Bitterfeld (Sachsen-Anhalt)

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Bilder ohne Nachfrage!
letzte Änderung am 30.03.2016

Minol-Tanklager Bitterfeld

Foto: Martin Schramme | 2014 Foto: Martin Schramme | 2014 Foto: Martin Schramme | 2014
Zutritt nur mit Kundenausweis - Einlass von max. 2 Personen je Kundenausweis - kein Zutritt von Personen unter 16 J. - Taschen sind im Fahrzeug aufzubewahren
Foto: Martin Schramme | 2014 Foto: Martin Schramme | 2014 Foto: Martin Schramme | 2014 Foto: Martin Schramme | 2014

An 464 Standorten in Sachsen-Anhalt betrieb der VEB Kombinat Minol Tankstellen und Tanklager. Die Marke Minol wurde 1949 in der DDR initiiert, 1956 wurde das Kombinat gegründet. 1990 erfolgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft, die bis Anfang 1993 bestand. Für ein Drittel des 1990 ermittelten Immobilienwertes des gesamten Netzes (900 Millionen Mark) ging das Minol-Tankstellen- und Tanklagernetz Anfang bis 1994 vollständig an den französischen Mineralölkonzern Elf Aquitaine (Total). Bis 1998 wurden alle Minoltankstellen auf Elf umgeflaggt.

ehemalige Comeniusschule

Foto: Martin Schramme | Juli 2012 Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme

Die denkmalgeschützte ehemalige Comeniusschule samt Turnhalle und Nebengebäuden (rund 5900 Quadratmeter Grundstücksfläche an der Ecke Mittelstraße/Dürener Straße) wurde bis Mitte 2010 genutzt und stand zum Zeitpunkt der Aufnahme im Ende Juli 2012 zum Verkauf.

Klinkerbau 1936

Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme

Dieser Klinkerbau samt Figurengruppen und Sonnenuhr stammt aus dem Jahre 1936.

Chemiefabrik

Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme

Hier handelt es sich offenbar um die Reste eines Chemiebetriebes. Zeitzeugen berichten, dass dort zuletzt die REHA-Abteilung des Chemiekombinates Bitterfeld untergebracht war, in der Reinigungsmittel wie der WC-Reiniger "Cekapur" abgefüllt und konfektioniert wurden. In grauer Vorzeit war das Objekt wahrscheinlich Teil einer Eisengießerei.

VEB Rohrwerke Bitterfeld (ROB)

Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme

Dieser Industriekoloss der ehemaligen Rohrwerke Bitterfeld steht seit Jahren leer und in einem Industriegebiet von Bitterfeld. Ein weiterer Betrieb der Rohrwerke befand sich im nahegelegenen Muldenstein. Dort wurde bis zum Jahr 2000 produziert, doch im Frühjahr 2010 wurden die herrlichen historischen Gebäude abgerissen, damit ein Solarpark entstehen kann.

Gegründet wurde der Rohrleitungsbau 1917 von Ernst Otto Dietrich, der zunächst vor allem das stark expandierende Bitterfeld-Wolfener Industriegebiet mit Rohren versorgte. Das Unternehmen wuchs schnell und wurde 1922 zur Aktiengesellschaft. Ein Jahr später stieg die Mannesmann AG im großen Stil ein und erkaufte sich die Aktienmehrheit. Unter dem neuen Name Deutsche Rohrleitungsbau AG ab 1936 war der Betrieb verstärkt auch im Export tätig.

Nach der Besetzung Mitteldeutschlands durch die Rote Armee und der Verstaatlichung der Unternehmen entstand der Rohrleitungsbau Bitterfeld (ROB), dem 1947 der Rohleitungsbau in Muldenstein angegliedert wurde. 1947/48 entstand auf dem Gelände der ehemaligen Kali-Chemie in Bitterfeld ein zweiter Rohrleitungsbaubetrieb. 1951 wurden beide Rohrleitungsbaubetriebe zum VEB EKM Rohrleitungsbau Bitterfeld verbunden.

Der Rohrleitungsbau Bitterfeld (ROB) war maßgeblich am Aufbau der DDR-Kraftwerkstechnik beteiligt. In Muldenstein und Bitterfeld wurden Hunderte Kilometer Rohre für die Druschba-Trasse von der Sowjetunion über Polen in die DDR gefertigt. Die Rohrleitungsbauer kamen weltweit zum Einsatz unter anderem in Algerien, Finnland, Indien und Nordkorea.

1985 wurde der ROB dem VEB IKR als Betriebsteil zugeschlagen. Nach der Wende wurde der ROB durch die Treuhandgesellschaft an die Liechtensteiner Industrie Union AG verkauft. Ein Fehlgriff, der 270 Arbeitsplätze kostete und das Ende des ROB besiegelte.
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Bahnbetriebswerk Bitterfeld (BW) / Deutsche Reichsbahn

Foto: Martin Schramme Blick auf den bogenförmigen Lokschuppen Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme

1968 wurde das Bahnbetriebswerk (Bw) Bitterfeld dem Bw Halle (Saale) P zugeschlagen.

Konsum-Backwarenkombinat Halle Betrieb Bitterfeld Bäckerei (Karl-Marx-Str. 41a)

Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Hier wurde Mehl gemahlen.
Foto: Martin Schramme Originaldokumente aus dem Konsum-Backwarenkombinat darunter
"DDR Brot-Qualitätsvergleich Brotbeurteilung"

Der Konsum ging 1992 in einem beispiellos skandalösen Abwicklungsprozess in Insolvenz (mehr). Bei der Beschaffung von Bankkrediten scheiterte der schon zu DDR-Zeiten als altbacken empfundene Handelsgigant unter anderem daran, dass ihm nur die Gebäude, nicht aber die Grundstücke gehörten, was in der DDR allgemein üblich war (Stichwort: Volkseigentum).

Luftturm des Kraftwerkes Süd des Chemiekombinats Bitterfeld

Foto: Martin Schramme

Der Luftturm ist der Rest der 2001 abgerissenen Chemiefabrik und gehörte zum Kraftwerkes Süd. Erstmals errichtet wurde sie Ende des 19. Jahrhunderts, als sich gleich mehrere Chemieunternehmen für den Raum Bitterfeld interessierten, weil es dort Kohle, billiges Land und Arbeitskräfte gab. Die Elektron AG aus Griesheim baute ab 1894, die AEG folgte bald darauf. Bis 1900 hatte sich Bitterfeld zum Zentrum der elektrochemischen Industrie in Deutschland entwickelt. Noch vor dem Ersten Weltkrieg trieb die Griesheim-Elektron AG am Standort Bitterfeld die Magnesiumproduktion voran. Mitte der 20er Jahre ging das Unternehmen in den I.G. Farben auf. Nach dem Krieg übernahmen ab dem 1. Juli 1945 zunächst die Russen das Regime. So waren die Elektrochemischen Werke Bitterfeld von 1945 bis 1952 ein Unternehmen der SAG "Kaustik" (SAG = Sowjetische Aktiengesellschaft). Die Geschäftskontakte zu Westdeutschland blieben zunächst bestehen. Von 1946 bis 1969 hieß die Fabrik VEB Elektrochemisches Kombinat Bitterfeld (EKB), von 1969 bis 1990 VEB Chemiekombinat Bitterfeld (CKB = Fusion von EKB und Filmfabrik Wolfen). Hergestellt wurde im EKB unter anderem Aluminium, Chlor, DDT, Eispulver, Kaliumpermanganat, Leichtmetallbaugerüste, Leichtmetalllegierungen, Magnesium, Methylenchlorid, Oxalsäure, PVC-Fußbodenbelag, PVC-Rohre, Salzsäure, Schwefelsäure, Titandioxid, Wasserstoff, Waschmittel und Zahnpasta.
Elektron werden Legierungen aus mindestens 90 Prozent Magnesium und knapp zehn Prozent Aluminium genannt. (weitere Bilder und weitere Informationen)

Molkerei

Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme

Dieses Objekt war zu DDR-Zeiten eine Molkerei. Nach deren Ende waren dort verschiedene Unternehmen tätig, unter anderem ein Dämmstoffhandel und ein Bootsausstatter. Im Herbst 2015 war - nach vielen Jahre des Leerstands und Verfalls und wie schon einmal 2008 - von Abriss die Rede. Die Tageszeitung MZ berichtete am 13. September 2015 über das Vorhaben, dort einen Edeka-Markt zu errichten und am 4. Dezember 2015 darüber, dass der Stadtrat von Bitterfeld-Wolfen dem Vorhaben mit großer Mehrheit zugestimmt hat.

Kulturhaus Bitterfeld (Kulturpalast, KuPa)

Kulturhaus Wilhelm Pieck, Kulturpalast, Kupa, Foto: Martin Schramme, 2014 Kulturhaus Wilhelm Pieck, Kulturpalast, Kupa, Foto: Martin Schramme, 2014 Kulturhaus Wilhelm Pieck, Kulturpalast, Kupa, Foto: Martin Schramme, 2014

Der Kulturpalast (im Volksmund KuPa genannt) wurde als Nationales Aufbauwerk (NAW) von Werktätigen in ihrer Freizeit erbaut und bekam den Namen des ersten Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck. Dort waren und sind noch verschiedene Arbeitsgemeinschaften untergebracht. Es war die Keimzelle des "Bitterfelder Weges". Preiss-Daimler übernahm den KuPa beim Kauf des Industrieparks und betrieb ihn weiter. Seit dem Verkauf des Preiss-Daimler-Industrieparks im Jahr 2014 ist die Zukunft ungewiss.

Betriebe in der DDR
VEB Ausbau Bitterfeld
VEB Baustoffkombinat Bitterfeld
VEB Bergbauersatzteile Bitterfeld
VEB Bitterfelder Brauerei
VEB Bitterfelder Brunnenfilter
VEB Braunkohlenkombinat Bitterfeld
VEB Braunkohlenwerk Einheit Bitterfeld (Betriebe in Borna, Deuben, Großkeyna, Röblingen, Regis)
VEB Chemiekombinat Bitterfeld (Betriebe in Lauta, Bad Köstritz, Nünchritz, Stadtilm, Lichtenberg, Karl-Marx-Stadt, Bernburg, Staßfurt)
VEB Dienstleistungskombinat Bitterfeld
VEB Gleisbau Bitterfeld (VEB Autobahnbaukombinat Magdeburg)
VEB Industrie- und Kraftwerksrohrleitungen Bitterfeld (VEB Kombinat Kraftwerksanlagenbau Berlin)
VEB Industrieanstriche Bitterfeld
VEB Industriebau Bitterfeld (VEB BMK Chemie Halle)
VEB Kartonfabrik Bitterfeld
VEB Kesselbau Bitterfeld
VEB Karosseriebau Bitterfeld
VEB Kreisbaubetrieb Bitterfeld
VEB Kreisbetrieb für Landtechnik Bitterfeld (VEB Kombinat Landtechnik Halle)
VEB Limo Bitterfeld
VEB Maschinenbau Bitterfeld
VEB Maschineninstandsetzung Bitterfeld
VEB Metallbearbeitung Bitterfeld (VEB Kombinat Elektrowaren Halle)
VEB Metallverarbeitung Bitterfeld
VEB Motorinstandsetzungsbetrieb Bitterfeld
VEB OGIS Bitterfeld (OGIS = Obst, Gemüse, industrielle Speisekartoffeln, Betrieb im VEB Kombinat OGS Halle)
VEB Reintex Bitterfeld (VEB Kombinat Hauswirtschaftliche Dienstleistungen Halle)
VEB Rohrleitungen Bitterfeld (VEB Kombinat Fahrzeug- und Fertighausbau Halle)
VEB Rohrleitungsmontagen Bitterfeld (VEB Kombinat Nahrungsmittel und Kaffee Halle, Naka)
VEB Rohrwerke Bitterfeld
VEB Stadtwirtschaftliches Dienstleistungskombinat Bitterfeld
VEB Stahlbau Bitterfeld
VEB Straßen- und Tiefbau Bitterfeld
VEB Tonwaren Bitterfeld (VEB Kombinat Holz- und Kulturwaren Naumburg)
VEB Werkzeuge Bitterfeld (VEB Kombinat Feinmechanische Werke Halle)

Wirtschaft in Bitterfeld vor 1945
Eintrag im Brockhaus-Lexikon von 1894: "Seit Eröffnung der Eisenbahn hat sich in und um Bitterfeld eine lebhafte Industrie entwickelt. Außer Töpferei bestehen 2 Eisengießereien, 2 Maschinenbauwerkstätten, 5 Thonröhren- und Chamottefabriken sowie je 1 Fabrik für Graupen, Schmieröl, Holznägel, Feuerspritzen, Dachpappe, Teer, Pappe; ferner 10 Braunkohlengruben, 7 Briquettesfabriken, 13 Ziegeleien, 2 große Wassermühlen, 1 Dampfschneidemühle und wöchentlicher Getreidemarkt." An den Bahnlinien Berlin-Halle, Berlin-Leipzig, Roßlau-Bitterfeld und Bitterfeld-Stumsdorf.

Eintrag im Volks-Brockhaus von 1936: "Bahnknoten; Braunkohlen; starke Industrie: chemische Betriebe der IG Farbenindustrie"

Begriffslegende
OGS = Obst Gemüse Speisekartoffeln
VEB = Volkseigener Betrieb