Allstedt (Helme)

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Bilder ohne Nachfrage!
letzte Änderung: 29.10.2015

Beyernaumburg

Schloss, Burg und Schlosspark Beyernaumburg

Foto: Martin Schramme | 04.2011 Foto: Martin Schramme | 04.2011 Foto: Martin Schramme | 04.2011
Foto: Martin Schramme | 04.2011 Foto: Martin Schramme | 04.2011

Schloss, Burg und Schlosspark in Beyernaumburg sind ein stiller, versteckter Ort und ein echter Geheimtipp für romantisch veranlagte Menschen. Im Park befindet sich ein kleiner Waldfriedhof. Ein Grabstein ist den Bewohnern des Pflegeheimes gewidmet, das sich von 1945 bis 1959 im Schloss befand. Zur Erinnerung an 200 Heimatvertriebenen wurde der Stein Mitte der 1990er Jahre aufgestellt.
Vier kleine Grabplatten, davon eine mit Reichsadler, sowie ein großes Kreuz und eine weitere, sehr große, gusseiserne Grabplatte sind der Familie der ehemaligen Schlossherren gewidmet. Folgende Namen sind auf der großen Grabplatte zu finden: Friedrich von Bülow (16.06.1760 - 4.7.1831), Julius von Bülow (13.1.1795 - 24.7.1832), Clara von Bülow geborene von Nostitz und Jänkendorf (29.12.1799 - 11.2.1882), Georg von Bülow (25.7.1827 - 13.5.1896), Victor von Bülow (7.5.1823 - 7.12.1897), Clotilde von Bercken geborene von Bülow (26.9.1825 - 18.12.1903), August von Bercken (28.7.1826 - 9.4.1900). Die Namen befinden sich rechts und links eines erhabenen Kreuzes. Die eigentlichen Besonderheiten der Grabstätte sind erst auf den zweiten Blick zu sehen. Die Grabplatte ist etwa mittig quer geteilt, wobei die obere Hälfte die untere überlappt. Direkt oberhalb der Überlappung befinden sich ganz rechts und ganz links Ösen. Die Grabplatte ist also offenbar die Tür zu einer Gruft, die sich zumindest halbseitig öffnen ließ. Dass sich unterhalb des Grabhügels ein Hohlraum befindet, ist auch an einer gemauerten Entlüftung zu sehen, die sich am oberen Ende des Grabhügels befindet.
Die von Bülows sind Mecklenburgischer Uradel mit gleichnamigem Stammhause bei Rehna. Und das sind die Geschichten hinter den Namen auf der gusseisernen Grabplatte: Friedrich von Bülow hieß mit vollem Name Friedrich Gottlieb Julius von Friedrich von Bülow und besass eine unter seinen Zeitgeossen berühmte Sammlung von mehreren Zehntausend Büchern. Darunter stammten etliche aus der ehemaligen Benediktiner-Bibliothek vom Petersberg in Erfurt. Friedrich ließ auch einen ersten Schlosspark anlegen.
Julius von Bülow war der Sohn von Friedrich und der Mann von Clara von Bülow geborene von Nostitz und Jänkendorf. Mit ihr hatte er sechs Kinder - Hedwig, Victor, Richard, Clotilde, Georg und Julius -, von denen drei (Georg, Victor, Clotilde) in der selben Gruft liegen.
Vor der gusseisernen Grabplatte steht ein steinernes Kreuz, vor dem wiederum vier pultartige Grabplatten aufgestellt sind. Nur die rechte wird von einem Adler gekrönt. Auf ihr steht: "Die auf den Herren harren kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler - Georg Wilhelm von Bülow - geb. 8. Mai 1919 - gest. 21. Febr. 1935." Der Spruch ist ein Bibelspruch aus dem Jesaja 40:31. Auf den drei anderen Steinen steht von links beginnend: (1) Elisabeth von Bülow - geb. 17. Mai 1906 - gest. 10. Mai 1945 - Fürchte Dich nicht, ich bin bei Dir. (Elisabeth war die Tochter von Wilhelm Freiherr von Bülow und Marie Freifrau von Bülow und wurde in Beyernaumburg geboren.) (2) Hier ruht in Gott Wilhelm Freiherr von Bülow - geb. 8. August 1867 - gest. 12. Oktober 1935 - Du sollst Deinen Nächsten lieben als Dich selbst. (3) Hier ruht in Gott Marie Freifrau von Bülow geb. von Bülow - geb. 26. Dez. 1881 - gest. 18. März 1942 - Lobe den Herrn meine Seele. (Marie wurde in Schwerin geboren.)

Wie die Mitteldeutsche Zeitung (MZ) 1994 berichtete, legte Ulrike von Heimendahl aus Krefeld am Grab ihres Großvaters (von Bülow) regelmäßig Blumen nieder.

Beyernaumburg war einst der Standort einer Burg, die nur noch in Teilen steht. Im Original erhalten ist allein der Burgfried. Die Burg war Reichsburg und Grafenburg. Von 1308 bis 1312 besetzten die letzten Tempelritter die Burg. Die von Bülows übernahmen die Burg 1653 von den Grafen von der Asseburg, die seit 1430 dort residiert und geherrscht hatten. Die Bülows bauten die Burg in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts um. "Victor von Bülow erbaut 1865" steht an einem Flügel des Schlosses. Am Schloss befinden sich zwei Wappen, wobei an einem die Jahreszahl 1862 auftaucht. Das linke Wappen zeigt einen Pirol seitlich mit erhobenen Flügeln über einem Harnisch und einem Schild mit 14 Kugeln (4 4 3 2 1), das rechte hat auf dem Schild statt der Kugeln drei diagonale Bänder.
1945/46 wurden die Herren enteignet und flüchteten nach Westdeutschland. Schloss- und Burganlagen wurden erst als Pflegeheim, ab Ende der 1950er Jahre vollständig durch eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) genutzt. Nach dem Ende der DDR 1989/90 wurde das Schloss zeitweise als Seniorenheim genutzt. Inzwischen sind die Insassen in einen benachbarten Neubau umgezogen.

Bemerkenswert ist auch der Schlosspark. Eduard Petzold (1815-1891), ein Gartenkünstler und Schüler Fürst Pückler-Muskaus, hat ihn 1864 gestaltet. Die genannte Jahreszahl ist auch am Zugangstor zu finden. Er war unter anderem Garteninspektor in Muskau und Hofgärtner in Weimar.

Malzfabrik Allstedt (Helme), VEB Getränkekombinat Dessau

Foto: Martin Schramme | 04.2011 Foto: Martin Schramme | 04.2011 Foto: Martin Schramme | 04.2011
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Zwei Aufschriften sind am Gebäudekomplex der ehemaligen Malzfabrik in Allstedt zu erkennen: Goldene Aue Malzwerke GmbH (Sangerhausen) und Pilzfarm.
Die Malzfabrik wurde 1885 gegründet als Malzfabrik Allstedt Rudolph Grosse & Co. Aktiengesellschaft. In der DDR gehörte die Malzfabrik zuletzt zum VEB Getränkekombinat Dessau.

In den kühlen Kellern der stillgelegten Malzfabrik betrieb Birgit Hanisch nach der Wende eine "Pilzfarm". Dort wurden tonnenweise Champignons geerntet. Nach einem Bericht der "Mitteldeutschen Zeitung" kamen im Rekordjahr 2008 insgesamt 370 Tonnen Pilze zusammen.

Nienstedt

Schacht Nienstadt | Bernard-Koenen-Schacht II (Halde und Bergwerk, 1956-1990)

Foto: Martin Schramme | 04.2011
Förderturm und Halde
Foto: Martin Schramme | 04.2011 Foto: Martin Schramme | 04.2011 Foto: Martin Schramme | 04.2011
Weichwasser und Rohwasser

Der Bernhard-Koenen-Schacht II wurde ab 1956 als Wetter-, Flucht und Förderschacht geteuft, 1961 in Betrieb genommen, 1964 mit dem Name Bernhard Koenen versehen und im Sommer 1990 stillgelegt. Ein Jahr später war auch im Schacht I in Niederröblingen Schluss. 1959 erfolgte der Durchbruch zum benachbarten Bernhard-Koenen-Schacht I. Erhalten sind bis heute Teile des 51 Meter hohen Förderturms und die rund 100 Meter hohe Abraumhalde (siehe Fotos).

interessante Seite zum Schacht

Betriebe in der DDR
VEB Kupferkesselwerk Allstedt (KKW)
VEB Kupferwerk Allstedt
VEB Malzfabrik Allstedt (VEB Getränkekombinat Dessau)
VEB Metallwerke Allstedt, Fleckenweg 3 (Betrieb des VEB Kombinat NAGEMA Dresden)

Wirtschaft in Allstedt vor 1945
Malzfabrik Allstedt Rudolph Grosse & Co. AG

Eintrag im Brockhaus 1894: bedeutende Landwirtschaft, Zuckerfabrik (1855 erbaut, 1940 stillgelegt), Malzfabrik (1885 gegr.), Aktien-Bierbrauerei Allstedt.