Artefakte - Denkmale der Geschichte

217 Orte auf einen Blick - letzte Änderung am 22.01.2017
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Projekt Artefakte Mitteldeutschland: Hintergründe & Grundsätze

Mitteldeutschland war einst die Industrie- und Kulturregion des Deutschen Reiches - wie das Ruhrgebiet. Wegen der vergleichsweise langsamen Modernisierung der Anlagen und der niedrigen Reinvestitionsquote sowie der im internationalen Maßstab mittelmäßigen Arbeitsproduktivität in der DDR (1949 bis 1990) blieben die Großbetriebe oft inklusive ihrer technischen Anlagen zum Teil aus 1920er/1930er Jahren bis 1990 erhalten. Der massive Umbruch seit der Angliederung der DDR an die Bundesrepublik Deutschland hat aus verschiedenen Gründen die massenhafte Stilllegung dieser DDR-Wirtschaftsbetriebe bewirkt. So wurden die Industriebrachen seit Mitte der 1990er Jahre immer zahlreicher. Wie Zeugnisse aus einer anderen Zeit stehen sie herum und verfallen und noch immer sind die Bestände beachtlich, wenn man bedenkt, dass viele Anlagen bereits abgerissen wurden (Stand: 2010 bis 2014). Neben vielen traurigen Beispielen gibt es hier und da aber auch Hoffnung, Vereine und Initiativen, die die Rettung alter Bauwerke vorantreiben. Leider ist es in vielen Fällen ein Wettlauf mit der Zeit gegen Schrottdiebe, Randalierer, abrisswütige Politiker und Unternehmer und den Zahn der Zeit, damit wenigstens ein paar Bilder an das erinnern, was einst mit viel Schweiß, Blut, Geld und Ressourcen errichtet wurde.

Epochen des Bauens
Kaiserzeit: Mit dem um 1850 einsetzenden Industriezeitalter und der in den 1880er Jahren folgenden Gründerzeit erlebte Deutschland eine Zeit des beispiellosen Wachstums. Bahnbrechende Erfindungen, neue Technologien sowie mehr politische und wirtschaftliche Freiheit fanden ihren Ausdruck in prächtigen Unternehmungen. Stolz und Macht der neuen Zeit mischten sich mit den Insignien des Kaisertums. Großunternehmer waren nun die Fürsten der neuen Zeit und stellten ihren Einfluss und Reichtum gern zur Schau. Die führenden Unternehmer und ihre Architekten ließen Fabriken errichten, deren Kubatur an Burgen und Schlösser erinnert. Allein die Baustoffe entsprachen der industriellen Massenfertigung, so dass Ziegelsteine, vor allem rote und gelbe, in großer Zahl zum Einsatz kamen. Fabriken waren nicht nur Produktionsstätten, sondern Landmarken, Machtzentren, Leistungsschau oder wie Wolfgang Ebert und Achim Bednorz in einem Buchtitel schrieben "Katherdralen der Arbeit". Noch war Deutschland ein Kaiserreich, auch im Industriebau.

Weimarer Republik: Ziegel zu fertigen und Mauern hochzuziehen, war aufwädig. Beton, Stahl und Glas versprachen schnelleres Bauen. Je besser man die Herstellung dieser Materialien beherrschte, desto mehr kamen sie in Betracht, um sie anstelle der Ziegel zu verwenden. Schließlich trugen Architekten einen erheblichen Teil dazu bei, Bauwerke mehr und mehr auf ihre Funktionalität zu reduzieren. Zweckbauten entstanden, wobei das Bauhaus in Dessau den Trend wesentlich bestimmte. Die nach dem Ersten Weltkrieg zur Weltmacht aufstrebendne Vereinigten Staaten von Amerika wurden zudem mehr und mehr zum Trendsetter. Der alte Kontinent (Europa) schaute nun zunehmend auf den neuen.

Nationalsozialismus: An der Ästhetik der Bauhäusler schieden sich schon in den 1920er Jahren die Geister. Wo die einen die sinnvolle und formschöne Beschränkung auf das Wesentliche sahen, spotteten andere über eintönige Hässlichkeit. Bei den Nationalsozialisten war Bauhaus verpönt. Nicht nur der Baustil selbst war der Grund dafür. Vielmehr waren auch die internationalen Verbindungen bis nach Moskau (jüdisch-bolschewistisch) und New York (jüdisch-plutokratisch) suspekt. Das NS-Regime fand stattdessen Gefallen an monumentalen Bauwerken und tendierten bei deren Ausstattung zu kitschigem Pomp. Waren die Bauten der Kaiserzeiten für Jahrhunderte gebaut, so war nun das Tausendjährige Reich der Maßstab. Dafür griffen die Nazis bevorzugt zu Granit und Travertin und mehr als ihre Vorgänger zu Stahlbeton.

Sozialismus: Die DDR definierte sich als antifaschistischer Staat, begann jedoch zunächst ebenfalls mit monumentalem Bauen, denn bis zu seinem Tod 1953 war Stalin, der Staatschef der Sowjetunion und dessen Architekturgeschmack das Maß aller Dinge. Doch nach den Zerstörungen des Krieges, den Verheerungen durch umfangreiche Demontagen im Zuge der Kriegsreparationen, durch den Verlust zahlreicher Fachkräfte und technischer Dokumentationen an die US-Amerikaner, die anhaltende Abwanderung in den Westen und die durch den Verlust der deutschen Ostgebiete und die Trennung von den Wirtschaftszonen Westdeutschlands waren Mittel und Materialien begrenzt, um Neues zu bauen. Daher war die DDR in großen Teilen auf die Reaktivierung der alten Betriebe angewiesen. Bis zum Ende 1990 galt das für weite Teile der DDR-Wirtschaft, die inzwischen musealen Charakter hatte. Freilich begann auch die DDR schrittweise Neubauten zu errichten. Dabei bediente sie sich der schlichten und vergleichsweise preiswerten Plattenbauweise. Im Vordergrund stand nun wieder der Zweck der Bauwerke, weniger ihre Ästhetik. Dass sich die Bauherren dieses Defizits jedoch von Anfang an bewusst waren, zeigt sich an den intensiven Bemühungen, die Neubauten durch "Kunst am Bau" − oft Keramiken und Plastiken − optisch aufzuwerten. Für die historische Substanz waren die Materialengpässe in der DDR Fluch und Segen zugleich. Einerseits verfielen die Bauwerke immer mehr und wurden oft nur notdürftig geflickt, andererseits blieben die meisten in Benutzung und überdauerten die Jahre. Die DDR brauchte jeden Raum, um die eigene Versorgung zu sichern, um die Reparationen zu schultern und um die für notwendige Importe aus dem Westen benötigten Valuta zu erwirtschaften.

Nachwende: In den Jahren 1990 bis 1995 gingen in den meisten Objekten des Industriemuseums DDR die Lampen aus. Die Privatisierungsaktivitäten der mit weitreichenden Vollmachten ausgestatteten Treuhandgesellschaft bedeuteten für wesentliche Teile der DDR-Wirtschaft das schnelle Aus. Windige Geschäftsleute plünderten im wilden Osten. Mit der Einführung der D-Mark im Juli 1990 standen die DDR-Betriebe mit dem Rücken an der Wand. Ihr Ostgeschäft brach zusammen und im Westen bekamen sie keinen Fuß herein. Ein immenser Investitionsbedarf in neue technische Anlagen und in die Instandhaltung der heruntergewirtschafteten Objekte war kaum mit Krediten zu schultern, denn es fehlte an Rücklagen und Sicherheiten. Nebst Streitereien um Eigentumsfragen ("Rückgabe vor Entschädigung") gehörte vielen Unternehmungen nicht einmal der Grund und Boden, auf dem sie sich befanden, denn in der DDR war wesentliche Teile des Landes Volkseigentum, das nicht gekauft, nur gepachtet werden konnte. Dieser Umstand trug unter anderem zum Untergang der KONSUM-Genossenschaften bei.

Deutschland

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Tschechische Republik
Klinovec und Weipert

DDR-Wirtschaft
Die meisten volkseigenen Betriebe, die es einmal in der DDR gab, sind zerschlagen, abgerissen, verfallen und verrottet. Das ganze Ausmaß wird erkennbar, wenn man einmal in alten DDR-Messekatalogen blättert. Die nachfolgende Aufzählung der VEBs und Kombinate entstammt unter anderem dem Herbstkatalog der Leipziger Messe 1979.

Betriebe in der DDR eine Übersicht

Das waren die größten Kombinate der DDR: VEB Kombinat Robotron Dresden (66.140 Angestellte), VEB IFA-Kombinat Personenkraftwagen Karl-Marx-Stadt (63.231), VEB Kombinat Schiffbau Rostock (55.554), VEB Kombinat Fortschritt Landmaschinen Neustadt (54.716), Kombinat VEB Carl Zeiss Jena (54.217), VEB Kombinat Baumwolle Karl-Marx-Stadt (50.758), VEB Kombinat Trikotagen Karl-Marx-Stadt (50.436), VEB Kombinat Automatisierungsanlagenbau Berlin (48.807)

Markennamen und Produkten in der DDR
DDR-Duftmuseum

DDR-Deutsch

Link-Tipps
Steinerne Zeugen der Geschichte zu fotografieren, ist ein Hobby, dem auch andere nachgehen. Manche sammeln Objekte, andere verstehen sich zudem als Künstler. So oder so ist beachtlich und wirklich spannend, was es so alles gab und gibt. Eine Auswahl interessanter Seiten folgt an dieser Stelle.

Denkmalliste für Halle an der Saale
Leipziger Lost-Places-Filmprojekt
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Lost Places (Interessengemeinschaft für historische Militär-, Industrie- und Verkehrsbauten)
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Luftschutzbunker
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Urbex in Action

very special site
Chernobyl | Pripyat photographs taken in 2008 and 2009

Nachtrag: Warum eigentlich ARTEFAKTE?
Artefakte sind historische Hinterlassenschaften, Bauwerke, Objekte und Dokumente, die einen Blick in die Geschichte ermöglichen wie in keinem Lehrbuch. Artefakte sind von unvergleichlicher Authentizität. Das Fotoprojekt "Artefakte" will echte Geschichte dokumentieren, wirtschaftliche und kulturelle Wurzeln ausgraben und erforschen und der Frage nachgehen, was bleibt. Außerdem will es an die Menschen appellieren, das Vergangene genauer zu betrachten, seinen Wert zu erkennen und seine Rettung und Überlieferung zu unterstützen.