Arnstadt

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Fotos ohne Nachfrage!
letzte Änderung: 29.03.2016

Hofbrauhaus Otto Bahlsen AG (1883, 1901, 1907)

Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014

An den Brauerei-Gebäuden sind drei Jahreszahlen zu finden: 1883, 1901 und 1907. Neben der Jahreszahl 1907 am Hauptgebäude ist das Kürzel "OB" zu finden. Es steht für Brauereibesitzer Otto Bahlsen aus Pforzheim, der 1881 das Bürgerrecht von Arnstadt erhielt. Schon im November 1894 bekam das Unternehmen eine elektrische Beleuchtung. Es gehörte damit in Arnstadt zu den ersten Nutzern der neuen Technik. 1910 stellte Helene Bahlsen, die Witwe von Brauereibesitzer Otto Bahlsen, Arnstädtern Land zur Verfügung, worauf die den Kleingartenverein "Bahlsen" gründeten. Im Oktober 1914 übergaben die Geschwister dem Magistrat 10.000 Mark als Stiftung im Andenken an ihre Eltern Otto und Helene Bahlsen. Die Zinserträge der Stiftung sollten armen Alten zukommen. 2003/2004 erarbeitete das Architekturbüro Ungethüm & Winkelmann ein Nutzungskonzept für das Objekt. Wohn- und Gewerberäume sollten entstehen. 2014 war die Brauerei jedoch noch immer dem Zahn der Zeit ausgesetzt.

1878 gab es in Arnstadt die Brauereien Unbehaun (später Bahlsen), Dietz, Freiboth, Gräser, Heinemann, Kürsten, Mergell und Schmidt. Seit 1883 war die Brauerei Bahlsen vor dem Riedtor. 1900 waren noch Dietz, Gräser, Heinemann, Bahlsen, Kürsten und Mergell im Rennen. Zu der Zeit hatte Witwe Helene Bahlsen die Leitung, die selbst 1913 verstarb. Schließlich übernahm Sohn Friedrich Bahlsen die Direktion der Brauerei. 1907 stieg Sohn Robert Bahlsen als Technischer Leiter ds Fürstlichen Hofbrauhauses ein. 1911 wurde das Hofbrauhaus zur Aktiengesellschaft. 1915 gab es nur noch drei Brauereien: Bahlsen (inzwischen Aktiengesellschaft), Mergell (Felsenkellerbrauerei) und Kürsten. 1921 vereinigten sich die Brauereien Bahlsen und Mergell (Mergell-Bahlsen GmbH). 1930 verschwand der Name Bahlsen aus dem Firmennamen, nachdem man wieder getrennte Wege ging und Bahlsen im Riebeck in Erfurt kooperierte. 1955 geriet Mergell in die Treuhandverwaltung der DDR, 1958 war die Verstaatlichung zum VEB Felsenkeller-Brauerei Arnstadt vollzogen. In der DDR oblag die Produktion und Vermarktung der Biere aus Arnstadt dem VEB Brauhaus Felsenkeller Arnstadt, der zuletzt dem VEB Getränkekombinat Erfurt zugeordnet war.

Filmtheater Merkur

Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014

Im Sommer stand nur noch das Vorderhaus des ehemaligen Lichtspieltheaters Merkur. Der rückwärtige Teil wurde Anfang des Jahres abgerissen, wie es hieß aus Sicherheitsgründen. Im Herbst 1927 hatte Johannes Mohr das Kino erstmals aufgemacht. Damals als IMA-Lichtspiele.

alter Speicher

Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014

An diesem ehemaligen Speichergebäude warnte die DDR vor dem größten Problem: Feuer. Nur noch teilweise zu lesen ist der Spruch: "Es darf nicht brennen! Schluderei, Nachlässigkeit und Leichtsinn!"

Wasserturm am Bahnhof Arnstadt

Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014

Seit 1924 war der Bahnhof Arnstadt Hauptbahnhof. Denn Fernzüge hielten dort, darunter der Fernzug von Berlin über Stuttgart und Zürich (Schweiz) nach Rom (Italien). 1938 bekam die Deutsche Reichsbahn den Lütsche-Stausee, um die Wilde Gera ausreichend mit Wasser zu versorgen, damit die Wassertürme in Gera und Arnstadt die Dampflokomotiven mit genügend weichem Wasser versorgen können.

Milchhof Arnstadt (Milchhof GmbH, 1928-1940, Bauhaus-Stil)

Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014

Der gebürtige Frankfurter Heinrich Martin Schwarz (1885-1945) zog nach seinem Architekturstudium nach Arnstadt. In der Bachstadt war er sehr aktiv. Er lieferte die Pläne unter anderem für die Synagoge (Krappgartenstraße), das Verlags- und Druckereigebäude der Zeitung "Arnstädter Anzeiger", das Restaurant "Zur Post" (Erfurter Straße 24), das Reformreal-Gymnasium und den Milchhof. Der Milchhof ist ein Bauwerk im Bauhaus-Stil aus dem Jahr 1928. Seit 1950 war der Betrieb Genossenschaftsmolkerei. Im Branchenfernsprechbuch von 1987 ist der Milchhof Arnstadt mit folgenden Daten eingetragen: VdgB Molkerei und Käsewerk e.G. Arnstadt, zugeordnet dem VEB Kombinat Milchwirtschaft Erfurt, Produktionsprogramm: Trinkmilch, Sahne, Frischkäse, Joghurt, Schnittkäse. In der Quenselstraße (altes Milchhofgebäude) befanden sich Betriebsleitung und Verwaltung. 2008 gab es heftigen Streit um Abriss oder Erhalt des Gebäudes Quenselstraße 14. Im Sommer 2014 stand es aber noch. Seit Ende 2014 ist der Milchhof Arnstadt im Besitz der Baudenkmal Milchhof Arnstadt GmbH, die sich zum Ziel gesetzt hat, das Gebäude denkmalgerecht wiederherzustellen. Im Blick haben die Denkmalretter dabei das Bauhaus-Jubiläum im Jahr 2019.

Geschichte von Arnstadt

Wasserturm auf dem Arnsberg

Foto: Martin Schramme, 2014

1926/27 wurde der mächtige, 27,5 Meter hohe und 17 Meter dicke Wasserturm von der Firma Lotz & Gerhardt auf dem Arnsberg errichtet. Bis 2002 diente der Stahlbeton-Turm als Vorratsspeicher und Ausgleichsbehälter. 2007 erwarb die ProWohn Immobilien AG das Objekt und plante nach einem verworfenen Hotel-Projekt ab 2010 die Sanierung und Nutzung als Wohnturm. Sieben große Eigentumswohnungen entstanden.

F. Herbst & Co., Hallesche Teigteil-, Knet- und Mischmaschinenfabrik

Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014

Friedrich Herbst erfand 1874 die Teigteilmaschine und trieb so die Mechanisierung des Bäckerhandwerks voran. Sein Werk in Halle an der Saale wuchs. 1924 hatte sein Unternehmen eine Belegschaft von 350 Leuten. Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) wurde die Firma Herbst enteignet. Eintrag im Halleschen Adressbuch von 1941: "E. Herbst & Co. K.-G., Bäckerei- und Konditoreimaschinenfabrik, Blumenstr. 17". Im selben Adressbuch ist auch Friedrich Herbst zu finden mit der Halleschen Bäckereimaschinen-Vertriebs-Gesellschaft in Diemitz, Otto-Stomps-Straße 91-100. Die Herbst Maschinenfabrik befindet sich seit 1998 in Buxtehude (Westdeutschland). In Arnstadt steht eine Teigknetmaschine der Firma Herbst vor einer Bäckerei unweit des Bahnhofs.

Die Teigknetmaschine von Arnstadt trägt die Patentnummer 4689, angemeldet beim Deutschen Reichspatentamt. 1913 meldete Richard Herbst aus Halle eine Mix- und Knetmaschine zum Patent an.

Betriebe in der DDR
VEB Anhängerbau Arnstadt (Kombinat Maschinenbau Arnstadt)
VEB Arnstädter Handschuhfabrik, Rosenstraße 19/23 (VEB Kombinat "Sponeta" Schlotheim, Straßenhandschuhe, Sporthandschuhe, Arbeits- und Arbeitsschutzhandschuhe, Konfektionserzeugnisse)
VEB Arnstädter Mützenfabrik
VEB Artas Arnstadt / VEB Taschenlampenwerk Artas / VEB Arnstädter Taschenlampenwerk (VEB Kombinat NARVA "Rosa Luxemburg" Berlin)
VEB Autodienst Arnstadt
VEB Bäckereimaschinen Arnstadt
VEB Backwarenfabrik Arnstadt
VEB Bekleidung und Handschuhfabrik Arnstadt
VEB Bitumen Arnstadt (VEB Kombinat Chemisch-Technische Erzeugnisse Gotha)
VEB Bleikristall Arnstadt (VEB Kombinat Lausitzer Glas Weißensee)
VEB Brauhaus Felsenkeller Arnstadt (VEB Getränkekombinat Erfurt)
VEB Braunsteinwerk Arnstadt
VEB Büromöbel Arnstadt
VEB Chemieanlagenbau
VEB Dienstleistungsbetrieb Elektric Arnstadt (VEB Kombinat Hauswirtschaftliche Dienstleistungen Erfurt)
VEB Edelglas Arnstadt
VEB Eisenwerk Arnstadt (VEB Kombinat GISAG)
VEB Elektrobau Arnstadt (VEB Kombinat Elektrogeräte Apolda)
VEB Feinmechanik Arnstadt
VEB Fernmeldewerk Arnstadt (ehemals Siemens und Halske AG Berlin, Betrieb im VEB Kombinat Nachrichtenelektronik - Kombinatssitz bis 1986 Leipzig, dann Berlin)
VEB Fleischereimaschinen Arnstadt (VEB Kombinat Nagema Dresden, Nagema = Nahrungsgenussmittelmaschinenbau)
VEB Funkwerk Arnstadt (VEB Kombinat Nachrichtenelektronik - Kombinatssitz bis 1986 Leipzig, dann Berlin)
VEB Gesellschaftbau Arnstadt (VEB Wohnungsbaukombinat Erfurt)
VEB Hebezeuge Arnstadt
VEB Holzverpackung Arnstadt (VEB Kombinat Schnittholz und Holzverarbeitung Erfurt)
VEB Holzwaren Arnstadt
VEB Hornwaren Arnstadt
VEB Kfz-Instandsetzung Arnstadt
VEB Konditorei- und Backwaren Arnstadt (VEB Kombinat für Konditorei- und Backwaren Erfurt)
VEB Kristall Arnstadt
VEB Kunstgewerbliche Puppengestaltung Arnstadt
VEB Kunstglas Arnstadt
VEB Lederhandschuhfabrik Arnstadt
VEB Lederwerk und Wäscherei Arnstadt (VEB Kombinat Hauswirtschaftliche Dienstleistungen Erfurt)
VEB Leuchtenbau Arnstadt
VEB Malzfabrik Arnstadt
VEB Metallbau Arnstadt (VEB Kombinat Schuhe Weißenfels)
VEB Möbelwerk Arnstadt / VEB Möbel und Plaste Arnstadt (VEB Thüringer Möbelkombinat Suhl)
VEB Modehandschuhe Arnstadt
VEB Modetreff Arnstadt / VEB Modetreff Thüringen Arnstadt (VEB Kombinat Oberbekleidung Erfurt)
VEB Mühle Drei Gleichen Arnstadt (VEB Kombinat Getreidewirtschaft Erfurt)
VEB Nachrichtenelektronik Ernst Thälmann Arnstadt (VEB Kombinat Nachrichtenelektronik - Kombinatssitz bis 1986 Leipzig, dann Berlin)
VEB Rationalisierungsmittelbau Arnstadt
VEB Reparaturwerk Arnstadt
VEB Schaltgerätewerk Arnstadt
VEB Schlacht- und Verarbeitungsbetrieb Arnstadt (VEB Fleischkombinat Erfurt)
VEB Schuhmaschinenbau Arnstadt
VEB Sportbekleidung Arnstadt (VEB Kombinat Oberbekleidung Erfurt)
VEB Stahlbau Arnstadt
VEB (K) Stanzmesserfabrik Arnstadt (seit 1955, vorher Leistenfabrik Hugo Barth)
VEB Stoffdruckerei Arnstadt
VEB Waagenfabrik Arnstadt
VEB Waffelfabrik Arnstadt
VEB Wellpappenwerk Arnstadt
VEB Kombinat Maschinenbau Arnstadt

Quellen
Thüringer Allgemeine

Legende DLK = Dienstleistungskombinat
VEB = Volkseigener Betrieb

Wirtschaft vor 1945
Neue Arnstädter Schuhfabrik Max Vogel, Arnstadt

Eintrag im Brockhaus-Lexikon von 1894: "Fabrikation von Handschuhen, Brückenwagen, Wagen, Feuerspritzen, Schläuchen, Farben, Hüten, Schuhen, Körben, Porzellan (Fabrik bei Plaue); Gerbereien, Brauereien, Handelsgärtnerei; Handel mit Getreide und Holz; Solbad mit Einrichtungen für Dampf- und Fichtennadelbäder."

Eintrag im Volks-Brockhaus von 1936: thüringische Industriestadt an der Gera (Handschuhe, Schuhe, Kunstseide, Maschinen).