Bernburg

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Bilder ohne Nachfrage!
letzte Änderung: 30.03.2016

VEB Autobahnbaukombinat Betrieb Stahlbrückenbau Stahlbauwerkstatt Bernburg (Abriss seit 2014)

Foto: Martin Schramme, 03.2010 Foto: Martin Schramme, 03.2010 Aufschrift aus der DDR-Vergangenheit: VEB Autobahnbaukombinat
Betrieb Stahlbrückenbau Stahlbauwerkstatt Bernburg
Foto: Martin Schramme, 03.2010

Das Autobahnbaukombinat wurde 1969 gegründet. Ein Betriebsteil für den Stahl- und Brückenbau befand sich am Weinberg in Bernburg-Waldau.

Kaufhaus am Kugelweg 4

Foto: Martin Schramme, 03.2010

Im Kugelweg 4 steht dieses bemerkenswerte, denkmalgeschützte Gebäude. Es wurde 1906 erbaut. Das Kaufhaus ist gemäß Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt Band 12 Sachzeuge der Blüte der Bergstadt als Handels- und Wirtschaftszentrum im frühen 20. Jahrhundert. In den 1990-er Jahren war es kurzzeitig als exklusives Handelshaus wiedereröffnet. 2010 stand es bereits seit Jahren leer.

VEB Saalemühle Bernburg

Foto: Martin Schramme, 03.2010 Foto: Martin Schramme, 03.2010 Foto: Martin Schramme, 11.2015 Foto: Martin Schramme, 11.2015 Foto: Martin Schramme, 11.2015 Foto: Martin Schramme, 11.2015 Foto: Martin Schramme, 11.2015

Der Mühlenstandort geht auf die Zeit um 1200 zurück. Das heutige Mühlengebäude wurde 1911 errichtet, war bis 1946 eine Aktiengesellschaft und geh&oouml;rte bis 1989/90 zum VEB Saalemühle Bernburg. Heute ist das Gebäudeensemble in Privathand (seit 2007 Mathias Mönchmeier). Das Unternehmen Wasserkraft Bernburg Mönchmeier GbR produziert Strom aus Wasserkraft. mehr
Literaturhinweis: Ottomar Träger "Wassermühlen im unteren Saaletal. Beiträge zur Mühlenchronik an der unteren Saale. Die Wassermühlen Alsleben, Bernburg, Nienburg, Calbe", 1969

Saatzuchtwirtschaft C. Braune (in der DDR VEG Saatzucht, später KWS Saat AG)

Foto: Martin Schramme, 03.2010 Foto: Martin Schramme, 03.2010 Foto: Martin Schramme, 03.2010 Foto: Martin Schramme, 03.2010 Foto: Martin Schramme, 03.2010

Die 1868 gegründete Saatzuchtwirtschaft C. Braune (Friedrich Carl Braune) war ein bedeutender Pionier-Betrieb zur Vermehrung von Zuckerrüben-Samen. 930 Hektar Land waren bebaut. Ziel der Zucht: Nicht aufschießende Rüben (Literatur: Paul Hillmann "Die deutsche landwirtschaftliche Pflanzenzucht", 1910, Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft Berlin). Bereits 1747 waren erste Erkenntnisse über den Zuckergehalt der Rübe veröffentlicht worden. Erste Anbauversuche erfolgten 1786 in Schlesien, wo dann auch in Cunern die erste deutsche Zuckerfabrik gegründet wurde (erste Rübenzuckerfabrik der Welt). 1796 stellt der Chemiker Franz Carl Achard in Kaulsdorf bei Berlin den ersten aus Rüben gewonnenen Zucker der Welt her. Die erste gezielte Auslese der Rüben nach Gewicht und Zuckergehalt erfolgte 1862 in Klein-Wanzleben. Für den Siegeszug der Rübe hatte Napoleons Kontinentalsperre gesorgt, in deren Folge nicht mehr der bis dahin übliche Rohrzucker aus Übersee nach Deutschland kam. Die höhere Leistungsfähigkeit der deutschen Zuckerwirtschaft war gefragt, als Napoleon die Sperre für Deutschland wieder aufhob und der billigere Rohrzucker mit dem Rübenzucker konkurrierte.

Der abgebildete Speicher wurde später gebaut. Über die Station Bernburg-Waldau ist er an die Eisenbahn angeschlossen. Interessant sind die verwitterten Aufschriften an der Giebelwand. Dort steht der Name der Firma (C. Braune). Erkennbar sind auch die Wortfetzen "...samen" und "...zucht". Von den Bahnschienen aus ist mit technischer Hilfe die verwitterte Aufschrift "Deutsche Saatzucht-Gesellschaft - Saatzuchtbetrieb Bernburg" zu lesen. Außerdem ist eine Parole aus den frühen Kampfzeiten DDR zu sehen ("Eine Kraft für Frieden ..."), wo der Betrieb als Volkseigenes Gut (VEG) Saatzucht Bernburg geführt wurde. Später gehörte der Betrieb zum Kombinat Pflanzenzüchtung und Saatgutwirtschaft Quedlinburg.

Seit 1903 begannen sich die meisten Kleinpächter in Bernburg in Gartenvereinen zu organisieren, allen voran die "Braune'schen Gärten, benannt nach dem Saatzucht-Inhaber Braune.

Papierfabrik

Papierfabrik Bernbrug, Foto: Martin Schramme, 11.2015 Foto: Martin Schramme, 11.2015 Foto: Martin Schramme, 11.2015 Foto: Martin Schramme, 11.2015 Foto: Martin Schramme, 11.2015 Reste einer Hafenanlage an der Papierfabrik in Bernburg, Foto: Martin Schramme, 11.2015

"Gottfried Hopfer und Elise Hopfer erbauten diese Fabrique 1806", steht über dem Portal des ältesten Teils der ehemaligen Papierfabrik in Bernburg an der Saale. Nach dem Tode Hopfers zeigten seine Erben illegale Lumpensammler an, die den Ertrag schmälerten und gegen ein bereits im April 1807 exklusiv vergebenes Privileg verstießen. In der Folge verfügte die Herzoglich Anhaltische Kammer am 29. November 1837, dass nur die Hopferschen Erben in der Stadt Bernburg und den Ämtern Bernburg und Plötzkau Lumpen sammeln dürfen. Allen anderen müssten bei Verstoß mit Geldstrafen rechnen (Quelle: Gesetzsammlung für das Herzogthum Anhalt-Bernburg, Band 5). 1879 ging die Fabrik an die Gebrüder Lange über. Sie erweiterten das Gebäudeensemble durch den Kauf der nahen Handpapiermühle von Hinze und der Glasurmühle der Fayencefabrik von Jannasch. Die Langes bauten zudem ein Wohnhaus. In der Zeit bis zur Enteignung wurde aus Kiefernholz primär Zeitungspapier produziert. 1946 waren in der Papiermühle noch drei Wasserturbinen mit einer Gesamtleistung von 1030 Kilowatt in Betrieb. Allerdings war 1932 eine der drei Francisturbinen durch eine bauähnliche Turbine der Firma B. Maier KG, Brackwede, ersetzt worden. 1972, also im Laufe der DDR-Zeit, wurden die Anlage stillgelegt, weil die Turbinen nach der Modifizierung des Wehrs 1938 gegenüber der auch heute noch erkennbaren Bauform von 1880 zu Schäden und Ausfällen infolge von Materialüberlastungen führte. Anfang der 1990er Jahre, kurz nach dem Ende der DDR (1949-1990), kam das Aus für die Papierfabrik, doch die Turbinen wurden einige Jahre später zur Stromgewinnung reaktiviert. Teile der Fabrik stehen heute unter Denkmalschutz, andere sind abgerissen. Teile der erhaltenen Objekte wurden saniert, andere Teile waren nocch im Herbst 2015 unsaniert und standen leer. In einem der leerstehenden Gebäude musste die Feuerwehr im Jahr 2014 einen Großbrand löschen.

Neue Stephanus Kirche (rote Kirche, Magdeburger Straße in Waldau)

Stephanus Kirche Waldau, Foto: Martin Schramme, 11.2015 Foto: Martin Schramme, 03.2010 Foto: Martin Schramme, 11.2015 Foto: Martin Schramme, 11.2015 Foto: Martin Schramme, 11.2015 Foto: Martin Schramme, 11.2015

Die "Rote Kirche" an der Magdeburger Straße in Bernburg-Waldau wurde nach Entwürfen des Kirchenbaumeisters Johannes Otzen (1839-1911) errichtet und 1894 eingeweiht. Seit Mitte der 1950er Jahre wird sie nicht mehr genutzt. Nach der Wende 1990 kaufte ein Privatmann die Kirche, doch das Gebäude verfiel weiter. 2014 kaufte die Stadt Bernburg den roten Backsteinbau. Obgleich es Entwürfe für den Ausbau zum Senioren- oder Generationenhaus gibt, erwägt die Stadt den Abriss.

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Möbel Bertram

Foto: Martin Schramme, 11.2015 Foto: Martin Schramme, 11.2015

"Complette Wohnungs-Einrichtungen / Möbel Bertram / Complette Möbel-Einrichtungen", erinnerte eine blasse Aufschrift noch im November 2015 an ferne Zeiten. Die Bernburger Wohnstättengesellschaft mbH erklärte im Jahr 2014, das Haus Nienburger Straße 4 im Jahr 2016 sanieren zu wollen und verwies dabei auf Studenten der Immobilienwirtschaft, die an Nutzungs- und Sanierungsplänen arbeiteten. Zur Nutzungsgeschichte hieß es in der Ausgabe 2|2014 des BWG-Magazins "Der Nachbar", dass Ende des 19. Jahrhunderts vor der Möbelhaus-Zeit Luxuswagen in großen Schaufenstern standen. Anbieter der Karossen ohne Motor war demnach der Sattlermeister und Wagenbauer Wilhelm Hebestreit.

Saatzuchtbetrieb Bernburg

Foto: Martin Schramme, 11.2015 Foto: Martin Schramme, 11.2015 Foto: Martin Schramme, 11.2015

Deutsche Saatzucht-Gesellschaft (DSG), 1950 Beginn der Hybridmaiszüchtung in Bernburg

Betriebe in der DDR (1949-1990)
VEB Autosattler Bernburg
VEB Autoservice Bernburg
VEB Backwaren Bernburg
VEB Behälter- und Heizungsbau Bernburg (VEB Kombinat Fahrzeug- und Fertighausbau Halle)
VEB Bernburger Metallwerke
VEB Bernina Bernburg
VEB Chemische Fabrik Bernburg
VEB Dienstleistungsbetrieb Bernburg (VEB Kombinat Hauswirtschaftliche Dienstleistungen Halle)
VEB Draht- und Seilwerk Rothenburg BT Bernburg (VEB Qualitäts- und Edelstahlkombinat Brandenburg)
VEB Eisengießerei Bernburg (VEB Kombinat Musikinstrumente Markneukirchen)
VEB Elektrowärmegeräte Bernburg
VEB Elektrowerkstätten Bernburg (VEB Möbelkombinat Dessau)
VEB Fleischwarengfabrik Bernburg
VEB Funkwerkstätten Bernburg
VEB Getränkefabrik Bernburg
VEB Haushaltselektronik Bernburg (VEB Kombinat Elektrowaren Halle)
VEB Industriebau Bernburg (VEB Bau- und Montagekombinat Chemie Halle, BMK)
VEB Kali- und Steinsalzbetrieb Saale BT Bernburg (VEB Kombinat Kali Sondershausen)
VEB Kaliwerk Bernburg
VEB Kessel- und Rohrreinigung Bernburg (VEB Getränkekombinat Dessau)
VEB Kfz-Instandsetzung Bernburg
VEB Kreisbaubetrieb Bernburg
VEB Landmaschinenbau Bernburg (VEB Kombinat Fortschritt Landmaschinen)
VEB Mechanische Werkstätten Bernburg
VEB Metallstanzerei Bernburg
VEB Metallverarbeitung Bernburg (ab 1984 Metall- und Holzverarbeitung Bernburg, Kombinat Metallwaren Dessau)
VEB Möbel und Innenausbau Bernburg
VEB Papierfabrik Bernburg
VEB Rationalisierung Bernburg (VEB Getränkekombinat Dessau)
VEB Röhrenvereinigung Molch Bernburg (VEB Kombinat Wassertechnik und Projektierung Wasserwirtschaft Halle)
VEB Saalemühle Bernburg
VEB Schlachthof Bernburg
VEB Schuhfabrik Bernia Bernburg, Halleschen Straße 105a (VEB Kombinat Schuhe Weißenfels)
VEB Serumwerk Bernburg (VEB Pharmazeutisches Kombinat GERMED Dresden)
VEB Spiegelchemie Bernburg (VEB Möbelkombinat Dresden-Hellerau)
VEB Spielwaren Bernburg
VEB Spiritus- und Hefefabrik Bernburg (VEB Kombinat Öl und Margarine Magdeburg)
VEB Teerprodukte Bernburg
VEB Vereinigte Mühlenwerke Saalemühlen Bernburg (Kombinat Getreidewirtschaft Halle, Bernburg gehört in der DDR zur Verwaltungseinheit "Bezirk Halle")
Vereinigte Sodawerke Bernburg-Staßfurt (VEB Chemiekombinat Bitterfeld)
VEB Verpackungsmittel Bernburg (VEB Möbelkombinat Dessau)
VEB Zementwerke Bernburg (VEB Zementkombinat Dessau)
Zentralinstitut für Sonderkulturen und Zierpflanzen Bernburg
VEB Ziegelwerke Bernburg
VEB Zuckerkombinat Saale Bernburg, VEB Zuckerfabrik Saale Bernburg
VEG Saatzucht Bernburg (Kombinat Pflanzenzüchtung und Saatgutwirtschaft Quedlinburg)

Bernburgs Wirtschaft vor 1945
aus dem Adressbuch von 1877
Calm & Ahlfeld, Krumbholzstraße 13 (Bankhaus)
Dampfkessel-, Gasometerbau-Anstalt, Schwarzblechwaaren-Fabrik Franz Rothe
Eisengießerei & Maschinenbauanstalt Actiengesellschaft, Mühlstr. 17
Funke & Buchmann Möbelhandlung, Wilhelmstr. 12
Herzogliche Saalmühle, Mühlstr. 16
Maschinen-Strumpf-Strickerei Henriette Greiner, Breitestrasse 104
Nähmaschinenfabrik L. Rosenthal, Krumbholzstr. 1a
Neue Gasactiengesellschaft vor dem Nienburger Thor 5
Papierfabrik Eduard Hopfer, Am Krumbholz
Rohrwaarenfabrik Calm & Ahlfeld, Krumbholzstr. 13
Seifen-Fabrik Gustav Kanzler, Breitestrasse 12
Seifen-Siederei August Hoffmann, Breite Str. 4
Selterswasserfabrik Louis Morgenstern, Breite Str. 105
Siedersleben & Co. (landwirtschaftliche Maschinen)

Eintrag in das Brockhaus-Lexikon von 1894: "Die Industrie erstreckt sich auf Fabrikation von Soda, Kali, Chlorkalium (Deutsche Solvaywerke), von Dampfkesseln, Papier, Zucker, landwirtschaftlichen Maschinen, Kohlensteinen, Cement, Rohrwaren, Cigarren, Zuckerwaren, Konditoreigerätschaften, auf elektrische Telegraphenanlagen, auf Herstellung von Korsetten, Sprit und Liqueuren, Seifen und Federhaltern; außerdem bestehen noch Eisengießereien, Zinn- und Bleiwalzwerke, Färbereien, Spiritusbrennereien, Ziegeleien, Stein- und Kalkbrüche, Mühlen, Wagenbauereien, Ölraffinerie, Dampfschneidemühlen, Buch-, Steindruckereien und lithographische Anstalten. Von großer Bedeutung ist der Getreidehandel und das Bankgeschäft. Gasbeleuchtung, Wasserleitung und Schlachthaus mit Viehhof. An den Linien Cöthen-Aschersleben und Cönnern-Bernburg-Calbe der Preußischen Staatsbahnen."

Eintrag im Volks-Brockhaus von 1936: "Industrie: Kali und Soda."