können sie sich jedenfalls nicht leisten. Vor einigen Jahren soll sich die damalige Landwirtschaftsministerin von Sachsen-Anhalt, Petra Wernicke, das denkmalwürdige Bauwerk angesehen haben. Ein Rettungskonzept gibt es bis heute nicht.

Park des Friedens

Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012

"Park des Friedens" klingt schön. Der Ort, der so heißt, ist in der Tat ein ruhiger, friedvoller Platz in Siersleben abseits der Hauptstraße. Das Ensemble aus massiven Ziegelsteinbauten und Holzschuppen ist ein historischer Ort, der vor über 100 Jahren für die Bergarbeiter errichtet wurde, die in den nahen Kupferschächten wie zum Beispiel Paulschacht (seit 1951 Otto-Brosowski-Schacht, Teufe 1900-1906) und Vitzthumschacht (später Ernst-Thälmann-Schacht, Teufe 1906-1909) arbeiteten. Weitere Schächte rund um Siersleben waren: Eduardschacht I und II (bis 1905), Glückhilfschacht (bis 1909), Niewandtschacht I und II (bis 1913).

Zabenstedt (eingemeindet nach Gerbstedt)

Bauermeisters Rittergut

Foto: Martin Schramme | 03.2010 Foto: Martin Schramme | 03.2010 Foto: Martin Schramme | 03.2010 An der Tafel steht: Einigkeit ein festes Band, Hält zusammen Leut und Land.
Der Spruch ist weit verbreitet und u.a. auch am Rathaus von Köthen zu finden.

Im verschlafenen Örtchen Zabenstedt (seit 2010 eingemeindet nach Gerbstedt) befindet sich ein Anwesen, das schon von Weitem ungewöhnlich imposant erscheint. Eine von Sternen durchsetzte gelbe Ziegelsteinmauer umgibt eine großzügige Parkanlage mit diversen Figuren und Schmuckbauten. Im optischen Mittelpunkt steht - ebenfalls gelb geziegelt - eine Villa mit großen Fenstern und einem spitzen Turm. Hinter dem Wohnareal schließt sich ein weitläfiges Gelände mit landwirtschaftlichen Gebäuden an. Alles zusammen war einst Bauermeisters Rittergut.
Gebaut wurde das Anwesen mit Herrenhaus etwa 1875. Das 455 Hektar große Gut wurde nach 1945 im Zuge der Bodenreform verstaatlicht (vergleiche Bodenreform-Schwarzbuch). Nach der Bildung Landwirtschaftlicher Produktionsgenossenschaften (LPG) in den 1950er Jahren nutzte die LPG die Gebäude. Das Herrenhaus beherbergte noch einige Jahre nach der Wende den Kindergarten, der dann aber mangels Kinder geschlossen werden musste.
Johann Louis Adolph Bauermeister (1839-1927) war ein preußischer Rittergutsbesitzer, Unternehmer und Politiker im Deutschen Kaiserreich. mehr
Das Gutsensemble wird seit einiger Zeit restauriert (Stand August 2010). mehr

Betriebe in der DDR (1949-1990)
VEB Kupferbergbau "Otto Brosowski" Gerbstedt
VEB Landtechnisches Instandsetzungswerk (LIW) Gerbstedt (VEB Kombinat LIW Neuenhagen)

Wirtschaft in Gerbstedt vor 1945
Eintrag im Brockhaus-Lexikon von 1894: Gerbstedt (Gerbstädt) hat Landwirtschaft, Ziegeleien und in der Nühe ein Kupferbergwerk.