Aschersleben (Sachsen-Anhalt)

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Bilder ohne Nachfrage!
letzte Änderung: 23.09.2016

Aschersleben ist die älteste Stadt des Landes Sachsen-Anhalt.

Molkerei Aschersleben

Foto: Martin Schramme | 2012 Foto: Martin Schramme | 2012
Milch - Quelle der Gesundheit
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Molkerei, zuletzt Ostharzer Milchwerk e.G.| Im Dezember 2012 war das Objekt schon lange verlassen und stark zerstört durch Vandalismus. Erhalten aber war im Jahr 2012 immerhin noch die wunderschöne Leuchtreklame mit der Losung "Milch - Quelle der Gesundheit" und einer Flasche mit eingestecktem Strohhalm.

Bestehorn Papierwarenfabrik, "Dütenfabrik" (gegr. 1861, Gebäude mit Turm und Dreibogenhaus von 1911)

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1861 startete Heinrich Christian Bestehorn (1831-1907) die Produktion von Papier, Papiertüten und Couverts. Während seiner Kaufsmannslehre hatte er wie viele Kaufsmannsgehilfen im 19. Jahrhundert in Freistunden und nach Feierabend Papiertüten kleben müssen. Aus der lästigen Tätigkeit entstand seine Geschäftsidee. Gemäß dem Adressbuch von 1865 wohnte der Kaufmann in der Liebenwahnschen Vorstadt 987 (1856 war er noch als Seiler und Victualienhändler eingetragen). Im selben Adressbuch war er im so genannten Geschäftsempfehler zu finden: "H.C. Bestehorn, Fabrik von Geschäftsbüchern, Briefcouverts, Cartonagen, ausgeschlagenen (Torten-) Papieren und Düten (Thee, Cartons mit Staniol und chinesischen Etiquetten, Etuis zu Blumensamen-Sortiments, Probekapseln, gefälzte Kapseln, Cigarren-Beutel u.s.w., sämtlich mit Firma, auf eigener Schnellpresse sauber bedruckt). En gros-Lager aller Sorten Post-, Schreib- u. Concept-Papiere, Packpapiere in allen gangbaren Formaten, Rollenpapier in verschiedenen Stoffen und Breiten. Präge-Anstalt. Lager von Copier- und Namenschlag-Pressen." Von der Weltausstellung 1867 in Paris brachte er zwei Couvertmaschinen mit, die ihm eine deutliche Produktionssteigerung ermöglichte. Als Bestehorn seinen Betrieb um 1900 seinen beiden Söhnen übergab, produzierte HCB auch Verpackungen für Colonialwaren (Kaffee, Kakao, Tee, Tabak). Schließlich expandierte der Industrielle aus Aschersleben durch den Zukauf anderer Papierhersteller. Bereits seit 1865 war Bestehorn auch im Buchschnelldruck und der Buchbinderei tätig. Bestehorn-Produkte - dazu gehörten auch Zigarettenschachteln, Plakate und Prospekte - gingen in alle Welt. 1936 war Bestehorn der größte Papierwarenhersteller auf dem europäischen Kontinent und hatte rund 1800 Beschäftigte. 1948 wurde die Fabrik in Aschersleben durch die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) offiziell enteignet. Tatsächlich erfolgte die Verstaatlichung schon eher. Die Produktion wurde weitergeführt. Jetzt waren vor allem Akzidenzien gefragt, darunter Formulare für die SMAD. Ab 1951 hieß der Betrieb VEB Optima. Später wurde er Teil des VEB Kombinat Verpackung Leipzig. In den 1950er und 1960er verarbeitete Optima neben Papier auch Zellglas sowie Aluminium- und Kunststofffolien zu Verpackungsmaterial. 1990 wurde Optima zum Treuhandbetrieb, dort bis 1992 privatisiert und 1996 fast vollständig liquidiert.

Eisenbahner-Denkmal

Foto: Martin Schramme | 2012
Die P8 war hier bis 1971 - Die V118 ist hier seit 1969

Auf einem Erinnerungsstein am Bahnhof von Aschersleben steht: "Die P8 war hier bis 1971 - Die V118 ist hier seit 1969." Abgebildet sind außerdem ein Bahnwärter der eine Laterne schwenkt, ein Flügelrad (Symbol der Deutschen Reichsbahn), zwei Eisenbahner, dei offenbar mit einer Eisenstange die Weiche stellen sowie Dampflok und E-Lok.

Die Personenzug-Dampflokomotive P8 war ursprünglich eine Lokomotive der Preußischen Staatseisenbahn. Die ersten Konstruktionspläne lagen 1906 vor. Gebaut wurde die Lok in den Jahren 1906 bis 1923, die endgültige Ausmusterung fand bei der Deutschen Reichsbahn, also in der DDR, erst 1972 statt. Die P8 war ein einfach strukturierte, sparsame Lokomotive, die an den Lokführer keine großen Anforderungen stellte. Die P8 konnte 320 Tonnen bis zu 100 Stundenkilometer schnell ziehen. Gebaut wurde die Lok von der Berliner Maschinenbau-Actien-Gesellschaft.

Die V118 war die größte in der DDR gebaute Diesel-Lokomotive. Gebaut wurde sie beim VEB Lokomotivbau "Karl Marx" Babelsberg. Die erste Ausführung hatte 2x900 PS starke Motoren und war für eine Geschwindigkeit von 120 Stundenkilometer ausgelegt. Zu den heutigen Museumsstücken der Lok gehören die 118 802 im Museum Bw Leipzig Süd und die 118 586 im Museum Staßfurt.

Samengroßhandlung Otto Just (Samenjust)

Foto: Martin Schramme | 2012 Foto: Martin Schramme | 2012 Foto: Martin Schramme | 2012 Foto: Martin Schramme | 2012 Foto: Martin Schramme | 2012 Foto: Martin Schramme | 2012

Otto Just, Samengroßhandlung, Aschersleben / Eintrag im Adressbuch 1946/47: Otto Just, Samenzüchterei, Weststraße 9-11.
Die Samen-Züchterei Otto Just im Harzland wurde 1878 gegründet. Hauptgeschäft und Gärtnereien befanden sich in Aschersleben. Ein weiterer Firmenstandort war das Rittergut Giersleben. Das Unternehmen war auf die Samenzucht von Futter- und Zuckerrüben spezialisiert. Otto Just (1870-1930) übernahm den Betrieb im Jahr 1900 von seinem Vater Albert Just.

Central-Genossenschaft Halle Saale (später VEAB Aschersleben)

Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme An der Mauer noch gut zu erkennen ist hier die Aufschrift: Volkseigener Erfassungs- und
Aufkaufbetrieb (VEAB) für landwirtschaftliche Erzeugnisse.
Foto: Martin Schramme

Im Sommer 2012 waren die Aufschriften noch gut zu lesen, welche die historische Funktion des Speichergebäudes an der Eisenbahnstrecke verraten: "Centralgenossenschaft Halle/S, Zweigstelle Aschersleben | Volkseigener Erfassungs- und Aufkaufbetrieb (VEAB) für landwirtschaftliche Erzeugnisse".

Wassertürme der Eisenbahn

Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012

Dieser Wasserturm steht am Bahnhof Aschersleben. Dabei handelt es sich um einen Turm mit einem so genannten Klönne-Behälter, benannt nach dem Dortmunder Stahl- und Brückenbauer August Klönne (1849-1908), der die kugelige Wasserbehälterform aus Stahl 1898/99 zum Patent anmeldete. Der Wasserturm wurde offenbar 1914 gebaut, denn diese Jahreszahl steht auf einem Eisernen Kreuz über dem Gebäudeeingang. Der erste Wasserturm mit Klönnebehälter war 1906 in Chemnitz-Hilbersdorf errichtet worden. Zur Landesgartenschau 2010 in Aschersleben sollte der sanierungsbedürftige Turm geschmückt werden, doch die Immobiliengesellschaft der Deutschen Bahn AG, Eigentümerin des Baudenkmals, hatte Sicherheitsbedenken. Es blieb bei Plänen, die unter Beteiligung der Bevölkerung entstanden waren. Im August 2016 wurde der Wasserturm am Hauptbahnhof Aschersleben samt der benachbarten Güterabfertigung auf einer Aktion angeboten für 2000 Euro.

Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012

Ein zweiter Bahnwasserturm steht auf dem Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerkes Aschersleben. Der Turm aus Holz und Stein ist als detailgetreuer Kunststoffnachbau als Modellseisenbahnzubehör zu bekommen. hier

Albert Thiemann Baugeschäft (Bauunternehmer)

Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012

"Albert Thiemann, Inhaber: Otto Thiemann, Baumeister, Baugeschäft, Sand und Kiesgruben, Steinbrücke 27" steht im Adressbuch Aschersleben von 1946/47.
Zu den Bauwerken Thiemanns gehört in Aschersleben das Haus Gottfried-August-Bürger-Straße 4, das unter Denkmalschutz steht. Es wurde 1911 unter Leitung des Bauunternehmers Albert Thiemann erbaut. An der Fassadengestaltung wirkte Stadtbaurat Hans Heckner mit.

Oskar Kaht (Obst, Gemüse, Südfrüchte)

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Speditions-, Fuhr- und Möbeltransportgeschäft Gustav Rabe

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Speditions Fuhr- und Möbeltransportgeschäft Gustav Rabe Inh. Max Rabe Fernsprecher 441 Schwarzbier
Es gab Postkarten von der Ecke "Friedrichstraße"/Bestehornstraße mit einem Eckladen von Gustav Rabe in den Jahren 1902 und 1910.

Stadtansicht Eckhaus Bestehornstr. im Jahr 1910

August-Bebel-Denkmal

Foto: Martin Schramme, 2015

August Bebel (22.02.1840-13.8.1913) "Den Tag möchte ich noch erleben, wo ich Euch das rote Banner zum Sturm vorantragen kann" / An dieser Stelle in einem ehemaligen Arbeiterlokal sprach am 24.2.1900 August Bebel vor 1000 Bürgern.

Betriebe in der DDR (1949-1990)
VEB Abria Aschersleben (VEB Kombinat Holz- und Kulturwaren Naumburg)
VEB Bauelemente Aschersleben
VEB Baureparaturen Aschersleben
VEB Bekleidungswerk Aschersleben
VEB Betonsteinwerk Aschersleben
VEB Briefmarkenalben-Verlag, Aschersleben, Johannisplatz 2 (Abria)
VEB Dienstleistungsbetrieb Aschersleben (VEB Kombinat Hauswirtschaftliche Dienstleistungen Halle)
VEB Fleischkombinat Aschersleben
VEB Förderausrüstungen Aschersleben (VEB Schwermaschinenbau-Kombinat TAKRAF Leipzig)
VEB Gebäudewirtschaft Aschersleben
VEB Geologische Ausrüstungen und Reparaturen Aschersleben
VEB Getreidewirtschaft Aschersleben (VEB Kombinat Getreidewirtschaft Halle)
VEB Gewürzmühle Aschersleben (VEB Kombinat Nahrungsmittel und Kaffee Halle, Naka)
VEB Größhandel OGS Aschersleben (VEB Kombinat OGS Halle)
VEB Holzverarbeitung Aschersleben (VEB Möbelkombinat Dessau)
VEB Industrie- und Rohrleitungsanlagen Aschersleben (VEB Kombinat Fahrzeug- und Fertighausbau Halle)
Institut für Phytopathologie Aschersleben (Akademie der Wissenschaften, Biologische Zentralanstalt Aschersleben)
VEB Karosseriewerk Aschersleben (VEB IFA-Kombinat Spezialaufbauten und Anhänger / VEB IFA-Kombinat Nutzkraftwagen)
VEB Kfz-Instandhaltung Aschersleben
VEB Kindermoden Aschersleben (KIMO, VEB Kombinat Oberbekleidung Lößnitz)
VEB Konservenfabrik Aschersleben
VEB Kreisbaubetrieb Aschersleben
VEB Kürschner Aschersleben (VEB Kombinat Holz- und Kulturwaren Naumburg)
VEB Majoranwerk Aschersleben, Geschwister-Scholl-Straße 101 (VEB Kombinat Nahrungsmittel und Kaffee Halle, Naka)
VEB Optima Großdruckerei und Papierverarbeitungswerke, Aschersleben, Wilhelmstraße 21/30 (ehemals Bestehorn, VEB Kombinat Verpackungen Leipzig)
Planungsbüro für Bautechnik und Gebäudeausrüstung (kein VEB)
VEB Rohrleitungsbau Aschersleben (VEB Kombinat Kraftwerksanlagenbau Berlin)
VEB Stahlkonstruktion Aschersleben
VEB Trocknungswerk Aschersleben (VEB Zuckerkombinat Saale in Bernburg)
VEB Volltuch Aschersleben
VEB Wasseraufbereitungsanlagen Aschersleben
VEB Werkzeugmaschinenfabrik Aschersleben, Wilslebener Straße (VEB Werkzeugmaschinenkombinat "Fritz Heckert" Karl-Marx-Stadt)
VEB Wolldeckenfabrik Aschersleben (VEB Kombinat technische Textilien Karl-Marx-Stadt)
VEB Zerspanung Aschersleben
VEB Zifferndruckwerke, Aschersleben, Graben 33 (VEB Kombinat Feinmechanische Werke Halle)
VEG Pflanzenzüchtung Betrieb Aschersleben (VEB Kombinat Pflanzenzüchtung und Saatgutwirtschaft Quedlinburg)

Wirtschaft und Leben in Aschersleben vor 1945
Eintrag im Brockhaus-Lexikon von 1894: An der unweit der Stadt zur Wipper gehenden Eine und den Linien Halle-Vienenburg-Clausthal und Cöthen-Aschersleben der Preußischen Staatsbahnen. Zoll- und Steueramt erster Klasse und Eisenbahnbauinspektion, Post erster Klasse, Telegraph mit Fernsprecheinrichtung, Gas- und Wasserleitung. Fabrikation von Maschinen, Blech-, Papier- und Wollwaren (Decken und Flanelle), Chemikalien, Zündhözern, Zucker, Knochenkohlen; Eisengießerei, Dampfziegeleien, Brauereien, Wasser- und Dampfmühlen, zwei Braunkohlengruben, Kalisalzwerk (Aktiengesellschaft), bedeutenden Acker- und Gartenbau, Samenzucht (Zwiebeln, Zucker- und Mohrrüben), Ausfuhrhandel mit Getreide und Kartoffeln. Ungefähr zwei Kilometer unterhalb der Stadt an der Eine das 1881 angelegte Solbad Wilhelmsbad.

Eintrag im Volks-Brockhaus von 1936: Kali-Bergbau, Samenzucht und -handel